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  • 03. August 2010 64 3 Min.

Gefreiter Bradley Manning

Ein 23-jähriger schwuler US-Soldat soll tausende geheimer Dokumente über den Einsatz im Irak und in Afghanistan an die Internetplattform WikiLeaks weitergegeben haben.

Von Dennis Klein

Der Gefreite Bradley Manning aus dem US-Bundesstaat Maryland war bereits im Mai diesen Jahres festgenommen worden, weil er geheime Daten über die amerikanischen Kampfeinsätze gestohlen haben soll. Die Dateien hat er bei seinem Einsatz in Bagdad auf CDs gebrannt, die er mit Labeln wie "Lady Gaga" beschriftete. Mit dieser Täuschung gelang es ihm, unzählige Informationen an WikiLeaks weiterzugeben. So soll etwa ein Video von ihm stammen, in dem gut gelaunte US-Soldaten im Irak von einem Helikopter aus Zivilisten erschießen.

Britische Zeitungen haben im Leben von Manning recherchiert, da seine Mutter Engländerin ist. Dabei haben sie seine Homosexualität publik gemacht, die er nach der "Don't ask, don't tell"-Regelung in der US-Armee geheim halten musste. So zitiert die "Daily Mail" einen früheren Freund mit den Worten: "Als er 13 war, erzählte er mir, dass er schwul ist". Der "Daily Telegraph" fand einen "Facebook"-Eintrag, in dem Manning über einen "Ex-Boyfriend" sprach und veröffentlichte ein Bild, das ihn auf einem CSD zeigte – er trug dabei ein Schild, auf dem er forderte, dass auch Schwule und Lesben offen im US-Militär dienen sollten. Die US-Medien halten sich mit der Berichterstattung über die sexuelle Orientierung Mannings dagegen merklich zurück. Nur einige Blogs haben darüber geschrieben.

Enttarnt von einem früheren Homo-Journalisten


Eines der wahrscheinlich von Manning an WikiLeaks weitergeleiteten Geheimdokumente: Hier wird gezeigt, wie US-Soldaten vom Helikopter aus Zivilisten erschießen.

Manning wurde enttarnt, nachdem er mit dem früheren Hacker Adrian Lamo chattete und ihm dabei offenbar alles gestand. Als Grund für die Spionage gab er an, dass die Informationen "öffentliche Daten" seien, die jedem zugänglich gemacht werden müssten. Lamo war allerdings anderer Ansicht und schaltete die US-Behörden ein, die Manning daraufhin verhafteten. Blogs spekulieren nun, dass Manning dem Ex-Hacker sein Herz ausschüttete, weil dieser früher für den schwul-lesbischen Nachrichtendienst "PlanetOut" gearbeitet hatte und daher als vertrauenswürdig erschien. Der teilweise veröffentlichte Blog beinhaltet auch Passagen, die eine Geschlechts­identitätskrise andeuten – Manning könnte demnach also auch trans­sexuell sein. Allerdings gibt es dafür keine weiteren Hinweise.

In den Vereinigten Staaten hat der Fall hohe Wellen geschlagen. Die Obama-Regierung befürchtet, dass mit den Veröffentlichungen Soldaten und Zivilisten in Afghanistan und im Irak gefährdet werden könnten. Die Mehrheit der Amerikaner teilt diese Befürchtung. Menschenrechtsaktivisten argumentierten jedoch, dass es keine Straftat sei, auf Missstände oder sogar Kriegsverbrechen aufmerksam zu machen.

Homo-Gegner nutzen die neuen Informationen zur sexuellen Orientierung des Verdächtigen für ihre Ziele. Sie setzen sich gegenwärtig dafür ein zu verhindern, dass die Regierung wie geplant "Don't ask, don't tell" abschafft. Nach dem Gesetz sind seit 1994 rund 14.000 Militärangehörige gefeuert worden. So kritisiert etwa Cliff Kincaid bei Right Side News, dass Manning gesetzeswidrig mit seiner Homosexualität "geprotzt" habe: "Wegen der offensichtlich falschen Handhabung dieser homo­sexuellen tickenden Zeitbombe, scheint es, als ob die Vereinigten Staaten … einen hohen Preis zahlen müssen."

Nach seinem Geheimnisverrat hat Manning allerdings andere Sorgen als "Don't ask, don't tell". Ihm drohen bei einer Verurteilung nun bis zu 52 Jahre Haft.

Youtube | WikiLeaks-Video
-w-

#1 HandoAnonym
  • 03.08.2010, 14:08h
  • 52 Jahre Haft wäre angemessen! Da kämpfen Tausende von westlichen Soldaten in Afghanistan gegen den islamischen Fundamentalismus (der, nebenbei bemerkt, auch der größte Feind der Schwulen ist) und durch den Geheimnisverrat dieses Mannes werden unzählige Menschenleben gefährdet.
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#2 hwAnonym
#3 seb1983
  • 03.08.2010, 14:22h
  • Antwort auf #1 von Hando
  • Trotzdem muss man sich nicht auf das Niveau seiner Gegner begeben, wenn ich mir ansehe was grade die USA sich im "Krieg gegen den Terror" alles geleistet haben und weiter leisten frage ich mich für welche "Werte" da eigentlich gekämpft wird. Folter, Erschießungen, Sadismus, Misachtung von Menschenrechten, alles das was man vielen arabischen und afrikanischen Ländern vorwirft haben sie selbst praktiziert.
    Wenn es anders nicht möglich ist dann müssen solche Kriegsverbrechen eben so an die Öffentlichkeit kommen. Nicht die Veröffentlichung gefährdet Menschenleben sondern dass solche Taten überhaupt passieren!
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