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- 19. Mai 2010 3 Min.
Vor dem Treffen des "Lutherischen Weltbundes" Ende Juli in Stuttgart stehen sich in der Kirche Gegner und Befürworter von Homo-Rechten unversöhnlich gegenüber.
Von Dennis Klein
Die 80 Millionen Anglikaner kennen den Streit bereits seit rund sieben Jahren: Damals wählte die Mehrheit der amerikanischen Bischöfe mit Gene Robinson erstmals einen offen schwulen Mann in ihre Reihen (queer.de berichtete). Daraufhin veranlassten Konservative in der 1538 gegründeten Glaubensgemeinschaft die Generalmobilmachung: Gemeinden in den USA trennten sich von der Mutterkirche und ganze Landeskirchen in Afrika und Asien geißelten Robinson als Sünder, der von seinem unmoralischen Lebensstil lassen müsse. Jahrelang konnte Bischof Robinson deswegen nur unter Personenschutz und mit kugelsicherer Weste in die Öffentlichkeit treten.
Bei den lockerer organisierten Lutheranern scheint sich jetzt dieses Spiel zu wiederholen. So gibt es im Lutherischen Weltbund, dem rund 70 Millionen Christen in 78 Ländern angehören, bereits erste Anzeichen für eine innerkirchlichen Kampf mit ähnlichen Fronten: Auf der einen Seite stehen die liberalen Kirchen insbesondere in Nordamerika und Europa, auf der anderen hauptsächlich Mitgliedskirchen aus Asien und Afrika, die Homosexualität nicht nur als Sünde, sondern als schwere Straftat ansehen - quasi eine Auseinandersetzung Erste gegen Dritte Welt.
Erregungspotenzial für Konservative haben vor allem die liberalen Hochburgen in Schweden und den USA produziert: So wählte die Svenska Kyrkan im vergangenen Jahr mit Eva Brunne erstmals eine offen lesbische Frau zur Bischöfin (queer.de berichtete). Die Evangelical Lutheran Church in America entschied wenige Monate später, dass homosexuelle Pfarrer nicht mehr zölibatär leben müssen und stellte sie so mit ihren heterosexuellen Kollegen gleich (queer.de berichtete).
Homo-Ehe "vernichtend" für Bibel
Das hat Konsequenzen: Die beiden größten Mitgliedsorganisationen in Afrika, die Mekane-Jesus-Kirche in Äthiopien und die evangelisch-lutherische Kirche in Tansania, warnen die europäischen und nordamerikanischen Glaubensgenossen vor weiteren Zugeständnissen. Sie richten sich dabei besonders gegen die Anerkennung der Homo-Ehe, wie sie etwa die schwedische Kirche vollzogen hat: "Diejenigen, die gleichgeschlechtliche Ehen unterstützen, setzen alles daran, eine Bibelpassage nach der anderen zu vernichten, um Homosexualität zu legalisieren", erklärte etwa die Bischofskonferenz in Tansania in einer gemeinsamen Erklärung. Man akzeptiere zwar, dass sich moralische Werte veränderten. Homosexualität könnten Lutheraner aber nie anerkennen, da sich "manche Dinge nie verändern". So würden Menschen immer mit "Nase, Ohren und Mund geboren", ebenso unumstößlich seien Mann und Frau füreinander geschaffen.
Die äthiopische Kirche beschuldigt westliche Lutheraner, die Spaltung zu provozieren: "Die unilateralen Aktionen haben das Leben in unserer Gemeinschaft negativ beeinflusst. Das hätte verhindert werden können", erklärte Wakseyoum Idosa, Chef der vier Millionen Gläubige umfassenden nordostafrikanischen Kirche. Auf dem Kontinent sei diese Meinung Konsens, so Idosa weiter. In Afrika lebt knapp ein Viertel der lutherischen Gläubigen.
Damit dürfte das Thema Homosexualität für Gesprächsstoff bei der lutherischen Vollversammlung in Stuttgart sorgen. Zu der Veranstaltung die nur alle sieben Jahre stattfindet, werden vom 20. bis 27. Juli 400 Delegierte aus allen lutherischen Mitgliedskirchen in der baden-württembergischen Landeshauptstadt erwartet. Das Motto lautet dieses Jahr: "Unser tägliches Brot gib uns heute". Allerdings scheint es gerade Kirchen in der Dritten Welt wichtiger zu sein, Schwulen und Lesben das Leben schwer zu machen, als den Hunger in der Welt zu beenden.














