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- 27. Juni 2010 3 Min.

Kritikerin der Szene: Judith Butler
Im Interview mit queer.de verrät die Gender-Theoretikerin, warum sie den Zivilcouragepreis abgelehnt hat, was beim CSD falsch läuft und was dagegen getan werden muss.
Von Christian Scheuß
Das war ein ganz schön lauter Knall, den Du mit der Verweigerung des Zivilcouragepreises erzeugt hast. Die Kommerzialisierung des Berliner CSDs war als einer deiner Kritikpunkte genannt worden. Aber Du hattest einen viel schwerwiegenderen Vorwurf erhoben: Rassismus in der Community...
Es gibt von meiner Seite aus weder besondere Kritik an der kommerziellen Ausrichtung der CSD-Parade noch habe ich gesagt, er sei zu oberflächlich. Ich liebe den "Pride" und das man sich dort mit anderen aus der LGBTQ-Community auf der Straße amüsieren kann. Doch es ist traurig, dass dieser Pride nicht genug getan hat, um Verbindungen zu weiteren Minderheiten zu knüpfen oder sich gegen jedwede Form von Rassismus zu erheben.
Das war "Großes Theater", so ein Kommentar zu Deinem Auftritt. Hattest Du das so von Anfang an geplant oder war es eher eine spontane Entscheidung?
Ich kam nach Berlin mit der vollen Überzeugung, den Preis annehmen zu wollen, aber ich wurde schnell von einer Anzahl von Gruppen angesprochen und gebeten worden, darauf zu verzichten. Ich habe mich mit ihnen getroffen, ihr Material gelesen und nach den Belegen gefragt, die zeigen, dass der CSD beziehungsweise dessen Sponsoren explizit rassistische Ansichten haben. Oder auch, wo der CSD es versäumt hat, sich von Mitgliedern, die solche Ansichten vertreten, zu distanzieren. Die Beweise, dass es eine Menge an Rassismus gibt waren so überzeugend, das ich am Tag vor der Verleihung entschied, den Preis ablehnen und meine Beweggründe dafür öffentlich machen zu wollen.
Woher kommen diese Ab- und Ausgrenzungen, die dir mitgeteilt worden sind?
Vielleicht sollten wir zunächst fragen, wer denn überhaupt die LGBT-Community ist. Denn sie sollte queere Menschen, die mit anderen Hautfarben und solche aus weiteren Minderheiten mit einbeziehen. Doch wenn wir uns verhalten, als gehöre LGBT den dominierenden Communities und sei vorrangig etwas für Weiße, dann haben wir bereits einen Fehler gemacht. Denn wir denken dann aus der Sicht der Unterschiede innerhalb dieser Vereinigung, seien es kulturelle, religiöse oder ethnische Verschiedenheiten. Viele der kleinen queer-Minderheiten haben Ängste entwickelt gegenüber der dominanten Gay-Community, die eine Politik des Rassismus entwickelt und fördert.
Weniger Caipirinha, mehr Kommunikation – oder wie sähe ein CSD aus, bei dem Du glücklich wärest, den Zivilcouragepreis anzunehmen?
Ich wünschte, die Umstände wären die richtigen gewesen, um diesen Preis anzunehmen. Mein Gefühl ist, dass der CSD eine stärkere Allianz mit dem Transgenialen CSD eingehen sollte. Das würde bedeuten, man träfe sich regelmäßig, um über das öffentliche Auftreten zu entscheiden, und es hieße, eine starke Position gegenüber Rassismus einzunehmen. Es kann keine starke Bewegung gegen Homophobie geben ohne eine starke Bewegung gegen Rassismus. Das fühle ich nicht nur als jemand mit einem jüdischen Hintergrund, sondern auch als jemand, der glaubt, dass Antisemitismus eine von vielen Formen des Rassismus darstellt. Bekämpfen müssen wir sie alle.
