Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?12982
  • 24. Oktober 2010 45 3 Min.

Frugale Simulation oraler Freuden (Bild: a.drian by Flickr)

Wie hoch ist das Risiko tatsächlich? Und was tun, wenn Sperma in den Mund gerät? Spucken? Schlucken? Spülen? Der Medizinreferent der Deutschen Aids-Hilfe (DAH), Armin Schafberger, kennt die Antworten

Von Philip Eicker

Herr Schafberger, seit Jahren heißt es: "Beim Blasen raus bevor es kommt." Wie hoch ist denn nun das Risiko, wenn's mal schief geht?

Die Infektionswahrscheinlichkeit beim Blasen ist sehr gering, deswegen lässt sich kaum bestimmen, wie viele Infektionen auf Oralverkehr zurückzuführen sind. Wenn es hoch kommt, ist es in Deutschland jede zwanzigste. Vielleicht auch nur jede hundertste. Der Löwenanteil der HIV-Infektionen bei schwulen Männern kommt durch Analverkehr zustande. Dann kommt eine ganze Weile gar nichts - und dann erst Oralverkehr.

Abspritzen im Mund ist also ungefährlich?

Nein. Natürlich besteht durch die Aufnahme des Spermas ein Infektionsrisiko. Deswegen gilt: Falls Sperma in den Mund gelangt, schnell ausspucken und mit Wasser oder einer anderen Flüssigkeit nachspülen.

Und das hilft?

Das entspricht virologischen Erkenntnissen und reduziert das Risiko. Zunächst gilt: weg von der Schleimhaut. Und dann: verdünnen, verdünnen, verdünnen! Zusammengefasst: ausspucken und ausspülen, und das möglichst schnell.

Was sagen Virologen zu Alkohol als Mundspülung?

Alkohol kann das Virus tatsächlich deaktivieren. Entscheidend aber ist, dass man schnell reagiert. Ein Schluck Wasser aus der Blumenvase kann sinnvoller sein als etwas Hochprozentiges, das ich erst einmal in meiner Hausbar suchen muss. Deshalb empfiehlt die Deutsche AIDS-Hilfe in ihren Broschüren keine bestimmten Getränke mehr - nicht dass die Leute erst noch beim Nachbarn klingeln und um Schnaps bitten.

Deep Throat und Luststropfen


Medizinreferent Armin Schafberger kennt sich aus beim Blasen (Bild: DAH)

Eine andere Theorie lautet: Sperma sofort runterschlucken. Durch die Magensäure würde das Virus deaktiviert.

Dafür gibt es keine einzige Studie. Man könnte sie auch gar nicht seriös durchführen, weil es nur wenige Fälle gibt. Es macht keinen Sinn in Studien zu fragen, ob gespuckt oder geschluckt wurde. Was besser ist, können wir also nicht sicher sagen. Wir wissen noch nicht einmal, wo genau im Mund das Virus eindringt - ob vorne am Zahnfleisch oder eher im Rachenring, wo die Schleimhäute weitaus empfindlicher sind.

Also besser nicht schlucken?

Schlucken ist vermutlich sinnvoll, wenn beim Oralverkehr "deep throat", also tief im Hals, ejakuliert wird. Sonst müsste man das Sperma ja wieder hochwürgen und quer durch den Mund bewegen. Manche Theorien gehen davon aus, dass deep throat prinzipiell gefährlicher ist als Oralverkehr im vorderen Mundbereich. Denn vorne ist die Schleimhaut derber, hinten um die Gaumenmandeln empfindlicher. Dort enthält sie Zellen, in die das Virus leichter eindringen kann.

Wie gefährlich ist der Lusttropfen?

Der ist beim Oralverkehr kein Thema. Das ist eine reine Mengenfrage. In der kleinen Menge des Lusttropfens sind kaum Viren, und die werden noch durch den Speichel verdünnt. Eine Infektion ist daher höchst unwahrscheinlich. Mit "Raus bevor's kommt!" ist das Sperma gemeint. Der Lusttropfen ist nach den Safer-Sex- Regeln beim Oralverkehr kein Problem. Beim ungeschützten Analverkehr dagegen spielt er wahrscheinlich eine Rolle. Ein Tropfen im Rektum ist etwas anderes als ein Tropfen im Mund.

Wöchentliche Umfrage

» Wie hältst Du es mit dem Blasen?
    Ergebnis der Umfrage vom 25.10.2010 bis 01.11.2010
-w-

#1 anonymusAnonym
  • 24.10.2010, 12:26h
  • Nicht zu vergessen die anderen "eckeligen Geschwister" von Hiv
    `ne Syphillis und ´n Tripper kann man sich oral noch schneller einfangen, auch Hep.B - falls man nicht geg. Hep. geimpft ist ...
  • Direktlink »
#2 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 24.10.2010, 12:51h
  • Ein kluger Kopf hatte einmal gesagt: "Trübsal ist nicht alles, was man blasen kann!" Er hat Recht! Oralsex kann auch sehr befreiend und natürlich auch sehr befriedigend sein. Aber wie bei den anderen Sexspielen gilt: alles kann, nichts muß!
  • Direktlink »
#3 schwulenaktivist
  • 24.10.2010, 13:00h
  • Es fällt auf, dass in den letzten Jahren und Monaten vor allem daran gearbeitet wird, safer sex zu durchbrechen und neue Möglichkeiten anzubieten, die den so geliebten Säftetausch "trotz allem" ermöglichen.
    Hochinteressant daran ist, dass die jeweils genannten Bedingungen, unter denen das möglich sein soll, sehr theoretisch und nur begrenzt anwendbar sind.
    Es geht also letztlich darum, die Leute zu entlasten, die sich über safer sex hinwegsetzen.
    Denn solche "Möglichkeiten" sind für spezielle Situationen und nicht für den Alltagsgebrauch bestimmt. Viele HIV+ konnten ja nicht mal den Alltagsgebrauch des simplen safe sex konsequent anwenden...

    Durch die öffentliche Diskussion wird aber auch den weniger Dummen klar, dass sie theoretische Möglichkeiten haben, ihre Vorsicht fallen zu lassen. Man lese jeweils die Formulierungen "drum herum" aufmerksam.

    Es werden laufend Studien und Berichte publik, die das Leben mit HIV nicht "leichter" machen, wie die Werbung verspricht, sondern bis ins fortgeschrittene Alter komplzierter machen. Die Langzeitwirkungen von Aidsmedikamenten, Poppers und den verschiedenen Drogen wirken oft kombiniert, werden aber nicht immer realisiert...

    Für das verantwortliche Leben mit Homosexualität gehört auch, darüber nachzudenken, warum dieses oder jenes gemacht, geschluckt, oder ausgespritzt werden muss. Aids wird nicht die letzte sexuell übertragbare undheilbare Infektion in einer globalisierten und migrierten Welt sein. Aber alle tun so.
  • Direktlink »