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- 13. Oktober 2010 4 Min.

"Lip Service": Frankie (Ruta Gedmintas) und Ex-Freundin Cat (Laura Fraser)
Mit "Lip Service" ist eine Serie über das Leben dreier Lesben in Glasgow angelaufen. Derweil ist ein Film über Christopher Isherwoods Zeit in Berlin fertig.
Von Norbert Blech
Während es bei deutschen TV-Sendern kaum eigenproduzierte TV-Filme oder -Serien zu schwul-lesbischen Themen gibt, setzen die BBC und die Kollegen von ITV und Channel 4 weiterhin Maßstäbe. So startete am Dienstag die Mini-Serie "Lip Service".
In dem Sechsteiler, dessen erste Folge ein Quotenhit für den digitalen Jugendkanal BBC Three wurde, geht es um das Leben dreier Lesben in Glasgow. Frankie (Ruta Gedmintas, "The Tudors") kehrt nach dem Tod ihrer Tante von New York nach Schottland zurück, wo sie schnell auf Cat (Laura Fraser) trifft, ihre Ex-Freundin aus Teenager-Zeiten. Während die gerade eine Polizistin kennenlernt, sucht ihre beste Freundin Tess (Fiona Button) ihr Glück bei einer Schauspielerin.
Dabei wirkten die Charaktere in der ersten Folge noch recht flach und überspitzt, auch langweilen einige Strecken. Eine provokante Sex-Szene zum Schluss hätte eher zu den Männern von "Queer as folk" gepasst, obwohl das Zeigen von lesbischem Sex jenseits der Bedürfnisse heterosexueller, männlicher Zuschauer sowohl gelungen als auch wichtig ist. Glasgow sieht glamouröser aus, als es ist, und dass nur die Männer den örtlichen Akzent sprechen, schadet der ansonsten durchaus vorhandenen Authentizität.
Als Zuschauer(in) hofft man, in der zweiten Folge mehr von einer Polizistin zu sehen - eine Besprechung des Guardian bringt als Hauptkritik, dass die Serie keine "sexy butch" zeige, dabei sei das der vorherrschende Typ Frau in der Szene. Doch trotz aller Schächen bahnt sich hier eine überfällige Serie an: Nach der großen Vorleistung der unterhaltsamen Coming-out-Serie "Sugar Rush" (Channel 4) werden nun erstmals in Großbritannien erwachsene Lesben gezeigt, wie sie leben und lieben.
2011: Isherwood in Berlin

Christoper Isherwood (Matt Smith, u.) genießt die Freiheit in Berlin, solange sie noch möglich ist
Derweil hat die BBC einen TV-Film über die Zeit des Schriftstellers Christopher Isherwood in Berlin fertig gestellt. Für die Hauptrolle konnte Matt Smith gewonnen werden - der in Deutschland noch unbekannte 27-Jährige ist als amtierender Doctor Who der bekannteste Jungschauspieler des Landes. Die Kollegen der "Gay Times", die "Christopher and his kind" schon sehen konnten, bezeichneten ihn bereits als "wichtigsten Film des Jahres". Seitdem ist die Ausstrahlung allerdings auf 2011 verschoben worden.
Smiths Partner bei den "heißen, verschwitzten Sex-Szenen" ("Gay Times") wird von Douglas Booth gespielt. Der erst 18-Jährige war im Frühjahr als Boy George in einem TV-Film der BBC über die jungen Jahre des Sängers zu bewundern. "Worried about the boy" ist dabei so gut gelungen, dass der Film auch im Kino hätte laufen können.
Noch mehr Homo-Content bei der BBC

Die Doku "Boy Cheerleaders" aus der Reihe "Wonderland" läuft am Mittwoch
Eine Studie der Homo-Gruppe "Stonewall" hatte im Frühjahr ergeben, dass es nur wenige positive Darstellungen von Schwulen und Lesben in Sendungen der BBC gebe (queer.de berichtete). Es ging dabei speziell um die 20 beliebtesten Formate bei jungen Zuschauern. Vielleicht liegt es auch daran, dass die letzten Folgen der Schulserie "Waterloo Road" ein Coming-out eines jungen Schülers thematisierte.
Dabei lässt sich die Homo-Bilanz der BBC durchaus sehen: Mit "Grandma's House" hatte kürzlich eine Comedy-Serie des offen schwulen Comedians Simon Amstell Premiere. Der 30-Jährige moderierte zuvor das hippe Quiz "Never mind the buzzcocks". Mit Stephen Fry und Graham Norton bietet die BBC ohnehin die beliebtesten schwulen Moderatoren der Insel.
Erst vor wenigen Wochen wurde zudem ein Film über den offen schwulen TV-Autoren Tony Warren ausgestrahlt. Er erfand "Coronation Street", die Mutter aller Seifenopern, die erst 2003 den ersten schwulen Charakter einführte. Mittlerweile haben alle Soaps und Dauerserien wie "Shameless" schwule oder lesbische Charaktere, die oft mehr sind als ein Klischee. Und auch die Jugendsoap "Hollyoaks" (Channel 4), die derzeit mit einer Transgender-Story auf sich aufmerksam macht, bekommt wieder eine schwule Rolle. Darsteller Kieron Richardson hatte sich gleichzeitig öffentlich geoutet.
Doch es sind auch die kleinen Doku-Perlen, die bei britischen Sendern überzeugen. Am Mittwoch zeigt die BBC etwa eine einstündige Dokumentation über einige 8 bis 14-Jährige aus einer harten Gegend von Leeds. Ihr Hobby: Cheerleading.
Mehr zum Thema:
» Britisches Fernsehen online gucken (13.7.2010)
» Britische Casting-Show schwul wie nie (11.10.2010)
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» auf sissymag.de
So, 20:15h, Arte:
Albert Nobbs
Der Butler Albert Nobbs wird von den Kollegen geschätzt, bei den Gästen ist er gern gesehen ist. doch keiner ahnt, dass Albert in Wahrheit eine Frau ist.
Spielfilm, GB/IRL 2011- 5 weitere TV-Tipps für Sonntag »















Ist zu hoffen das der eine oder andere Fernsehsender Deutschlands das als Vorbild nimmt.
Positiv ist das deutsche Vorabendserien einige schwule Charaktere haben, im sonstigen deutschen TV kann davon nicht die Rede sein. leider