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- 19. Mai 2010 2 Min.
Kaum ist der FC St. Pauli in die 1. Bundesliga aufgestiegen, wirft mit Corny Littmann der einzige offen schwule Präsident eines Profi-Fußballclubs das Handtuch.
"Ich habe nach dem Sieg in Fürth nur noch gedacht: Mehr geht nicht. Und deshalb möchte ich freiwillig dann gehen, wenn ich auch noch bleiben könnte", begründete der 57-jährige Theaterbesitzer am Mittwoch in einer Pressekonferenz seinen Rückzug. Er stand seit über sieben Jahren an der Spitze des Traditionsvereins, der erst vor wenigen Tagen seinen 100. Geburtstag gefeiert hatte.
Mit seiner Leistung ist Littmann zufrieden: "Ich stand einmal am Ruder eines lecken Kahns, jetzt ist daraus ein prachtvolles Piratenschiff geworden." Tatsächlich kickten die Hamburger noch 2007 in der Regionalliga Nord. In der jetzt abgelaufenen Saison belegte der Kiezclub hinter dem 1. FC Kaiserslautern den 2. Platz in der 2. Liga und sicherte sich damit den Aufstieg in die oberste deutsche Spielklasse.
In seiner Amtszeit als Präsident hat Littmann immer wieder die Heuchelei beim Thema Homosexualität im Profifußball kritisiert. So erklärte er 2006, dass es sogar in der Nationalmannschaft schwule Spieler gebe (queer.de berichtete). Schwule Fußballer müssten sich allerdings gemeinsam outen, da ein Einzelner dem Druck durch Medien und Fans nicht standhalten würde.
Wenn er Ungerechtigkeiten sah, war der Präsident nie um Worte verlegen: So bezeichnete der St.-Pauli-Chef den damaligen Kölner Coach Christoph Daum 2008 nach homophoben Ausbrüchen als "Trainer-Arschloch" (queer.de berichtete). Bereits in den 1970er Jahren hatte sich Littmann für die Schwulenbewegung engagiert.
Die Amtszeit von Littmann wäre eigentlich erst im März 2011 abgelaufen, nun soll bereits im November ein Nachfolger bestimmt werden. Trotzdem wird er dem Verein noch als Geschäftsführer der FC St. Pauli Service GmbH, die unter anderem über den Stadionausbau entscheidet, erhalten bleiben. Außerdem sei er weiter "Fan und Freund" des Vereins: "Ich verlasse zwar die Brücke, aber nicht das Schiff", stellte er klar. (dk)















Ein potenzieller Informant mehr, auf den sich die Medien stürzen können - muss ja nicht allzu offensichtlich sein - und der jetzt natürlich empfänglicher für entsprechende Anfragen sein wird als zu Zeiten, in denen er sich in herausgehobener Funktion bei einem Profi-Club befand.
Oder der zumindest unvorsichtiger sein wird.