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Vor dem Treffen des "Lutherischen Weltbundes" Ende Juli in Stuttgart stehen sich in der Kirche Gegner und Befürworter von Homo-Rechten unversöhnlich gegenüber.

Von Dennis Klein

Die 80 Millionen Anglikaner kennen den Streit bereits seit rund sieben Jahren: Damals wählte die Mehrheit der amerikanischen Bischöfe mit Gene Robinson erstmals einen offen schwulen Mann in ihre Reihen (queer.de berichtete). Daraufhin veranlassten Konservative in der 1538 gegründeten Glaubensgemeinschaft die Generalmobilmachung: Gemeinden in den USA trennten sich von der Mutterkirche und ganze Landeskirchen in Afrika und Asien geißelten Robinson als Sünder, der von seinem unmoralischen Lebensstil lassen müsse. Jahrelang konnte Bischof Robinson deswegen nur unter Personenschutz und mit kugelsicherer Weste in die Öffentlichkeit treten.

Bei den lockerer organisierten Lutheranern scheint sich jetzt dieses Spiel zu wiederholen. So gibt es im Lutherischen Weltbund, dem rund 70 Millionen Christen in 78 Ländern angehören, bereits erste Anzeichen für eine innerkirchlichen Kampf mit ähnlichen Fronten: Auf der einen Seite stehen die liberalen Kirchen insbesondere in Nordamerika und Europa, auf der anderen hauptsächlich Mitgliedskirchen aus Asien und Afrika, die Homosexualität nicht nur als Sünde, sondern als schwere Straftat ansehen - quasi eine Auseinandersetzung Erste gegen Dritte Welt.

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Erregungspotenzial für Konservative haben vor allem die liberalen Hochburgen in Schweden und den USA produziert: So wählte die Svenska Kyrkan im vergangenen Jahr mit Eva Brunne erstmals eine offen lesbische Frau zur Bischöfin (queer.de berichtete). Die Evangelical Lutheran Church in America entschied wenige Monate später, dass homosexuelle Pfarrer nicht mehr zölibatär leben müssen und stellte sie so mit ihren heterosexuellen Kollegen gleich (queer.de berichtete).

Homo-Ehe "vernichtend" für Bibel

Das hat Konsequenzen: Die beiden größten Mitgliedsorganisationen in Afrika, die Mekane-Jesus-Kirche in Äthiopien und die evangelisch-lutherische Kirche in Tansania, warnen die europäischen und nordamerikanischen Glaubensgenossen vor weiteren Zugeständnissen. Sie richten sich dabei besonders gegen die Anerkennung der Homo-Ehe, wie sie etwa die schwedische Kirche vollzogen hat: "Diejenigen, die gleichgeschlechtliche Ehen unterstützen, setzen alles daran, eine Bibelpassage nach der anderen zu vernichten, um Homosexualität zu legalisieren", erklärte etwa die Bischofskonferenz in Tansania in einer gemeinsamen Erklärung. Man akzeptiere zwar, dass sich moralische Werte veränderten. Homosexualität könnten Lutheraner aber nie anerkennen, da sich "manche Dinge nie verändern". So würden Menschen immer mit "Nase, Ohren und Mund geboren", ebenso unumstößlich seien Mann und Frau füreinander geschaffen.

Die äthiopische Kirche beschuldigt westliche Lutheraner, die Spaltung zu provozieren: "Die unilateralen Aktionen haben das Leben in unserer Gemeinschaft negativ beeinflusst. Das hätte verhindert werden können", erklärte Wakseyoum Idosa, Chef der vier Millionen Gläubige umfassenden nordostafrikanischen Kirche. Auf dem Kontinent sei diese Meinung Konsens, so Idosa weiter. In Afrika lebt knapp ein Viertel der lutherischen Gläubigen.

Damit dürfte das Thema Homosexualität für Gesprächsstoff bei der lutherischen Vollversammlung in Stuttgart sorgen. Zu der Veranstaltung die nur alle sieben Jahre stattfindet, werden vom 20. bis 27. Juli 400 Delegierte aus allen lutherischen Mitgliedskirchen in der baden-württembergischen Landeshauptstadt erwartet. Das Motto lautet dieses Jahr: "Unser tägliches Brot gib uns heute". Allerdings scheint es gerade Kirchen in der Dritten Welt wichtiger zu sein, Schwulen und Lesben das Leben schwer zu machen, als den Hunger in der Welt zu beenden.

