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- 21. März 2010 2 Min.
Der Papst hüllt sich über die Missbrauchsfälle in seiner Heimat in Schweigen. Was braut sich da zusammen? Vielleicht eine Philippika nicht nur wegen der Schandtaten, sondern darüber hinaus eine Kampfansage an den "Sexismus"?
Von Jürgen Friedenberg
Soll denn Liebe Sünde sein? Seit eh und je beobachtet die Kirche mit Unbehagen, dass, allen Moralpredigten zum Trotz, auch immer mehr Katholiken außerehelichen Geschlechtsverkehr nicht als Sünde empfinden, sondern als irdischen Freudenquell nutzen. Das fängt in der Schulzeit an und hört oft auch im Rentenalter nicht auf. Schlimmer noch: Gut informiert und animiert durch den Sexualkundeunterricht, treibt es so mancher Hans nicht mit Grete, sondern mit anderen Hänsen. Und das Schlimmste: Vater Staat gibt seinen Segen dazu!
Schon wurden Stimmen laut, die den Missbrauch von Kindern und Abhängigen als zwangsläufige Folge einer zunehmenden Sexualisierung der Gesellschaft zu erklären und insgeheim zu entschuldigen suchen. Zwar hätten es auch kirchliche Amtsträger an der Verantwortung für ihre Schutzbefohlenen fehlen lassen, heißt es. Doch die eigentlichen Missetäter seien die Verkünder der sexuellen Selbstverwirklichung, nämlich die Unruhestifter der sechsziger Jahre, die Emanzen beiderlei Geschlechts und – wenn es auch kaum so offen gesagt wird – insbesondere die Homosexuellen, die ja weithin als pädophil gelten.
Der unvorstellbar gewesene Umfang der aufgedeckten Missetaten hat die Menschen aufgeschreckt und sie zeitweilig stärker beschäftigt und verunsichert als die Rekordverschuldung der Bundesrepublik, für die sie als Bundesbürger immerhin zahlen müssen. Kein Wunder, dass konservative Kreise jetzt die Chance wittern, angesichts der empörenden Schandtaten die sexuelle Freizügigkeit einzugrenzen, etwa die Pornografie (oder was man dafür halten will) zurück zu drängen, den so genannten Jugendschutz strikter zu handhaben, die Strafgesetze zu verschärfen, strafverdächtige PC-Nutzer vorbeugend zu überwachen – kurzum, unter Berufung auf das angeblich (sex-)gefährdete Gemeinwohl die individuellen Freiheitsrechte zu beschneiden.
Wir müssen höllisch aufpassen, dass das Rad der Geschichte nicht zurückgedreht wird. Soll denn Liebe Sünde sein? Nein, nein, nein!















Und dass in seinem Weltbild immer die anderen, d. h. lasche liberale Theologenkollegen, die böse demokratische Moderne und die noch bösere Säkularisierung schuld sind, ist auch klar.
Das könnte er jetzt auch perfide und raffiniert, wie er ist, ausschlachten, wenn er nicht persönlich im Glashaus säße.
Man stelle sich einen Jugendamtsleiter vor, der jemand einstellt, der einen elfjährigen Jungen zuerst betrunken gemacht und dann zum Oralverkehr gezwungen hat, und der Amtsleiter kümmert sich dann nicht darum, dass dieser ohnehin Berufsunfähige nicht mehr mit Kindern arbeitet. Das ist der Fall Ratzinger im Erzbistum München. Ich denke, abgesehen von einer gut organisierten Schar Sektierer kann Ratzinger als Moralprediger z. Zt. nicht mehr viel reißen...
Der Flurschaden, den Westerwelle anrichtet, macht mir da mehr Sorgen...