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  • 07. Oktober 2010 141 4 Min.

Der junge LSU-Chef in Nordrhein-Westfalen: Jens Bergmann (Bild: LSU-NRW)

Zu Besuch bei Jens Bergmann, dem gerade mal 22-jährigen Vorsitzenden der Lesben- und Schwulen in der Union (LSU) in Nordrhein-Westfalen.

Von Detlef Obens/xtranews

Jens Bergmann, ein gebürtiger Hesse aus dem schönen Großkrotzenburg, lebt seit einiger Zeit in Düsseldorf. Der 22-Jährige studiert an der Uni Duisburg Politikwissenschaften. Seit 2006 ist er Mitglied der CDU und der Jungen Union - und seit Juni 2010 der Vorsitzende der Lesben und Schwulen in der Union (Lsu) in NRW. Ausserdem sitzt er auch im LSU-Bundesvorstand. Und alles das macht er, wie er sagt, aus Überzeugung.

Lesbisch-schwule Interessenvertretung bringen die meisten sicher nicht auf Anhieb mit der CDU in Einklang. Aber dennoch gibt es diese Organisation innerhalb der Partei bereits seit 1998. In vielen Landesverbänden gibt es regionale LSU-Basisgruppen. Eine davon ist NRW mit Sitz in Düsseldorf. Noch ist der innerparteiliche Zulauf in die LSU gering, aber die Hoffnung, dass sich dies bald ändert, umso stärker.

Im Mittelpunkt unseres Gespräches steht natürlich die Lesben- und Schwulen-Politik. Jens Bergmann schildert, dass es leider immer noch eine recht kritische Wahrnehmung seiner Interessenvertretung innerhalb der CDU gäbe. Allerdings sieht er auch positive Tendenzen: "Wir machen derzeit kleine Schritte hin zur Behebung der Ungleichbehandlung von homo­sexuellen Paaren und sind sicher innerparteilich noch lange nicht da angekommen, wo wir hinwollen", erklärt Bergmann den derzeitigen Stand der Dinge. Ihm geht es aktuell vor allem um die Angleichung im Steuerrecht - was die Mehrheit in der Partei jedoch klar abblockt.

Prominente Mitstreiter in der Union fehlen


Preisgekrönt: Gemeinsamer Wagen von LSU, Junge Union und CDU beim CSD Köln 2010 (Bild: Junge Union Köln)

Bundesweit bekannte Mitstreiter innerhalb der Union gebe es - abgesehen von Ole von Beust, der die politische Bühne jedoch verlassen hat - nicht, stellt Jens Bergmann fest. Für NRW ruhen seine Hoffnungen auf Ex-Landesminister Armin Laschet, einem der Kandidaten für den NRW-Parteivorsitz. "Bei ihm habe ich ein gutes Gefühl in Bezug auf unsere Sache."

Bergmann und seine LSU arbeiten auch an dem Ziel, gängige Schwulen-Klischees abbauen zu helfen. "Auch wir Schwule führen ein völlig normales Leben und sind nicht so auffällig wie oftmals in den Medien dargestellt", schimpft er. Der LSU gehe es um die Akzeptanz von Homo­sexuellen in der Bevölkerung. Hier sieht Jens Bergmann besonders Probleme in ländlichen Gebieten: "Köln und Berlin sind da große Ausnahmen, was die Toleranz gegenüber Schwulen und Lesben angeht."

Die LSU geht verstärkt an die Öffentlichkeit. Teilnahme an CSDs gehören da genauso zum Standardprogramm wie entsprechende Presseerklärungen und Statements auf den jeweiligen Websites. Beim diesjährigen CSD in Köln gewann die LSU sogar den ersten Preis für den besten Wagen. Auf der Website der NRW-LSU veröffentliche Jens Bergmann dazu folgende Stellungnahme: "Teile meiner Partei haben leider nach wie vor eine ablehnende Haltung gegenüber schwulen Themen. Doch der heutige Tag hat gezeigt, dass die CDU auch eine andere, eine modernere und offenere Seite hat. Es freut mich außerordentlich, dass der CSD-Wagen nicht allein von der LSU, sondern gemeinsam mit JU und CDU organisiert wurde."

