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- 27. August 2010 2 Min.

Barbara Höll (Die Linke)
Die Verurteilung von Nadja Benaissa könnte negative Auswirkungen auf die Aids-Prävention haben.
Von Barbara Höll
Das Urteil stimmt nachdenklich und die Folgen sind noch nicht absehbar. Auch wenn es der bisherigen Rechtsprechung entspricht, so stellen sich Fragen, die die gesamte HIV-Prävention in Deutschland betreffen. Müssen HIV-Positive Menschen immer auf ein Kondom bestehen? Sind sie allein verantwortlich für die Übertragung und Verbreitung des Virus?
Seit Ende der Neunzigerjahre hat sich das Gesicht von HIV/Aids deutlich gewandelt. HIV ist zu einer nicht heilbaren, aber behandelbaren Infektion geworden, mit einer hohen Lebenserwartung. Die HIV-Medikamente halten den Virus in Schach und senken die Viruslast schon nach kurzer Zeit bis unter die Nachweisgrenze. Nach neueren Erkenntnissen übertragen die so behandelten Patienten den Virus nicht mehr. Nahezu alle HIV-Positive unterziehen sich der Therapie, Frau B. hatte sich damals jedoch noch nicht behandeln lassen.
Das Virus wird heute im Wesentlichen durch Menschen übertragen, die von ihrer HIV-Infektion noch nichts wissen, die also eine sehr hohe Viruslast haben und andere Menschen sehr leicht infizieren können. Deshalb macht es unseres Erachtens schon allein medizinisch keinen Sinn, die Verantwortung allein den HIV-Positiven zuzuschreiben.
HIV-Test ist sinnvoll
Allerdings ist es sinnvoll, dass sich Menschen, insbesondere aus sogenannten Risikogruppen, häufig einen HIV-Test unterziehen. Denn nur so haben sie bei einem positiven Testergebnis die Gelegenheit, möglichst früh die HIV-Präparate einzunehmen und damit Aussicht auf eine lange Lebenserwartung. Zudem gibt ein positives Ergebnis auch die Möglichkeit, verantwortlich mit sich und anderen umzugehen.
Das Urteil könnte kontraproduktiv wirken, denn wer ab und an gerne einmal ohne Kondom Sex haben und nicht mit einem Bein im Gefängnis stehen möchte, unterlässt den HIV-Test - mit verheerenden Folgen für den Krankheitsverlauf, die Viruslast und die potentielle Ansteckungsgefahr anderer. Trotz gegenteiliger Aussagen des zuständigen Richters ist dieses Urteil für HIV-Positive stigmatisierend. Ein Blick in die Leserkommentare der Onlinemedien genügt, um zu erfahren, dass die Forderung nach "lebenslang" noch milde ist.
Über 25 Jahre nach der Entdeckung des HI-Virus sollte HIV/Aids allen Menschen bekannt sein, wer sich schützen möchte, nehme ein Kondom. HIV-Positive müssen ihre Verantwortung wahrnehmen, aber nicht sie allein. Die Verantwortung für ein Kind trägt schließlich nicht allein die Frau, die nicht die Pille nimmt. Das Strafrecht ist in jedem Fall ein ungeeignetes Mittel in der HIV-Prävention.
Barbara Höll ist lesben- und schwulenpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag. Den Kommentar hat sie gemeinsam mit Bodo Niendel, dem Referenten für Queerpolitik in der Fraktion, verfasst.
Links zum Thema:
» Homepage von Barbara Höll















Und wichtig, dass sie darauf hinweist, dass regelmässige Tests vor Allem dazu dienen einen SELBST zu schützen. Denn je später die Krankheit erkannt wird, dessto größerer der Schaden und desto schwieriger die Therapierbarkeit. Und das kann dann sehr häßlich werden.
Andererseits überzeugt mich ihre Position aber auch nicht so ganz:
Richtig ist Beide haben Verantwortung.
Aber soll der, der mehr weiß und mehr/leichter darauf reagieren könnte, "nur" genau so viel Verantwortung haben? Ist es nicht viel mehr so, dass der weniger Wissende dann praktisch die alleinige Verantwortung hätte? Denn für den mehr Wissenden gibt es ja keine Konsequenz mehr. Er kann jetzt tun und lassen, was er will. Trotz seines überlegenen Wissens.
"Über 25 Jahre nach der Entdeckung des HI-Virus sollte HIV/Aids allen Menschen bekannt sein, wer sich schützen möchte, nehme ein Kondom. HIV-Positive müssen ihre Verantwortung wahrnehmen, aber nicht sie allein. Die Verantwortung für ein Kind trägt schließlich nicht allein die Frau, die nicht die Pille nimmt. Das Strafrecht ist in jedem Fall ein ungeeignetes Mittel in der HIV-Prävention."
Liebe Frau Höhl, sie kennen hier nicht die ganze Realität. Oder sie haben als Ehrenamtliche(r) nie einen naiven Jugendlichen vom Land beraten müssen, der von seinem positiven Lover gleichgültig infiziert wurde. Und das soll straffrei bleiben, nur weil der Junge schon 16 war?
Noch einmal Frau Höhl: Soll die Gleichgültigkeit eines Menschen mit besseren Wissen um eine gefährliche Krankheit gegen die Gesundheit Anderer wirklich straffrei sein?
Obwohl er mehr weiß und leicht handeln könnte?
(Kondom)
"...denn wer ab und an gerne einmal ohne Kondom Sex haben und nicht mit einem Bein im Gefängnis stehen möchte..."
Verzeihung Frau Höhl, da dreht sich mir als ehemaliger Ehrenamtler der Magen um.
Diese Verniedlichung ist nicht hilfreich für Präventionsarbeit. Die ist schwer genug so wie sie ist.
Ein Berliner