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- 08. Mai 2010 2 Min.
Die Staatsanwalschaft ermittelt wegen sexuellen Missbrauchs gegen den Augsburger Bischof Walter Mixa. Der Papst hat nun endlich sein Rücktrittsgesuch angenommen.
Von Jürgen Friedenberg
Papst Benedikt XVI. kam um die Annahme des Rücktrittsgesuchs nicht herum: Der Augsburger Ex-Bischof Walter Mixa, der Heimkinder verprügelt und Stiftungsgelder zweckentfremdet haben soll, hat sich für die Katholische Kirche zum Super-Gau entwickelt. Der ehemalige Kirchenfürst, der erst auf Drängen der Katholischen Bischofskonferenz im April in Rom ein Rücktrittsgesuch eingereicht hat, wird jetzt auch noch des sexuellen Missbrauchs eines minderjährigen Jungen bezichtigt. Die Staatsanwaltschaft hat "Vorermittlungen" eingeleitet. Es soll dabei um einen Fall aus Mixas Zeit als Bischof von Eichstätt 1996 bis 2005 gehen.
Immerhin hat die katholische Kirche dabei selbst die Staatsanwaltschaft eingeschaltet, teilte das bayerische Justizministerium mit. Mixa hat die neuen Beschuldigungen als "unwahr" zurückgewiesen, aber gleichzeitig seine Bereitschaft bekundet, mit der Staatsanwaltschaft zwecks Klärung der Vorwürfe zusammenzuarbeiten.
Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, könnte Mixa, der in der Öffentlichkeit stets als strikter Gegner homosexueller Lebensverwirklichung auftrat, womöglich der Prozess gemacht werden, sofern die neuerliche Straftat noch nicht verjährt ist. Aber auch so droht der Katholischen Kirche ein kaum vorstellbarer Vertrauensverlust, denn so schwere Verfehlungen, wie der jetzt behauptete Missbrauch, wurden hierzulande noch keinem Bischof angelastet.
Die Leitung der Augsburger Diözese tat deshalb gut daran, alle vorliegenden Hinweise an die Staatsanwaltschaft weiter zu reichen, um gar nicht erst den Verdacht aufkommen zu lassen, hier werde etwas vertuscht. Das Augsburger Domkapitel hat noch am 8. Mai Weihbischof Grünwald zum Diöcesanadministrator gewählt. Der 79jährige soll bis zur Ernennung eines neuen Bischofs die kirchlichen Amtsgeschäfte führen.
Der Papst, der angeblich schon vor einigen Tagen über die Ausweitung des Falls informiert wurde, hat sich bei der Annahme von Mixas Rücktrittsgesuch weder hierzu noch zu der Deutschland beunruhigenden Missbrauchswelle geäußert. Bitter wird es für Benedikt XVI aber schon gewesen sein, einem langjährigen "Gesinnungsgenossen" den Stuhl vor die Tür stellen zu müssen. Schadenfreude wäre unangebracht, dafür ist all das, was bisher bekannt wurde, zu schlimm und zu traurig. Aber man fragt sich doch: Wer wird der Nächste sein?
Zuletzt aktualisiert am 09.05.10 um 12:35 Uhr
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