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  • 04. September 2010 67 3 Min.

Diese Handreichung an Lehrer wurde seit 2005 nicht mehr eingesetzt

Die rot-grüne Landesregierung holt eine Unterrichtshilfe zum Thema Homosexualität aus dem Giftschrank und gratuliert zum SchLAu-Jubiläum.

Von Norbert Blech

Es war einer der deutlichsten Zeichen des Regierungswechsels in NRW: im Juli 2005 ließ die neue schwarz-gelbe Landesregierung in Düsseldorf ein Aufklärungsprojekt der rot-grünen Vorgängerregierung über Homosexualität stoppen, gedruckte Broschüren einer Unterrichtshilfe wurden nicht mehr verteilt.

Das Handbuch "Mit Vielfalt umgehen: Sexuelle Orientierung und Diversity in Erziehung und Beratung" war Teil des europäischen Projekts "Triangle" (Transfer of Information to Combat Discrimination Against Gays and Lesbians in Europe), an dem Mitarbeiter des damaligen NRW-Ministeriums für Gesundheit, Soziales, Frauen und Familie unter Rot-Grün gearbeitet hatten. In das Projekt hatte das Ministerium 435.000 Euro investiert, die Schulfibel sollte eine Hilfestellung für Lehrer im Unterricht sein.

Doch die neue Rüttgers-Regierung machte den Plänen recht schnell ein Ende: Die umfassende Webseite des Projekts blieb zwar online (mit deutlicher Distanzierung des Ministeriums), die Broschüre wurde aber gestoppt. "Wir dürfen unseren Kindern nicht das Gefühl geben, dass schwul oder lesbisch zu sein bald Pflicht wird", zitierte eine das Handbuch selbst skandalisierende "Bild"-Zeitung einen anonymen Sprecher des Ministeriums, das damals unter der Leitung von Barbara Sommer (CDU) stand (queer.de berichtete). Ein anderer Sprecher sagte öffentlich, die Broschüre solle von Lehrern "nicht mehr unreflektiert" verwendet werden, es solle "keine Werbung für bestimmte sexuelle Ausrichtungen" geben. Volker Beck kritisierte darauf, die Entscheidung atme "den Geist der 50er Jahre" und sei Zensur.

"Zensurvermerk" aufgehoben


Das SchLAu-Projekt ist inzwischen Vorbild für andere Bundesländer (Bild: SchLAu)

Fünf Jahre später regiert eine rot-grüne Minderheitsregierung in NRW - und dreht das Rad um: Am Freitag kündigte die Staatssekretärin Marlis Bredehorst vom Nachfolgeministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter an, dass der "Zensurvermerk" für den Leitfaden aufgehoben sei. "Das von der EU geförderte Handbuch von 2004 mit einfühlsamen Texten und Materialien über die Lebenssituation von Schwulen und Lesben kann ab sofort wieder auch mit Billigung des Schulministeriums in Schulen genutzt werden", schreibt dazu die Pressestelle.

Die ehemalige Kölner Sozialdezernentin, eine Grünenpolitikerin wie ihre Ministerin Barbara Steffens, beglückwünschte zudem dem Schulaufklärungsprojekt SchLAu zum zehnjährigen Bestehen. "Hier setzen sich junge Frauen und Männer in vorbildlicher Weise für den Abbau von Diskriminierung und gegen die Ausgrenzung von Minderheiten ein", so Bredehorst. Eine wichtige Aufgabe, denn der Begriff "schwul" sei "leider mittlerweile ein gängiges Schimpfwort auf deutschen Schulhöfen" geworden, so die Staatssekretärin.

Die Initiative, die an diesem Samstag in Anwesenheit von Bredehorst in der Königin Luise Schule in Köln ihr Jubiläum feiert, ist ein Netz aus überwiegend jungen Ehrenamtlern in vielen Städten, die in Schulklassen gehen und dort über ihr Leben erzählen. Voruteile abbauen und Mut aufbauen sind die Ziele der zumeist 90 minütigen Treffen, die auf moderner Sexualpädagogik basieren und deren Qualitätsstandards kontinuierlich weiterentwickelt werden. Der Einsatz von SchLAu wurde mehrfach mit Preisen ausgezeichnet, im letzten Jahr etwa mit der Kompassnadel des Schwulen Netzwerks oder 2007 vom Bündnis für Demokratie und Toleranz.

Dass schwule und lesbische (und bisexuelle und Transgender-) Jugendliche Unterstützung brauchen, schrieb die neue NRW-Landesregierung auch in ihren Koalitionsvertrag: "Wir sind uns einig, dass Jugendliche bei der Entwicklung ihrer Identität in Schule und Jugendhilfe besondere Unterstützung brauchen. Wir stellen dies durch Berücksichtigung im Landesjugendplan, durch Sicherung der Projekte 'Schule ohne Homophobie', des Landesprojektes 'SchLAu NRW' und Wiederzulassung des Handbuches 'Mit Vielfalt umgehen: Sexuelle Orientierung und Diversity in Erziehung und Beratung' sicher."

-w-

#1 FloAnonym
  • 04.09.2010, 17:21h
  • Bravo!

    Es war ein Skandal, dass CDU und FDP nach dem Wechsel in NRW 2005 die von der EU erarbeiteten (und bereits vom Steuerzahler bezahlten!) Unterrichtshilfen zum Thema Homosexualität damals zurückgezogen hat!!

    Angeblich seien sie "nicht geeignet". Was genau daran "nicht geeignet" ist können CDU und FDP bis heute nicht erklären. Und warum sie in anderen Staaten mit großem Erfolg eingesetzt werden und auch schon manches zum besseren verändert haben, können auch weder CDU noch FDP erklären.

    Umso mehr freut es mich, dass die neue rot-grüne Regierung in NRW jetzt diese Unterrichtshilfen wieder einführen will und der schwarz-gelben Homophobie ein Ende setzen wird.

    Da sieht man wieder mal einen weiteren Beleg, wie homophob CDU und FDP sind. Die CDU ist wenigstens offen homophob. Aber die FDP ist noch perverser, denn sie versucht solche Dinge dann auch noch mit irgendwelchen dubiosen Ausreden zu rechtfertigen und gibt sich gerne als homofreundlich, obwohl sie in der Praxis komplett anders halndelt.
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#2 seb1983
#3 MarekAnonym
  • 04.09.2010, 18:07h
  • Schön, dass andere Parteien intelligenter, moderner und menschenfreundlicher sind als CDU und FDP!

    Und schön, dass andere Parteien keine Bildung verhindern, nur weil sie gegen ihre Ideologie geht.

    Jetzt müssen Union und FDP nur noch auf Bundesebene und in noch mehr Bundesländern weg und dann kann sich endlich richtig was zum Positiven ändern in Deutschland!!
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