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- 09. April 2010 2 Min.
Im Streit um das Homo-Mahnmal in Berlin glaubt die Frauenzeitschrift "Emma", dass "schwule Lobbyisten" das Gedenken an die lesbischen NS-Opfer verhindern wollen.
Das Alice-Schwarzer-Blatt kritisiert die Forderung, den im Denkmal gezeigten Kurzfilm mit schwulem Kuss beizubehalten. Die Zeitschrift spricht sich statt dessen für den Kompromiss aus, nachdem der durch ein Fenster sichtbare Kurzfilm alle zwei Jahre ausgewechselt wird - zu sehen sein sollen abwechselnd küssende Männer und Frauen.
Dieser Kompromiss wurde zuletzt von Leitern der KZ-Gedenkstätten und schwulen Aktivisten in Frage gestellt (queer.de berichtete). Sie erklärten, dass ein lesbischer Kuss die Geschichte verfälschen würde, da Schwule von den Nationalsozialisten gezielt verfolgt worden seien, Lesben aber nicht. Es sei historisch nicht zu belegen, "dass lesbische Frauen im Nationalsozialismus individueller Verfolgung aufgrund ihrer sexuellen Orientierung ausgesetzt gewesen seien", so die Autoren.
Ansicht schwuler Aktivisten ist "dreist"
Die "Emma" bezeichnete diese Aussage in einem redaktionellen Text als "dreist": "Schließlich war es eine der ersten Amtshandlungen der Nazis, Lotte Hahm und Elsa Conrad, die Leiterinnen der Berliner 'Damenclubs' Violetta und Monbijou und Lesben-Aktivistinnen, zunächst ins Gefängnis und dann ins KZ zu transportieren".
Lesben seien zwar nicht vom Paragrafen 175 bedroht worden, die Gestapo habe aber gezielt Jagd auf homosexuelle Frauen gemacht, wie die Forscherinnen Claudia Schoppmann und Ilse Kokula in Erfahrung gebracht hätten. In KZs seien Lesben dann Gruppenvergewaltigungen ausgesetzt gewesen.
Zudem sei "Zwangsheterosexualität" das Ziel der "männerbündischen Nationalsozialisten" gewesen - und damit kämpften die Nazis in gleichem Maße gegen Schwule und Lesben. "Diese historischen Fakten zu leugnen, heißt nicht nur, die Frauen (mal wieder) zu verschweigen", schreibt die "Emma" - und kündigt an, in dem "kleinlich-kläglichen Streit um das Homo-Mahnmal" nicht zurückzuweichen.
Das Mahnmal hat bereits einen jahrelangen Streit um die gezeigte Kussszene hinter sich: Zunächst wurde Anfang 2006 der schwule Kuss als integraler Bestandteil des Mahnmals genehmigt. Ein halbes Jahr später startete die "Emma" erfolgreich eine Kampagne gegen das Denkmal, die von den Künstlern Michael Elmgreen und Ingar Dragset als "populistische Attacke" kritisiert wurde (queer.de berichtete).
Der Film am Homo-Mahnmal soll im Mai 2010 ausgewechselt werden. Er muss eine "gleichgeschlechtliche Kussszene" - diesmal mit zwei Frauen - in Schwarz-Weiß enthalten und darf maximal zwei Minuten dauern. 2012 sind dann wieder die Schwulen dran. (dk)













Dieses interne Gezänk, wer die legitimeren Opfer sind, erfüllt jedes Altnaziherz mit hämischer Genugtuung. Mit dem kleinen Unterschied, dass sich küssende, attraktive junge Frauen in einer patriarchal dominierten Gesellschaft keine Provokation der herrschenden Verhältnisse (außer in einigen Schwulenkreisen), sondern eine gerngesehene Wichsvorlage für Heteromänner sind. Jeweils zwei Jahre waren vereinbart und nicht, dass darüber alle drei Jahre wieder grundsätzlich diskutiert wird.