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  • 27. Juli 2010 35 2 Min.

David Berger

Nach seinem Coming-out hat die Päpstlichen Akademie des heiligen Thomas von Aquin in Rom den deutschen Theologen David Berger gefeuert.

Grund ist das Coming-out des 42-Jährigen vor drei Monaten in der "Frankfurter Rundschau". Berger sah sich damals zu diesem Schritt gezwungen, nachdem ihm die Fördergemeinschaft "Theologisches" ein Facebook-Profil attestiert hatte, das "eindeutig das Verwurzeltsein in einem homo­sexuellen Milieu" bekunde. Daraufhin trat Berger von seinem Posten als Herausgeber des konservativen katholischen Magazins der Fördergemeinschaft zurück.

Akademiepräsident Lluis Clavell begründete die Kündigung direkt mit dem Coming-out. Weil der Theologe in "einigen Punkten der kirchlichen Lehre" inakzeptable Einstellungen vertrete, sei eine weitere Lehrtätigkeit nicht mehr möglich. Dabei spielte es für die Kirche keine Rolle, ob Berger seine Veranlagung auslebt oder nicht.

"Ein System perfider Unterdrückungsmechanismen"

In seinem Coming-out hatte der jetzt Geschasste die katholische Kirche als "ein System perfider Unterdrückungsmechanismen" bezeichnet. Er erklärte, der Vatikan habe die aus dem Katechismus des Jahres 1992 hervorgegangene Öffnung der Kirche gegenüber Schwulen und Lesben ins Gegenteil verkehrt. Der Katechismus besagt zwar, dass Homosexuelle gegen das "natürliche Gesetz" verstießen; erstmals sicherte die Kirche Nicht-Heterosexuellen aber zu, sie mit "Achtung, Mitleid und Takt" zu behandeln – Anfang der 90er Jahre ein echter Fortschritt. "Wovor hat die Kirchenführung Angst", fragte Berger in seinem Coming-out-Artikel, "dass sie jetzt wieder zurückfällt in Ausgrenzung und Aversion, statt mit dem Mut des Glaubens und der Vernunft voranzuschreiten?".

Der Vatikan geht seit einigen Jahren wieder härter gegen Schwule und Lesben vor. So gab es im Laufe des Missbrauchsskandals Berichte über mehrere Entlassungen von schwulen Priestern (queer.de berichtete). Immer mehr hochrangige Vertreter setzen zudem Homosexualität und Pädophilie gleich: So erklärte unlängst etwa ein brasilianischer Erzbischof, das zunehmende Akzeptanz von Schwulen und Lesben zu einer "pädophilen Gesellschaft" führe (queer.de berichtete). (dk)

-w-

#1 dummfugAnonym
  • 27.07.2010, 16:51h
  • "eindeutig das Verwurzeltsein in einem homosexuellen Milieu"
    - solche Formulierungen implizieren viel mehr als sie vordergründig aussagen sollen.

    Die katholische Kirche zeigt hier mal wieder deutlich, was sie unter "Akzeptanz" und unter "Achtung" und "Takt" versteht. "Mitleid" mit der Kirche hat daraufhin wohl keiner mehr.

    Vertuschung, Unterdrückung, Verleugnung, Verleumdung; warum fallen einem diese Worte immer wieder ein, wenn Gedanken um die Kirche kreisen? Hoffentlich wird der Öffentlichkeit immer mehr und mehr bewusst, was da abläuft. Mit einem christlichen Glaubensbild ist das nicht vereinbar.

    Für den Einzelnen, die Betroffenen der Ausgrenzung und Abkehr ist das besonders hart. Daher kann ich nur hoffen, das die Behandlung, die die katholische Kirche den Menschen antut, keine bleibenden Schäden in Ihrem Leben hinterlässt. Gäbe es eine dritte Alternative als nur zwischen totaler Abkehr und "ducken" organisiert zu leben, könnte es vielleicht anders aussehen. Das wäre dann wirklich mal eine echte Gefahr der römischen Diktatur - äh, Kirche.
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#2 alexander
  • 27.07.2010, 17:03h
  • bei allem verständnis für den priester, aber als schwuler wähle ich auch keine cdu !
    ich bewundere seinen mut, er hat immerhin courage, aber wie kann ein mensch ein halbes leben in selbstverleugnung für diesen verein tätig sein ?
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#3 predigerAnonym
  • 27.07.2010, 17:10h
  • "Wovor hat die Kirchenführung Angst?"

    das kann ich beantworten: vor freien, glücklichen menschen.
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