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  • 08. September 2010 29 2 Min.

Yoann Lemaire ist nach Ansicht seines früheren Vereins zu schwul zum Fußballspielen.

Ein schwuler Amateur-Fußballer ist in Frankreich aus seinem Verein hinausgeflogen, weil seine Homosexualität von Mitspielern nicht akzeptiert wurde.

Yoann Lemaire, der 14 Jahre lang für den kleinen Verein FC Chooz gespielt hatte, darf nach einer Entscheidung des Club-Präsidenten Frédéric Pretty nicht mehr spielen, "um weitere Vorfälle zu vermeiden", berichtet "Le Monde". Der Ausschluss aus dem Verein geht auf einen Vorfall im Mai 2009 zurück: Damals machten einige von Lemaires Teamkollegen homophobe Bemerkungen gegenüber Journalisten, die in ganz Frankreich auf Kritik stießen. Lemaire nahm daraufhin - mit Zustimmung des Vereins - eine Auszeit vom aktiven Sport. Als er nun wieder mitspielen wollte, stand er vor geschlossenen Türen: "Wir müssen beide Seiten schützen", erklärte Präsident Pretty den Ausschluss des schwulen Spielers. "Nachdem die Gefühle im Jahr 2009 hochgeschwappt sind, müssen wir alles daran setzen, weitere Zwischenfälle zu verhindern."

Lemaire erklärte in einem Interview, dass nur zwei von 60 Spielern Probleme mit seiner Homosexualität gehabt hätten. Anstatt diese Spieler zu bestrafen, würde er für den "Zwischenfall" verantwortlich gemacht, beklagte er im französischen Fernsehen.

Regierung in Paris kritisiert FC Chooz

Politiker zeigten sich entsetzt über den Ausschluss des schwulen Spielers. Rama Yade, die Staatssekretärin für Sport, forderte den Fußballverband Fédération française de football (FFF) auf, den Verein zu bestrafen. Deren Funktionäre winkten aber bereits ab: Es gebe keine rechtliche Handhabe, dem FC Chooz wegen des Spielerausschlusses die Lizenz zu entziehen.

Auch Homo-Gruppen kritisierten den Verein einhellig und forderten Konsequenzen. So beklagte SOS Homophobie, dass es im Fußball leider noch eine Hierarchie der Diskriminierung gebe: "Dort beschimpft man Spieler nicht mehr mit Begriffen wie 'schmutziger Neger', sondern wirft ihnen vor, wie eine 'Schwuchtel' zu spielen", erklärte SOS-Chef Bartholomé Girard. Der schwul-lesbische Fußballverband Paris Foot Gay forderte die Fußballwelt auf, endlich zu akzeptieren, dass "Homophobie genauso schlimm ist wie Rassismus oder Antisemitismus". (dk)

#1 LorenEhemaliges Profil
  • 08.09.2010, 14:42h
  • Die Franzosen sollten sich Gedanken darüber machen, ob sie nicht langsam schleichend Kurs nehmen auf Zustände, in denen "liberte, egalite, fraternite" zu hohlen Worthülsen aus vergangenen Tagen werden. Die gesellschaftliche Ausgrenzung zu vieler Menschen in den banlieues, die mit einem "Wegegeld" abgegoltenen Abschiebungen der Roma oder der Rauswurf des schwulen Fußballers Yoann Lemaire, den die Funktionäre der Französischen Fußballverbandes offenbar hinzunehmen bereit sind: Hoffentlich besinnen sich die französischen Nachbarn in ihrer überwiegenden Mehrheit schnellstens wieder auf die Grundwerte ihrer Republik.
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#2 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 08.09.2010, 17:38h
  • Da haben wir es wieder: erst bei der Fußball-WM in Südafrika schon nach der Vorrunde rausfliegen und nun schwule Spieler aus Vereinen ekeln! Da hört sich doch alles auf!
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#3 Liedel
  • 08.09.2010, 18:36h
  • Naja @ Loren, "liberté, égalité, fraternité" hab ich schon seit Chirac immer für leere Worthülsen gehalten, mit unserem "Einigkeit und Recht und Freiheit" fang ich lieber gar nicht erst an... allerdings mache ich mir bei unseren französischen Nachbarn durchaus noch Hoffnungen. Die Roma- Abschiebung ist eine rein populistische Aktion Sarkozys, die einer mit dem Verstand gesegneten Präsidentin Royale nie in den Sinn gekommen wäre... aber was will man(n) von kleinen Männern in Führungspositionen schon erwarten

    Allerdings beobachte ich gerade bei facebook eine von Frankreich ausgehende Bewegung für einen europäischen Generalstreik.
    "Die" Franzosen scheinen meinem Empfinden nach mal wieder ein ausgeprägteres Gefühl für den drohenden, sich verschärfenden Kahlschlag zugunsten der Verursacher der Krise zu haben als die bereits von Merkel, Brüderle und Co. eingeschläferten Deutschen, die sich mit schwarz-gelber Kuschelrhetorik schon wieder einen Aufschwung herbeisäuseln lassen ...

    Zum Fall selbst: es ist ein kleiner Verein, in dem diese Diskriminierung stattfand, aber er hat Chancen, einer auch in Frankreich bisher eher verdrängten Diskussion die dringend notwendige öffentliche Aufmerksamkeit zu "bescheren". Ich hoffe, dass Lemaire Verbündete im Kampf gegen Homophobie im Fußball finden wird und die Solidarität wächst, so dass sich auch andere Spieler ohne die Gefahr eines "Karriereverlustes" outen können!

    In dieser Hinsicht traue ich der französischen "Sturm auf die Bastille"- Mentalität etwas mehr zu als der bekannten angepassten, schläfrigen Haltung ihrer Nachbarn aus Allemagne, die sich schlimmstenfalls im Nicht-Handeln-aber-schöne-Worte-Säuseln eines Theo Zwanziger widerspiegelt...
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