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- 04. Oktober 2010 2 Min.

Informationsminister Tifatul Sembiring
Der indonesische Informationsminister hat via Twitter Schwulen die Schuld an der HIV-Verbreitung gegeben und zitiert als Beweise für die "Minderwertigkeit" von Homosexualität den Koran.
Minister Tifatul Sembiring, der als Mitglied der nationalen Aids-Kommission die Präventionspolitik mitbestimmt, reagierte mit seinem Kommentar auf das schwul-lesbische Q! Filmfestival in der Hauptstadt Jakarta, gegen das muslimische Aktivisten protestiert hatten. Der 49-Jährige twitterte nach Angaben der Nachrichtenagentur AP unter anderem einen "Witz" des früheren Gesundheitsministers, in dem er die Bedeutung für Aids änderte in "Akibat Itunya Dipakai Sembarangan", zu Deutsch: "Weil sie sorglos ihre Genitalien hineingesteckt haben". Dieses Verhalten müsse "verhindert" werden, so der Minister.
Steinigung von Schwulen
Dieses Ziel sei bereits im Koran festgeschrieben, so Sembiring: So stehe in der islamischen heiligen Schrift, dass sich auf Schwule ein "Steinregen" als gerechte Strafe ergossen habe. Tatsächlich gibt es im Koran mehrere Stellen, in denen Homosexualität verurteilt wird. Sie ähneln den älteren heiligen Texten jüdischer und christlicher Herkunft.
Sembiring ist Mitglied der islamisch ausgerichteten Gerechtigkeits- und Wohlfahrtspartei. Er hat sich in der Vergangenheit insbesondere für Internetfilter gegen Pornografie ausgesprochen. Wiederholt erklärte Sembiring, dass Pornokonsum in Indonesien nicht nur für Naturkatastrophen verantwortlich sei, sondern auch für die Ausbreitung von HIV. Wenn das Porno-Problem nicht gelöst werde, seien Investionen in HIV-Prävention "hinausgeworfenes Geld".
"Nur Vorurteile aufgezählt"
Die nationale Bürgerrechtsorganisation LBH Masyarakat kritisierte die Äußerungen des Ministers scharf: "Er hätte nützliche Informationen über HIV/Aids veröffentlichen können, aber er hat nur Vorurteile aufgezählt, die Menschen mit HIV/Aids stigmatisieren", erklärte Gruppensprecher Ricky Gunawan gegenüber dem "Jakarta Globe". "Das zeigt, dass er keine Ahnung von HIV/Aids hat".
Indonesien ist mit mehr als 200 Millionen Muslimen der bevölkerungsreichste islamische Staat der Erde. Homosexualität ist fast überall im Land legal, wird aber als Tabu-Thema angesehen. Lediglich die radikalreligiöse Provinz Aceh bestraft homosexuelle Muslime mit Peitschenhieben (es gibt keine Gesetze gegen Anhänger anderer Religionen). (dk)















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