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- 02. September 2010 2 Min.

Schwulen Jugendliche bleibt oft nichts anderes übrig, als auf Selbstaufklärung zu setzen (Szene aus "Another Gay Movie")
Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) hat am Donnerstag die Ergebnisse ihrer neuen Studie zum Sexualverhalten Jugendlicher vorgestellt. Für die in Zusammenarbeit mit TNS Emnid Bielefeld erstellte Studie wurden 2.800 Jugendliche und zusätzlich 732 Jugendliche gezielt mit Migrationshintergrund befragt, alle im Alter von 14 bis 17 Jahren, Jungen und Mädchen dabei halbwegs im gleichen Verhältnis.
Die vermeintliche "Generation Porno" ist den Ergebnissen zufolge "braver als ihr Ruf", wie "Spiegel Online" die Studie unter dem Titel "Keusche Kuschler" zusammenfasst. Die Jugendlichen haben ingesamt leicht später Sex als vor einigen Jahren und erleben ihn oft in einer festen Partnerschaft. Ein Nebenergebnis der Studie verblüfft: erheblich weniger als der Hälfte der Schüler und Schülerinnen wurde im Sexualkundeunterricht über Homosexualität aufgeklärt.
Nur 92 Prozent der befragten Mädchen und 89 Prozent der Jungen hatten Sexualunterricht. Von diesen war nach eigenen Angaben nur bei 40 Prozent Homosexualität Teil des Unterrichts - bei Jungen. Bei Mädchen waren es nur 36 Prozent, bei Mädchen mit Migrationshintergrund 34 Prozent. Nimmt man das alles zusammen, wird nur ein Drittel der Jugendlichen bis zum Alter von 17 Jahren über Homosexualität aufgeklärt.
Dabei ist deutlich mehr Interesse vorhanden: Bei den Mädchen gaben 20 Prozent der deutschen Jugendlichen und 21 Prozent der Jugendlichen mit Migrationshintergrund an, gerne mehr über das Thema Homosexualität zu wissen; bei Jungen jeweils 10 Prozent. Die BzgA ordnet Homosexualität in der Analyse wie Selbstbefriedigung und Prostitution als Tabuthema ein.
Vergessenes Tabuthema

Neue BzgA-Studie: Repräsentativ, aber exklusiv hetero
In ihren Fragen zum Sexualverhalten der Jugendlichen geht die BzgA in der Studie selbst nicht auf Homo- oder Bisexualität ein. Auch in den zahlreichen Broschüren der Zentrale, die sich an Jugendliche richten, ist Homosexualtität nur ein selten erwähntes Thema. In der Regel wird auf die BzgA-Seite loveline.de verwiesen, die selbst kaum Infos zum Thema enthält. Auf bzga.de selbst findet man nur als PDF den Ratgeber "Heterosexuell? Homosexuell?", der sich hauptsächlich an Eltern richtet und von kleinen Überarbeitungen abgesehen schon Mitte der Neunziger erhältlich war.
Die BzgA ist eine Fachbehörde des Bundesministeriums für Gesundheit. In der Einleitung zu der Studie heißt es, eine der Aufgaben der Zentrale sei "die Entwicklung von Aufklärungskonzepten und Informationsangeboten zur Sexualaufklärung. Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, ist die BZgA auf wissenschaftliche Erkenntnisse über die Zielgruppe, ihre Themen und ihr Informationsverhalten angewiesen und fördert und entwickelt in diesem Rahmen Forschungsprojekte und Expertisen." (nb)
Links zum Thema:
» Die Studie online
Mehr queere Kultur:
» auf sissymag.de