Direktlink | Jens Bergmann war vor zwei Jahren auch einer der 40 Teilnehmer der ZDF-Talentshow "Ich kann Kanzler"

Ein großer Fan von Karl-Theodor zu Guttenberg


Kämpfen gegen Vorurteile in Partei wie Szene: Mitglieder der LSU (Bild: LSU NRW)

Jens Bergmann ist nicht nur jung und schwul, er ist auch konservativ und von Herzen CDU-ler. Das kommt in unserem Interview auch stark zum Ausdruck. Für ihn ist Karl-Theodor zu Guttenberg der derzeit beste deutsche Politiker, in den er große Hoffnungen für die gesamte Union legt. Bergmann legt Wert darauf sagen zu können, dass er ein Patriot und stolz auf sein Land ist. Auf die Frage, was ihn mit Stolz erfüllt, sagt Bergmann: "Die letzten 60 Jahre deutsche Geschichte waren Erfolgsgeschichte. Der nach dem schrecklichen Krieg geleistete Wiederaufbau war immens. Deutschland steht heute international gesehen besser als je zuvor da."

Bergmann, der von sich selbst sagt, wirtschaftsliberal eingestellt zu sein, erklärt auch, warum die CDU seine Partei ist: "Die CDU hat einfach die wirtschaftspolitisch gerechtesten Vorstellungen aller Parteien. Sie sieht nach wie vor den Mittelstand als wichtigen Leistungsträger unserer Gesellschaft an und sie fördert die individuelle Leistung jeden einzelnen."

Christian Wulffs Rede anlässlich des Tags der deutschen Einheit am 3. Oktober 2010 findet seine volle Zustimmung. In unserem Gespräch lobt er auch Helmut Kohl, deren politische Zeit er zwar als kleiner Junge nicht zu beurteilen wusste, aber dafür heute umso mehr. "Kohl hat was geschafft, was niemand erreicht hat: die deutsche Einheit mitzugestalten. Dafür gebührt ihm Respekt!". Auf die Frage nach dem von einigen CDU/CSU-lern geforderten Rechtsschwenk in der Politik, meint Bergmann: "Wir brauchen in der CDU keinen ausgesprochenen rechten Rand. "

Jens Bergmann ist in der Tat eine wirklich interessante Mischung aus jung und modern, aus Toleranz und Offenheit bei gleichzeitigem überzeugten Konservatismus. Aber diese Mischung macht's vermutlich irgendwann aus, dass er und sein Verband die Anerkennung in der CDU finden, die ihnen zusteht. Denn auch in der CDU liegt der Anteil homo­sexueller Mitglieder wohl bei den geschätzten zehn Prozent. Dies für seine Parteifreunde verständlich zu machen, so dass sie es auch akzeptieren, dürfte eine der Hauptaufgaben des jungen Düsseldorfers für die Zukunft sein. Sicher keine ganz leichte Aufgabe, aber Jens Bergmann ist da zuversichtlich: "Wir sind auf einem guten Weg."

-w-

#1 nicki122Ehemaliges Profil
  • 07.10.2010, 08:11h
  • Da wünsche ich Jens Bergmann mal ganz viel Glück für um auch die Konservativsten in seiner Partei zu überzeugen...
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#2 MichaelTh
  • 07.10.2010, 09:04h
  • Ein armes, verwirrtes Kind... hoffen wir mal, dass das mit der CDU nur ne Phase ist... :-)
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#3 FloAnonym
  • 07.10.2010, 09:23h
  • Jeder nach seiner Facon:
    aber wenn ich sehe, wie die LSU sich der Union anbiedert und allen möglichen Schwachsinn der Union zu relativieren versucht, dann sind die für mich einfach unglaubwürdig.

    Zumal die LSU ja auch gar keine echte Gleichstellung (wie z.B. Eheöffnung, Art. 3 GG, Adoptionsrecht, Diskriminierungsschutz, etc.) wollen. Hier im Artikel steht ja auch, dass ihr Schwerpunkt auf Steuerrecht liegt: das wirkt wieder so, als ginge es uns Schwulen und Lesben nur ums Geld! Das ist aber nicht so: die Mehrheit von uns will einfach nur gleichgestellt werden (da ist finanzielle Gleichstellung nur ein Aspekt von vielen) und nicht länger Mensch 2. Klasse sein, nur weil man liebt.

    Aber selbst wenn die LSU das alles fordern würde, muss jedem klar sein, dass sie in der Union ohne Bedeutung sind. Die Fortschritte, die es in letzter Zeit in der Union gab, beruhen nicht auf einem Meinungswechsel oder Dazulernen, sondern sind von Gerichten erzwungen!! Und selbst da versucht die Union jeden Spielraum auszunutzen.
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