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- 13. September 2010 2 Min.

Intellektuelles Starlet der Achtziger: Ronald M. Schernikau (Bild: Aufbau Verlag)
Claudia Müllers Film "Verliebt in die DDR - Das traumhafte Leben des Ronald M. Schernikau" feiert am Dienstag in Berlin Premiere.
Von Carsten Weidemann
Im Herbst 1989, als hunderttausende Menschen aus ihrer Heimat fliehen, geht ein junger schwuler Schriftsteller den entgegengesetzten Weg, er zieht in ein untergehendes Land.
Ronald M. Schernikau siedelt am 1. September in die DDR um. Freiwillig. Zwei Tage vor dem Mauerfall erhält er seinen neuen Personalausweis. Niemand versteht seinen Entschluss. Wie kann man sich freiwillig für die Unfreiheit entscheiden? Ronald M. Schernikau überlebt die DDR nur um wenige Monate. Mit 31 Jahren stirbt er 1991 an den Folgen von Aids. Er liegt begraben auf dem Friedhof der St. Georgen-Gemeinde in Berlin-Friedrichshain.

Matthias Frings´ Schernikau-Biografie erschien 2008
Die Regisseurin Claudia Müller erzählt in ihrem Film die ungewöhnliche Lebensgeschichte des Schriftstellers, die in kein Konzept passt und keinen Trend bedient. Ronald M. Schernikau war das erste männliche Fräulein-Wunder der deutschen Literatur, offen schwul, geschminkt und hochpolitisch, Kommunist. Als intellektuelles Starlet wurde er nach Erscheinen seiner "Kleinstadtnovelle" in den frühen achtziger Jahren herumgereicht, der ORF ließ ihn mit Elisabeth Noelle-Neumann über Deutschlands Zukunft und seinen Satz "Es gibt keine alternative zum nichtstun" streiten. Anhand seines Lebens wird auch das Panorama einer keine dreißig Jahre zurückliegenden Zeit gezeichnet: das künstliche Paradies Westberlin, diese Insel zwischen den Welten, deren Kunstleben und Lebenskünstler Mythos sind.
Viele von Schernikaus Lebens- und Weggefährten kommen in Claudia Müllers 45-minütiger Dokumentation "Verliebt in die DDR - Das traumhafte Leben des Ronald M. Schernikau" zu Wort, so sein Freund und Biograf Matthias Frings, seine Mutter Ellen Schernikau, sein Lebensgefährte Thomas Keck, die Sängerin Marianne Rosenberg, für die der junge Dichter einen Schlager schrieb, und Wieland Speck, Programmleiter der Sektion Panorama der Berlinale.
Am 11. Juli 2010 wäre Ronald M. Schernikau 50 Jahre alt geworden.
Am Dienstag, 14. September 2010 um 18 Uhr präsentiert das Berliner Kino BABYLON den Film in Anwesenheit der Regisseurin. Voraussichtlich am Montag, 4. Oktober 2010 um 23 Uhr wird er auf arte ausgestrahlt.
Links zum Thema:
» Mehr Infos zu Schernikaus „Kleinstadtnovelle“
» Matthias Frings‘ Biografie „Der letzte Kommunist“
» "Offizielle Seite des Dichters"
Mehr queere Kultur:
» auf sissymag.de
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