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  • 23. Juli 2010 19 3 Min.

Raumflotten-Rentner George Takei zeigte sich offen schwul im britischen Dschungelcamp.

Im britischen Fernsehen tauchen nur wenige positive Darstellungen von Schwulen und Lesben in Sendungen auf, die bei Jugendlichen beliebt sind.

Das ist das Ergebnis der Studie "Unseen on Screen" der Homo-Gruppe Stonewall. Lediglich in 0,6 Prozent der Sendezeit bei den 20 populärsten Serien und Shows unter Jugendlichen seien Schwule oder Lesben "realistisch und positiv" dargestellt worden. Ansonsten sieht es düster aus: "Schwule und Lesben sind entweder Klischees, Witzfiguren oder fast unsichtbar im Jugend-TV", erklärte Stonewall.

Die 20 untersuchten Sendungen werden in den vier Kanälen BBC1, ITV1, Channel 4 und Five ausgestrahlt. In 126 untersuchten Programmstunden brachten es die Sender lediglich auf 46 Minuten, in denen Homo­sexuelle realistisch und positiv dargestellt wurden. Besonders negativ fiel der Marktführer BBC1 auf: Hier gab es in rund 40 Stunden Programm nur 44 Sekunden lang "normale" Homo­sexuelle. Ansonsten wurden Schwule gerne als Gewaltopfer, triebgesteuert oder schlicht als lustige Tucke dargestellt.

Seifenopern dominieren


"Skins"

Die meisten Darstellungen von Schwulen und Lesben erfolgten in Seifenopern wie "Eastenders" (39 Prozent) und im Reality-TV (33 Prozent). In der Reality-Sparte geht dabei der größte Anteil auf die britische Version von "Ich bin ein Star, holt mich hier raus" zurück, die auf ITV1 ausgestrahlt wird. Die einzige nicht vom britischen Fernsehen produzierte Sendung ist die US-Serie "Die Simpsons".

In Interviews beklagten die Jugendlichen die einseitige Darstellung von Schwulen und Lesben: "Das Fernsehen zeigt ein falsches Bild von Homo­sexuellen. Es geht immer nur darum, dass sie zusammengeschlagen und diskriminiert werden", kommentierte ein Teenager das Unterhaltungsprogramm. Der 12-jährige Tim erklärte, er habe im Fernsehen gelernt, dass Schwule immer viele Haarpflegemittel verwendeten. Und William erfuhr einiges über den Gemütszustand von Schwulen: "Die scheinen nie glücklich zu sein", so der 13 Jahre alte Bub.

Viele ambitionierte Dokumentation oder Drama-Serien sind in der Wertung nicht berücksichtigt worden, da sie es nicht regelmäßig in die Top-20 der erfolgreichsten Jugendsendungen schaffen. So zeigte Channel 4 etwa zur Hauptsendezeit um 20 Uhr die Doku "Africa's last Taboo", in der die Wurzeln der Homophobie auf dem schwarzen Kontinent analysiert wurden. Jugendliche sind allerdings für solche Sendungen, die aus dem Unterhaltungsprogramm-Schema herausfallen, eher schwer zu begeistern. Auch viele Sparten-Fernsehserien sind in Großbritannien ambitionierter als in Deutschland: So gehören "Skins" oder "Torchwood" zu den von Kritikern hochgelobten Sendungen mit integrierten schwulen Figuren. "Skins" ist allerdings nur im Digitalsender E4 zu empfangen, während "Torchwood" über Jahre auf BBC3 und BBC2 versteckt wurde. Erst 2009 ist die Serie, die hierzulande auf RTL II ausgestrahlt wird, im BBC-Hauptprogramm angekommen.

BBC 2 zeigte auch zwei Staffeln der schwulen Coming-of-Age-Serie "Beautiful People" vom "Beautiful Thing"-Autor Jonathan Harvey. Auch TV-Filme schafften es nicht in die Stonewall-Studie. Erst kürzlich hatte die BBC einen 90-Minüter über die jungen Jahre von Boy George gezeigt, ITV über die letzten Jahre von Quentin Crisp. (dk)

-w-

#1 JensAnonym
  • 23.07.2010, 15:09h
  • Das Problem bei Schwulen ist das nur jene die auffallen als schwul gelten. In der öffentlichen Wahrnehmung existieren die anderen Schwulen gar nicht.
    Vielleicht hat das was mit der Angst mancher Männer vor eigenen homosexuellen Anteilen/Wünschen zutun?
    Nach dem Motto, wenn schwul sich durch tuntig sein etc. definiert kann ich ja beruhigt sein denn das bin ich nicht.

    Deswegen geben sich viele Schwule auch als bisexuell aus, weil sie sich nicht als "klischeeschwul" empfinden.
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#2 darkon
  • 23.07.2010, 15:30h
  • Wow... ganze 20 Sendungen wurden genommen für die Studie?
    Na das ist doch mal ne fundierte Studie...

    Was erwarten die eigentlich? Ich sehe auch keine realisitischen Heten im Fernsehen...
    Reale Menschen ohne Dramatisierungen wären schlicht und ergreifend nicht unterhaltsam genug um zur Hauptsendezeit (und nur die wurde ja untersucht) in den Hauptsendern zu laufen. Dort läuft nunmal das Material das Quote bringt, egal wie banal das sein mag (DschungelCamp...).

    Vor allem wäre ich zu meiner Jugendzeit froh gewesen, wenn es überhaupt irgendwelche Schwulen im TV gegeben hätte. Außer Steven beim DenverClan war da aber nix...

    Bei BBC2 und BBC3 von "Verstecken" zu reden ist übrigens reichlich daneben. Die Sender werden landesweit ausgestrahlt und sind auch überall empfangbar. Sie sind nunmal die Plattformen für regionale Inhalte, experimentellere Sachen und eher randgruppenorientiertes Programm (Tagsüber ist BBC3 zum Beispiel CBBC (Childrens BBC).
    So etwas fehlt bei uns einfach...
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#3 RalfAnonym
  • 23.07.2010, 16:09h
  • Langsam reicht's. Jeder flüchtige Blick hinter die Kulissen wird in den Rang einer Studie erhoben, um einer unfundierten Aussage scheinwissenschaftliche Aura zu verleihen. Auf solchen Unfug sollte weder queer.de noch sonst wer reflexhaft ansprechen. Das Ergebnis ist stets die x-te Fortschreibung der schwulen Opferrolle, unendlich wiedergekäut im Jammerlappenton.

    Zum Thema: Mein Eindruck ist, dass fast immer, wenn Schwule tatsächlich mal im Ferrnsehen auftauchen, dies bestenfalls Anlass ist, ihre sexuelle Orientierung auf oberflächliche Weise zu problematisieren, sei es in einem Film, einer Serie oder einer Doku. Dass ganz einfach z.B. irgendeine Rolle in einer Serie schwul sein könnte, ohne dass das irgendwie Thema sein muss, kommt praktisch nicht vor.
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