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- 23. März 2010 2 Min.
In einem offenen Brief warnen Leiter der KZ-Gedenkstätten und schwule Aktivisten vor einer "Verfälschung der Geschichte", wenn im Berliner Homo-Mahnmal künftig statt eines schwulen ein lesbischer Kuss gezeigt wird.
Das an Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) gerichtete Schreiben kritisiert ausdrücklich die Ausschreibung für einen neuen Film für das Mahnmal der im Nationalsozialismus ermordeten Homosexuellen. Demzufolge soll im Denkmal künftig Interpretationen "einer gleichgeschlechtlichen Kussszene" gezeigt werden – es könnte also auch ein Kuss zwischen zwei Frauen gezeigt werden.
Dies erfülle die Unterzeichner "mit großer Sorge". Immerhin sei die jetzt gezeigte Kussszene zweier Männer "ein integraler Bestandteil des Entwurfs der Künstler Michael Elmgreen und Ingar Dragset". Viel schwerer wiege jedoch, dass eine lesbische Szene die Geschichte verfälschen könnte: "Eine derartige Neuinterpretation würde … zu einer Verzerrung und Verfälschung der Geschichte wie des Andenkens an die Verfolgten führen, die wissenschaftlich nicht zu rechtfertigen ist", erklärten die Autoren. Denn es sei historisch nicht zu belegen, "dass lesbische Frauen im Nationalsozialismus individueller Verfolgung aufgrund ihrer sexuellen Orientierung ausgesetzt gewesen seien".
Lange schwelender Streit zwischen Schwulen und Lesben
Der Streit um den Kuss ist bereits vor der Fertigstellung des Mahnmals entbrannt. Insbesondere die Frauenzeitschrift "Emma" kritisierte die angebliche Ausgrenzung von Lesben (queer.de berichtete). Die Künstler bezeichneten den Angriff von Alice Schwarzers Zeitschrift daraufhin als "populistische Attacke" (queer.de berichtete). Als Kompromiss einigten sich die Parteien dann auf ein alle zwei Jahre wechselndes Video – bei dem die Lesben in gleichen Teilen zum Zuge kommen würden.
Tatsächlich gibt es seit Jahren einen ideologischen Streit zwischen Schwulenaktivisten und Frauenrechtlerinnen um die Verfolgung von Homosexuellen in der NS-Zeit: Die Männer verweisen auf den seit 1935 verschärften Paragrafen 175, nach dem schon ein lüsterner Blick zur Strafverfolgung führte – die in Kastration oder im Konzentrationslager enden konnte. Der Paragraf richtete sich nur gegen Männer. Lesbische Aktivistinnen erklären aber, dass die Verfolgung von Lesben als "Asoziale" auch ohne ein ausdrückliches Gesetz stattgefunden habe.
Der offene Brief wurde unter anderem von den Leitern der Gedenkstätten in Dachau, Buchenwald, Ravensbrück und Bergen-Belsen unterschrieben – ebenso wie von den Homo-Aktivisten Alexander Zinn (LSVD), Rudolf Hampel (Mann-O-Meter) sowie dem Soziologen Michael Bochow. Insgesamt unterzeichneten 19 Männer und zwei Frauen das Schreiben. (dk)