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#1 KatholenbasherAnonym
  • 19.05.2010, 15:17h
  • Der Aussage, daß sich die afrikanischen Kirchen im Bereich der Bekämpfung von Hungersnöten in den Staaten, eine Vorreiterrolle spielen sollten! Genau dort, wo die Hungersnot am größten ist! Deshalb sollte gerade dort der Ball flach gehalten und nicht über die LGBT-Community hergezogen werden!
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#2 schwarzwaldbub
  • 19.05.2010, 16:02h
  • Im Lutherischen Weltbund gibt es noch ganz andere Themen, die für Spannung sorgen: Von den 140 Mitgliedskirchen ordinieren nämlich 37 (!) keine Frauen. Es wäre auch nicht die erste Spaltung im lutherischen Lager.

    Dass die Bibel Homosexualität als schwere Sünde verbietet wird auch dann nicht wahr, wenn hundert lutherische Bischöfe aus Afrika das behaupten.

    Auch die Kirchen aus dem Baltikum stellen sich beim Thema Schwule und Lesben quer.
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#3 Timm JohannesAnonym
  • 19.05.2010, 16:09h
  • Im Artikel ist ein "kleiner" Tippfehler: Bischöfin Mary Glasspool ist natürlich Mitglied der anglikanischen Kirche in den USA und anglikanische Bischöfin in Los Angels und keine Lutheranerin. Bitte das verbessern, Redaktion.

    Danke für den Hinweis, wir haben den Fehler korrigiert. Red.

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    Ansonsten hier haben wir es mit einem Konflikt zwischen den Industrieländern (Europa, Nordamerika, Australien/Neuseeland) und den Schwellenländern (Südamerika/Mittelamerika/Ostasien) mit der Dritten Welt (Afrika) zu schaffen.

    In 76 Staaten stehen homosexuelle Handlungen unter Strafe. Dabei handelt es sich um den islamisch geprägten Nahen Osten/Nordafrika sowie ansonsten ausschliesslich um Drittweltstaaten in Afrika sowie auf Karibik- und Pazifikinselstaaten.

    Es fällt beispielsweise auch auf, das auch genau in solchen Drittweltstaaten eine sehr restriktive Abtreibungsregel für Frauen besteht, so das dort kaum vernünftige Familienplanung und Eindämmung der Bevölkerungsexplosion in diesen Drittweltstaaten erfolgen kann.

    Lutheraner haben mit diesem Konflikt "weniger" Probleme als die Anglikaner; auch wenn dieser Artikel dies suggerieren mag. Der GRUND ist nämlich historischer Art. Grosse an Mitglieder starke lutherische Kirchen in Drittwelstaaten gibt es aufgrund der Kolonialgeschichte für die Lutheraner nicht. Schweden, Dänen, Norweger, Deutsche (später Nationalstaat 1870; zu kurze Periode; 1. Weltkrieg war bereits Schluss) hatten kaum Kolonialgebiete. Für die Anglikaner hingegen besteht sehr wohl ein grosser Konflikt hier, da die Briten mit ihrem Kolionalreich auch die anglikanischen Priester mitbrachten nach Afrika, was sich heute in mitgliederstarken anglikanischen Kirche in Ostafrika/Nigeria zeigt.

    Daher diese Debatte und der Konflikt zu den Drittweltstaaten ist eher massiver ein Konflikt für die Anglikaner und weniger für die Lutheraner, da es kaum grosse mitgliedsstarke lutherische Kirchen in Drittweltstaaten gibt.

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    Übrigens die Katholiken hätten es da eigentlich sogar einfacher als die Anglikaner. Denn das katholisch geprägte Süd- und Mittelamerika, wo die katholischen Hauptgläubigen sind, ist seit Jahrzehnten politisch und gesellschaftlich von Linksregierungen geprägt gewesen, wo die Homo-Ehe nunmehr auf dem Vormarsch ist.

    Es ist daher weniger ein Glaubenskonflikt, sondern ein Drittwelstaatenproblem, der sich hier zeigt.

    Die Analyse von Dennis Klein geht nicht "tief" genug, denn er müßte sich mit den Mechanismen von Drittweltstaaten hier auseinandersetzen:

    *"Viele Kinder sichern angeblich den Wohlstand, so denkt die einzelne Familie in Afrika; aber sie "fressen" den Wohlstand und die Resourcen des Landes auf und verhindern den volkswirtschaftlichen Aufstieg zum Schwellenland; Homosexualität gilt da in diesen Entwicklungsländern als "Gefährdung", obgleich gerade weniger Kinder oder keine Kinder volkswirtschaftlich gut für diese Weltregionen wären.

    Das THEMA lautet: Teufelskreis der afrikanischen Drittwelstaaten und "kleinen" Inselstaaten der Karibik und des Pazifiks.
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