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- 19. August 2010 3 Min.

Die Privatuniversität von RuPaul Charles kennt keinen Numerus Clausus.
Frauen, die ihr Selbstbewusstsein und ihr Schminkset verlegt haben, kann geholfen werden: RuPaul und seine Professorinnen helfen Studentinnen dabei, die "innere Diva" zu finden – leider zunächst nur im amerikanischen TV.
Von Dennis Klein
Selbst nach jahrhundertelanger Verfolgung scheint es das oberste Ziel von Schwulen zu sein, Heterosexuelle aus einem Schlamassel zu befreien. Ob als Innenausstatter oder Frisör, wie grau wäre die Welt ohne die Hilfe vom anderen Ufer. Amerikas Supertranse RuPaul hat sich dieser Aufgabe angenommen: Er will "echten Frauen, die aufgehört haben, an Wunder zu glauben" in seiner neuen Show "Drag U" wieder auf die Beine helfen. Die Damen sollen innerhalb von 48 Stunden vom mauen Mauerblümchen zur traumhaften Drag Queen mutieren. Das ganze Wunder wird dann gut komprimiert in einer 45-minütigen Reality-Show auf heimische Bildschirme serviert.
"Drag U" ist ein Ableger von "RuPaul's Drag Race", das vergangenes Jahr auch im deutschen Schwulensender TIMM gezeigt wurde (queer.de berichtete). Von den neuen Sendung sind bislang im US-Homokanal Logo vier Folgen ausgestrahlt worden. Wann und ob die Show in Deutschland gezeigt wird, steht noch nicht fest. Wegen der wirtschaftlichen Probleme scheint TIMM zur Zeit allerdings kaum in der Lage, neue Sendungen einzukaufen. Deutsche Internetnutzer sind also auf Youtube oder ähnliche Kanäle angewiesen.
Ein Wiedersehen mit Ongina und Co.

Erfolgreiche Draguierung: Aus der Ringerin Shaya wird die bezaubernde Saline Dijon
Reinschauen lohnt sich: Die Sendung ist wie ein Wettkampf aufgebaut, in dem drei unglückliche Frauen gegeneinander antreten. Sie alle gehen auf die "Drag University", um von unechten Professorinnen echte Weiblichkeit zu lernen. Die Professorinnen sind ehemalige Kandidatinnen aus "RuPaul Drag Race" – es gibt also ein Wiedersehen mit Ongina, Pandora Boxx, Jujubee und Anderen. Die Ladyboys müssen ihren Studentinnen Wesentliches beibringen: Wie läuft man wie eine Dame? Wie tritt man selbstbewusst auf? Und wie singt man am besten im Fummel Playback?
Zunächst müssen sich die Teilnehmerinnen aber dem Dragulator stellen, der von RuPaul als "sophistacted piece of technology" bezeichnet wird. Der Ablauf ist immer der selbe: Auf einem Dragulator-Bildschirm erscheint zunächst das schnöde Bild einer Studentin. Dann wird sie "draguliert". Die Kleider werden bunter und ausgefallener, aufs Gesicht kommen ein paar Kilo Schminke und die Haare wachsen. Fertig ist das Outfit, mit dem die Mädels ihre "innere Diva" finden können. Jetzt muss es nur noch entworfen und graziös getragen werden.
Wer draguiert, ist fünf Jahre lang schön

Gastprofessorin Taylor Dayne verteilt ihre Noten
Zwei Tage lang coacht je eine Professorin jede der Studentinnen in Weiblichkeit, während beide das Kleid nähen und sich Perücken aussuchen. Dann kommt der große praktische Test zur Graduierung – oder in RuPauls Sprache: Draguierung. Die Prüfung besteht in einem Drag-Auftritt vor der ganzen Familie, die extra ins Studio eingeladen wird. Drag-Dekanin Lady Bunny, Tanz-Dekan Frank Gatson und ein prominenter Gastprofessor benoten daraufhin die Studentinnen. Die Hälfte der Note besteht aus der Playback-Performance eines schwulen Klassikers. In den ersten Folgen waren unter anderem "Girls Just Want to Have Fun", "I'm Every Woman" und "We Are Family" an der Reihe. Die Studentin mit den beeindruckensten Notenschnitt wird dann als Klassenbeste ausgezeichnet und gewinnt unter anderem ein Fünf-Jahres-Vorrat an Make-up.
Ob die Graduierten vom Gelernten profitieren, wenn sie wieder in ihre Vorstädte zurückkehren, ist unklar. Wahrscheinlich wird RuPaul in einer neuen Sendung in einem Jahr noch einmal nachfragen. Auf Professorinnen kann er im Überschuss zurückgreifen. Denn gerade findet das Casting für die 3. Staffel von "RuPauls Drag Race" statt. Vielen unansehnlichen Hetero-Frauen kann also noch geholfen werden.
Links zum Thema:
» "Drag U" beim Homo-Sender Logo
Mehr queere Kultur:
» auf sissymag.de
01:45h, arte:
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