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- 11. Oktober 2010 3 Min.

Das Homo-Semester startet am 21. Oktober mit einer Gesprächsrunde zum Thema "Homosexualität heute" (Bild: pterjan / flickr / by-sa 2.0)
Hochkarätige Referenten beschäftigen sich an der Tübinger Volkshochschule ab 21. Oktober drei Monate lang mit dem Thema "Homosexualität - heute".
Uta Röck ist schwierige Thematiken gewöhnt. Die Leiterin des Gesellschaftsressorts an der Volkshochschule (VHS) in Tübingen hat sich zum Beispiel bereits ein Semester mit dem Thema "Schwarze in Deutschland" auseinandergesetzt, erinnert regelmäßig an die Gräuel des Nationalsozialismus, aber das Thema Schwule und Lesben hatte sie noch nie. "Das haben wir uns schon lange gewünscht", sagt sie und lacht.
Und so hat sie sich mit Vertretern des Lesben- und Schwulenverbandes (LSVD), der Aids-Hilfe, einer Selbsthilfegruppe für Eltern homosexueller Kinder und dem Tübinger Frauenbuchladen den Sommer über zusammengesetzt und das Thema Homosexualität auf die Agenda genommen. Und herausgekommen ist das wohl größte weitgehend ehrenamtliche Projekt der Tübinger VHS in diesem Winter, ein bunter Strauß an Veranstaltungen und Vorträgen, Filmvorführungen (in Kooperation mit den Französischen Filmtagen), Lesungen und Führungen durch eine Ausstellung der Kunsthalle Tübingen.
Manfred Bruns und Luise Pusch unter den Referenten
Luise Pusch, Autorin, Sprachwissenschaftlerin und Ikone der feministischen Sprachforschung, wird das Thema Liebe zwischen zwei Frauen aufnehmen und aus ihrem Buch "Frauengeschichten - Berühmte Frauen und ihre Freundinnen" vorlesen. Die Schriftstellerin Ulrike Karner wird ihr Buch "Allah und der Regenbogen" vorstellen, in dem es um die Frage geht, was wohl Allah sagen würde zu einer lesbischen Liebe - so wird das Thema Homosexualität in anderen Kulturen angesprochen. Doch auch die Männer kommen nicht zu kurz: In einer "schwulen Büchernacht" wird der Freiburger Hörbuchproduzent und Regisseur Sebastian Reiß deutsche und amerikanische Bücher mit schwulem Inhalt vorstellen.
Der ehemalige Staatsanwalt Manfred Bruns, im Jahr 2002 ausgezeichnet mit der Magnus Hirschfeld Medaille, geht auf die rechtliche und politische Situation schwul-lesbischer Paare in Deutschland ein. Der LSVD wird Tipps geben zu steuerrechtlichen Fragen im Rahmen von homosexuellen Lebenspartnerschaften. Die Diplom-Psychologin Dr. Elke Jansen beleuchtet die Situation von Regenbogenfamilien.
Das normale Leben des Lesben und Schwulen zeigen

Die Kunsthalle Tübingen begleitet das Homo-Semester mit der Ausstellung "Manscapes" des Berliner Künstlers Rainer Fetting, hier sein Bild "Brando - Steiger" (2004)
Eröffnen wird den Veranstaltungsreigen am 21. Oktober Pfarrer Eckhard Ullrich, Aidsbeauftragter der ev. Kirche Württemberg, der sich im Rahmen einer Podiumsdiskission mit Jugendlichen, Eltern, Lehrern, aber auch im Berufsleben stehenden Homosexuellen über die Lage der Schwulen und Lesben in unserer heutigen Gesellschaft austauschen wird. Der Gesprächsanbend beginnt um 20:15 Uhr im Löwen in der Kornhausstraße 5.
In der Veranstaltungsreihe geht es nicht darum, Bilanz zu ziehen, sondern Menschen zu sensibilisieren und möglichst realistisch die Lebenswelt der Schwulen und Lesben aufzuzeigen. Die Besucher der Veranstaltungen, die größtenteils kostenlos angeboten werden, sind aufgerufen sich durch Fragen und Beiträge aktiv an der Auseinandersetzung zu beteiligen.
Geschichte erzählen will auch die Tübinger Kunsthalle. Sie wird mit der Ausstellung "Manscapes" des Berliner Künstlers Rainer Fetting die Reihe der Tübinger Volkshochschulreihe begleiten. Gezeigt werden Darstellungen von Männlichkeit in der Malerei, homosexuell, aber auch heterosexuell.
Und Uta Röck? Die Leiterin des Gesellschaftsressorts will bei den Veranstaltungen dabei sein und glaubt, dabei viel Neues lernen zu können. Und am Ende festzustellen, dass das Leben von Schwulen und Lesben doch sehr viel normaler ist, als man das vielleicht denkt.















Ich wünsche Frau Röck und den Vortragenden viel Erfolg und guten Zulauf!