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- 14. April 2010 3 Min.
Der Literaturklassiker mit universeller Botschaft erlebt seine 16. Filmfassung. Regisseur Oliver Parker drehte routiniert, aber dennoch packend.
Von Christian Scheuß
"Nachdem ich bereits zwei Oscar Wilde-Verfilmungen gedreht hatte, stand mir eigentlich nicht der Sinn danach, mich dauerhaft in diese Schublade stecken zu lassen", erinnert sich Regisseur Oliver Parker. 1999 hatte er bereits "An Ideal Husband (Ein perfekter Ehemann), und 2002 "The Importance of Being Earnest" (Ernst sein ist alles) – beide mit Rupert Everett in der Hauptrolle - produziert. "Aber ich liebe einfach seinen Roman". Das "Bildnis des Dorian Gray", ein Klassiker des Gothic-Horror und eine Parabel auf Hedonismus und Jugendwahn, sie reizte Parker, doch noch einmal die Schublade aufzuziehen.
Die Story: Der ebenso gut aussehende wie unerfahrene Dorian Gray kommt gegen Ende des 19. Jahrhunderts in London an. Dort steht er dem Maler Basil Hallward Modell, der Dorians beeindruckende Schönheit und Jugendlichkeit in einem Portrait dauerhaft festhalten will. Unter den Fittichen des charismatischen Lord Henry Wotton findet Dorian schnell Gefallen an den hedonistischen Freuden der gehobenen Großstadt-Gesellschaft und lernt, dass sein Aussehen ihm alle Türen öffnet. So wundert es nicht, dass, kaum ist das Bild enthüllt, Dorian ein gedankenloses Versprechen äußert: Seine Seele würde er dafür geben, dass nicht er, sondern das Gemälde altert!
Dorians Wunsch wird Wirklichkeit: Während er sich ohne jegliche äußerer Konsequenzen hemmungslosem Vergnügen und verbotenen Begierden hingibt, wird sein gemaltes Abbild mit jeder begangenen Sünde hässlicher und grauenerregender. Um sein dunkles Geheimnis zu bewahren, geht Dorian bis zum Äußersten. Jahre später quälen ihn die Geister der Vergangenheit mehr denn je. Als er sich in die junge Emily verliebt, schöpft er wieder Hoffnung auf Erlösung.
Es ist bereits die 16. Verfilmung des 1890 erschienen Prosawerks des homosexuellen britischen Dichters. Daneben gab es zahlreiche Theater-, Opern-, Musical- und Ballettfassungen. Als Stummfilm gelangte die Geschichte erstmals 1910 auf die Leinwand. Ins europäisch-homophile Kulturgedächtnis hat sich besonders die Version von Regisseur Massimo Dallamano aus dem Jahr 1970 gegraben. Helmut Berger – der damals als der schönste Mann der Welt galt – verkörperte den Dandy im Sixties-Jetset, der Männer wie Frauen um den Finger wickelte. Regisseur Parker dagegen verbleibt im historischen Ambiente des viktorianischen England und hält sich auch sonst recht getreu wie auch gelungen an Oscars Wildes Romanvorlage.
Bei der Besetzung hatte Parker ebenfalls ein gutes Händchen. Mit Ben Barnes als Dorian fand er ein noch recht unverbrauchtes junges Gesicht und einen Schauspieler, der die Wandlung vom naiven Jüngling zum nimmersatten Monster überzeugend darstellt. Und mit Colin Firth als Dorians Förderer Lord Henry Wotton treffen wir auf einen altbekannten Darsteller, den besonders all diejenigen Schwulen lieben, die in den achtziger Jahren jung waren. Firth spielte 1984 an der Seite von Rupert Everett im Homokino-Klassiker "Another Country".
Ab 15.4.2010 im Kino (Concorde Film)
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