https://queer.de/?12164
- 12. Mai 2010 2 Min.
"Newsweek" bezweifelt, dass Schwule überzeugend Heteros spielen können – daraufhin rief der offen schwule TV-Produzent Ryan Murphy zum Boykott des US-Nachrichtenmagazins auf.
Der kritisierte Artikel ist bereit Ende April erschienen. Darin spricht der offen schwule Autor Ramin Setoodeh vom "big pink elephant in the room" – also von einem "rosafarbenen" Problem, über das niemand reden will. Dieses Problem sei, dass es für offen schwule Schauspieler unmöglich sei, eine heterosexuelle Rolle zu spielen – anders als für Heteros, die in Filmen wie "Brokeback Mountain" überzeugende Arbeit geleistet hätten.
"Dieser Artikel ist so falsch wie er schockierend und beleidigend ist", erklärte dazu Produzent Ryan Murphy, der – wie die Schauspielerin Kristin Chenoweth ("Pushing Daisies") und viele Blogger – zum Boykott des Nachrichtenmagazins aufruft, solange dieses sich nicht entschuldigt. Murphy entwickelte unter anderem die Fernsehserien "Popular" und "Nip/Tuck" und zeichnet sich gegenwärtig für die Erfolgsserie "Glee" verantwortlich.
In dem Artikel nennt Setoodeh auch "Glee" als Beweis für seine These. Er kritisiert den offen schwulen Schauspieler Jonathan Groff, der in der Serie als testosterongetriebener High-School-Schüler der Hauptdarstellerin nachstellt. Besonders hart ist seine Kritik an Sean Hayes (Jack aus "Will & Grace"): Hayes komme in einem Broadway-Theaterstück, in dem er eine heterosexuelle Rolle spielt, als "hölzern und unaufrichtig" herüber; das sei typisch für Schwule in Hetero-Rollen.
Selbst frühere Stars verlören nach ihrem Outing an heterosexueller Manneskraft: Als Beispiel nennt Setoodeh Rock Hudson, der erst kurz vor seinem Tod 1985 sein Coming-out hatte. Hudson wirke in Filmen wie "Bettgeflüster" unglaubwürdig, weil man ihm die Romanze mit einer Frau nicht mehr abnehme. Einzig in komödiantischen und überdrehten Rollen könnten Schwule den Hetero geben, schreibt Setoodeh weiter. Das erkläre den Erfolg des offen schwulen Neil Patrick Harris, der in der Comedy-Reihe "How I Met Your Mother" einen frauenfressenden Playboy spielt.
Produzent Murphy nannte die Behauptungen Setoodehs "unverhohlen homophob": "'Newsweek' muss sich bei allen schwulen Lesern entschuldigen – bei Stahlarbeitern, Eltern, Buchhaltern, Ärzten usw. – also stolzen und hart arbeitenden Amerikanern, die laut Artikel nur als Tucken bezeichnet werden können", so Murphy. Mit Blick auf die bis in die 1960er Jahre reichende Rassentrennung sagte er weiter, dass Schwule dem Artikel zufolge wohl nur im hinteren Teil des Busses Platz nehmen dürfen.
In einer ausführlichen Antwort wies Setoodeh die Kritik zurück: "Ihr könnt anderer Meinung sein, aber wann habt ihr das letzte Mal einen Film mit einem Schwulen in der Hauptrolle gesehen? Ich will mit meinem Essay nicht meine eigene Community verunglimpfen, sondern ein Thema aufgreifen, das unter den Teppich gekehrt wurde." (dk)
Mehr zum Thema:
» "Glee": Die neue schwule Lieblingsserie (19.04.10)













