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- 01. Oktober 2010 2 Min.

Links hinten küssen sich Cameron und Mitchell. (Bild: Citytv)
"Modern Family" ist die erfolgreichste neue Sitcom in den USA - es brauchte jedoch mehr als ein Jahr, bis sich auch die beiden schwulen Figuren im Hintergrund küssen durften, während die Heteros fröhlich drauf los züngeln.
In der in dieser Woche in den USA und Kanada ausgestrahlten Folge "The Kiss" geht es darum, wie Cameron (Eric Stonestreet) seinen Lebenspartner Mitchell (Jesse Tyler Ferguson) nicht in der Öffentlichkeit küssen wollte. Am Ende der 22-minütigen Sendung geben sie sich schließlich einen Schmatzer auf den Mund - allerdings nur im Bildhintergrund.
Schwule Fans der Serie "Modern Family", die Ende August nach der ersten Staffel mit dem Emmy als beste Comedy-Reihe ausgezeichnet wurde, fordern bereits seit langem, dass die Zuneigung von Cameron und Mitchell genauso dargestellt wird wie bei den beiden anderen (heterosexuellen) Familien. Sie starteten unter anderem eine Facebook-Kampagne.
Nach dem zurückhaltenden Lippenbekenntnis waren die schwulen Zuschauer jedoch nicht begeistert: "Wir haben ja nichts Schockierendes erwartet, aber ein Küsschen im Hintergrund! Das war enttäuschend!", erklärte der Blogger Perez Hilton. Die "New York Times" bezeichnete die Demonstration der schwulen Zuneigung als "Blinzel-einmal-und-du-hast-es-verpasst-Kuss". Die Szene sei so "unauffällig" gewesen, dass man nicht viele Worte darüber verlieren müsse.
Schwule dürfen nicht als sexuelle Wesen erscheinen

Cameron und Mitchell sind in der Serie stolze Väter einer Adoptivtochter. (Bild: ABC)
Im frei empfangbaren Network-Fernsehen gibt es zwar inzwischen mehr lesbische und schwule Figuren als je zuvor, wie eine GLAAD-Studie vor wenigen Tagen bestätigte (queer.de berichtete). Allerdings dürfen Schwule noch nicht die gleiche Zuneigung gegenüber ihrem Partner zeigen als Heteros, weil die TV-Verantwortlichen fürchten, damit Zuschauer zu vertreiben. In den 1990er Jahren wurden daher Küsse oder Zärtlichkeiten zwischen Männern nur angedeutet, indem etwa auf eine Feuerstelle umgeschnitten wurde.
Wie schwer es der Kuss hatte, zeigt die Sitcom "Will and Grace", die mit Will Truman erstmals eine schwule Figur als Hauptperson in einer Serie einführte. Will durfte aber erst 2001 in Folge 66 - nachdem die Serie schon mehr als drei Jahre lang auf NBC ausgestrahlt worden ist - einen Mann auf nichtplatonische Weise küssen. Vor dem Aufzug gab er seinem Partner Scott einen kurzen Kuss auf die Lippen. Die Produzenten erklärten nach der Ausstrahlung, dass sie den Kuss nicht an die große Glocke hängen wollten, um keine Protestaktionen zu provozieren. Immerhin schaffte "Modern Family" den Kuss etwas früher als "Will & Grace" - in Folge 26.
"Modern Family" wird in den USA auf ABC ausgestrahlt. Die deutschen Fernsehsender haben bislang kein Interesse an der Sitcom geäußert. (dk)
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Während Heteros in Filmen und Serien fast alles dürfen, ist das bei Schwulen gleich anstößig und jugendgefährdend. Umso wichtiger ist es, Produktionen, die dieses Spiel nicht mitmachen, zu fördern...