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Schwulen Jugendliche bleibt oft nichts anderes übrig, als auf Selbstaufklärung zu setzen (Szene aus "Another Gay Movie")

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) hat am Donnerstag die Ergebnisse ihrer neuen Studie zum Sexualverhalten Jugendlicher vorgestellt. Für die in Zusammenarbeit mit TNS Emnid Bielefeld erstellte Studie wurden 2.800 Jugendliche und zusätzlich 732 Jugendliche gezielt mit Migrationshintergrund befragt, alle im Alter von 14 bis 17 Jahren, Jungen und Mädchen dabei halbwegs im gleichen Verhältnis.

Die vermeintliche "Generation Porno" ist den Ergebnissen zufolge "braver als ihr Ruf", wie "Spiegel Online" die Studie unter dem Titel "Keusche Kuschler" zusammenfasst. Die Jugendlichen haben ingesamt leicht später Sex als vor einigen Jahren und erleben ihn oft in einer festen Partnerschaft. Ein Nebenergebnis der Studie verblüfft: erheblich weniger als der Hälfte der Schüler und Schülerinnen wurde im Sexualkundeunterricht über Homosexualität aufgeklärt.

Nur 92 Prozent der befragten Mädchen und 89 Prozent der Jungen hatten Sexualunterricht. Von diesen war nach eigenen Angaben nur bei 40 Prozent Homosexualität Teil des Unterrichts - bei Jungen. Bei Mädchen waren es nur 36 Prozent, bei Mädchen mit Migrationshintergrund 34 Prozent. Nimmt man das alles zusammen, wird nur ein Drittel der Jugendlichen bis zum Alter von 17 Jahren über Homosexualität aufgeklärt.

Dabei ist deutlich mehr Interesse vorhanden: Bei den Mädchen gaben 20 Prozent der deutschen Jugendlichen und 21 Prozent der Jugendlichen mit Migrationshintergrund an, gerne mehr über das Thema Homosexualität zu wissen; bei Jungen jeweils 10 Prozent. Die BzgA ordnet Homosexualität in der Analyse wie Selbstbefriedigung und Prostitution als Tabuthema ein.

Vergessenes Tabuthema


Neue BzgA-Studie: Repräsentativ, aber exklusiv hetero

In ihren Fragen zum Sexualverhalten der Jugendlichen geht die BzgA in der Studie selbst nicht auf Homo- oder Bisexualität ein. Auch in den zahlreichen Broschüren der Zentrale, die sich an Jugendliche richten, ist Homosexualtität nur ein selten erwähntes Thema. In der Regel wird auf die BzgA-Seite loveline.de verwiesen, die selbst kaum Infos zum Thema enthält. Auf bzga.de selbst findet man nur als PDF den Ratgeber "Heterosexuell? Homo­sexuell?", der sich hauptsächlich an Eltern richtet und von kleinen Überarbeitungen abgesehen schon Mitte der Neunziger erhältlich war.

Die BzgA ist eine Fachbehörde des Bundesministeriums für Gesundheit. In der Einleitung zu der Studie heißt es, eine der Aufgaben der Zentrale sei "die Entwicklung von Aufklärungskonzepten und Informationsangeboten zur Sexualaufklärung. Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, ist die BZgA auf wissenschaftliche Erkenntnisse über die Zielgruppe, ihre Themen und ihr Informationsverhalten angewiesen und fördert und entwickelt in diesem Rahmen Forschungsprojekte und Expertisen." (nb)

-w-

#1 joshi
  • 02.09.2010, 16:46hBerlin
  • na was will man von dieser heteronormativen gesellschaft auch anderes erwarten? und das bildungssystem hängt ja nicht nur in diesem fall in den 30er jahren des vorigen jahrhunderts fest und bewegt sich eher richtung kaiserzeit als umgekehrt,man denke nur daran das jetzt 1.&2. klasse und 3.&4. klasse zusammen unterrichtet werden, das ist wie nach dem krieg....
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#2 eMANcipation*Anonym
  • 02.09.2010, 16:57h
  • Wie man sieht, ist die deutsche Gesellschaft im Jahr 2010 so weit entfernt von sexueller Gleichberechtigung wie nie zuvor seit Ende der 1970er Jahre.

    Es ist ein unfassbarer Skandal, dass in der aktuellen Wiederholungsbefragung menschliche Sexualität von A bis Z mit Heterosexualität gleichgesetzt und zum ersten Mal seit Beginn der Untersuchungsreihe nicht einmal mehr auf homosexuelle Erfahrungen eingegangen wird.

    DAS ist also das Ergebnis unseres angeblichen Kampfes um Gleichberechtigung und Gleichstellung! Ich nenne es einen gigantischen Rollback und Rückfall in längst überwunden geglaubte Zeiten!

    Hier wird deutlich, wie die so genannte Sexualwissenschaft, öffentlich finanziert, statt objektiver wissenschaftlicher Arbeit nichts anderes macht als ihre heterosexistischen Herrschaftsdiskurse zu kultivieren und sexuelle Herrschaftsverhältnisse zu zementieren, indem sie Homosexualität vollständig ausgrenzt und allen teilnehmenden Jugendlichen eine heterosexuelle Orientierung unterstellt.

    Kann es eigentlich eine perversere Form des sexuellen Missbrauchs an dieser Altersgruppe geben, deren Identitätsfindung unter den herrschenden Verhältnissen ja in den allermeisten Fällen gerade erst in vollem Gange ist? Eben dieses Recht auf Selbstfindung wird ihnen aber schon im Ansatz dieser "Studie" umfassend verwehrt!

    Was erlauben sich die Verantwortlichen eigentlich, eine solche Erhebung dazu zu missbrauchen, sexuell begründeten Rassismus zu befördern und Schwule und Lesben als nichtexistent zu behandeln?

    Empirische sexualwissenschaftliche Grundlagenforschung kann es wohl kaum gewesen sein, sonst müsste man im Jahre 2010 allermindestens das anerkennen, was schon Kinsey sehr deutlich belegt hat: Menschliche Sexualität ist mitnichten gleich Heterosexualität.

    Immerhin bleibt uns damit der für 2010 zu erwartende weitere Tiefpunkt gefühlter und effektiver sexueller Freiheit von homosexuell empfindenden jungen Männern, wie er sich als Trend in den letzten Befragungen der Reihe immer deutlicher verfestigt hat, erspart.

    Wenn wir allerdings spätestens jetzt nicht aufwachen und ein Ende dieses sexuell begründeten Rassismus gerade auf Seiten öffentlicher Institutionen einfordern, die von uns allen finanziert werden und die genau mit ihrer hier vorgeführten widerlichen, heterosexistischen Ignoranz wesentlich mitverantwortlich sind für das viermal höhere Suizidrisiko junger Homosexueller, können wir uns jede auch nur ansatzweise Gleichberechtigung endgültig abschminken!
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#3 holger
  • 02.09.2010, 17:13h
  • kann ich nur bestätigen.

    obwohl ich zu beginn es schuljahres, in dem für meinen sohn sexualkunde auf dem lehrplan stand, die lehrerin darauf aufmerksam gemacht habe, auch das thema homosexualität anzusprechen, tat sie es nicht.

    nach meinem eindruck, lag der grund einzig und allein in der person der lehrerin. sie schämte sich schlicht.

    ich denke, kein einzelfall
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