Die CSD-Organisatoren hatten nach dem Eklat angekündigt, den Dialog mit Dir suchen zu wollen. Wie ist das verlaufen?
Ich hatte selbstverständlich diesen Kontakt und ich habe auch klargemacht, dass ich keine Erstattung der Kosten dieser Reise mehr haben wollte. Sie haben das Geld in weiser Entscheidung den Gruppen gegeben, mit denen ich vorab die Gespräche geführt hatte. Ich glaube auch, dass die CSD-Organisatoren den Dialog mit diesen Gruppen eröffnen werden. Wenn das klappt, wäre es die glückliche Konsequenz eines unglücklich verlaufenen Events.
Links zum Thema:
» Dokumentation der Rede, die Judith Butler auf dem CSD hielt.
Mehr zum Thema:
» s.a.: Judith Butler lehnt Zivilcourage-Preis ab















Das ist nicht nur sachlich falsch, sondern geradezu beleidigend.
Damit beweist Frau Butler die Falschheit ihrer These, da sie auf die Propaganda anderer Gruppierungen reinfällt.
Man muss immer sehen, wer der Agressor ist und wer darauf reagiert. Und da hat sich Frau Butler wohl einseitig informiert bzw. beeinflussen lassen.
Fakt ist:
jeder mir bekannte CSD in Deutschland steht allen Schwulen, Lesben, Bi- und Transsexuellen offen. Er steht sogar allen Heteros offen, die sich für Vielfalt und Gleichberechtigung einsetzen wollen. Und das unabhängig von Nationalität, ethnischer Herkunft, Religion, Hautfarbe, etc.
So gibt es bei den meisten CSDs schwul-lebische Türken, Griechen, etc. die mit eigenen Gruppen mitgehen.
Aber:
genauso muss klar sein, dass ein CSD in erster Linie zur Gleichstellung von Schwulen, Lesben, Bi- und Transexuellen dient. Es gibt sicher noch genug andere Probleme auf der Welt, aber man kann nicht alles in einer Aktion zusammenfassen. Dann wird es so sehr verwässert, dass man am Ende gar keine Aussage mehr hat und niemandem geholfen ist.
Wenn z.B. bestimmte Migrantengruppen Homosexualität ablehnen oder gar gewalttätig werden, dann muss man das doch sagen können. Wem hilft das Verschweigen der Wahrheit?
Aber genauso ist aus denselben Migrantengruppen jeder willkommen, der kein Problem damit hat. Nur wenn jemand ein Problem mit Schwulen und Lesben hat, muss man das auch kritisieren dürfen, egal welche Hautfarbe oder Nationalität er hat.
Wir sind ja nicht die Leute, die von uns aus jemanden ausschließen, sondern bei uns ist jeder willkommen. Nur wenn jemand ein Problem mit uns hat, kritiseren wir das auch. Das ist aber weder populistische Hetze noch sonst was.
Wir können einfach nicht auf CSDs auch noch tausend andere Forderungen stellen, dazu fehlt uns Geld und Personal. Erst recht nicht, wenn uns Leute wie Frau Butler in den Rücken fallen, statt uns zu unterstützen.
Aber nur weil wir nicht auch noch tausend andere Forderungen stellen, heißt das nicht, dass wir diese nicht auch teilen! Nur geht es bei einem CSD halt in erster Linie um unsere Gleichstellung und nicht um andere Minderheiten, Umweltschutz, Globalisierung oder was sonst noch alles Demos wert wäre.
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Und eines darf man auch nie vergessen:
von allen Minderheiten stehen wir nochmal ganz unten (alleine schon durch Art. 3 GG, wo wir im Gegensatz zu Hautfarbe, Religion, etc. nicht genannt werden)! Sollte Frau Butler da nicht eher fordern, dass die anderen Minderheiten, die schon viel weiter sind als wir erst mal uns unterstützen, bevor wir uns jetzt auf andere Themen als Homogleichstellung konzentrieren?
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