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- 26. Oktober 2010 3 Min.

Ob Bert wohl nach zu viel Wein getwittert hat? (Bild: See-ming Lee / flickr / by-sa 2.0)
Schon oft wurde Ernie und Bert aus der Sesamstraße geoutet. Nun hat sich Bert selbst via Twitter zu seiner Homosexualität bekannt - sein Heimatsender dementiert jedoch.
Von Dennis Klein
Die Twitter-Nachricht von Berts angeblichen Coming-out ging im Juni weitgehend unter. Auf der offiziellen Twitter-Seite der "Sesamstraße" verglich sich Bert vor vier Monaten mit Mr. T aus dem A-Team. Er habe die gleiche Frisur wie der Schauspieler, allerdings mit einer Ausnahme: "The only difference is mine is more 'mo' and a little less 'hawk'." "Mo" ist im amerikanischen Englisch eine Abkürzung für "Homo", "Hawk" bedeutet Falke - oder in diesem Zusammenhang Macker. Erst nach einem Bericht in der "Los Angeles Times" ist die Twitter-Nachricht unter Schwulen zum Gesprächsthema geworden, zu dem sich auch Homo-Gruppen äußern.
So erklärte Jarrett Barrios von der Gay & Lesbian Alliance Against Defamation (GLAAD), die Twitter-Nachricht zeige, wie sich Amerika verändert habe: "Mehr und mehr Schwule und Lesben gründen eine Familie und daher ist es wichtig, dass die Kinder diese Familien in ihren Lieblingssendungen auch wiederfinden können", so Barrios. "Die 'Sesamstraße' hat Kinder immer die Vielfalt gezeigt. Ich erwarte, dass sie das auch im Bezug auf unsere Community tut."
Kein Coming-out aus Angst vor Konservativen

Ernie und Bert bei einem harmlosen Spiel mit der Quietscheente (Bild: NDR)
Die Produzenten und der Heimatsender der "Sesamstraße" haben bereits erklärt, dass die Twitter-Nachricht keine Andeutung über die sexuelle Orientierung der Puppen darstellen soll. Sie sind aus gutem Grund vorsichtig mit ihrem Äußerungen: Mehrere konservative Gruppen wie das Family Research Council schlagen stets Alarm, wenn sie "homosexuelle Propaganda" in Kindersendungen vermuten. So haben sie sich in der Vergangenheit Aktionen gegen "schwule Sendungen" wie die "Teletubbies" oder "SpongeBob Schwammkopf" gestartet.
Erschwerend kommt hinzu, dass die "Sesamstraße" im öffentlich-rechtlichen Sender PBS läuft, dessen Finanzierung vom US-Kongress abhängt. Die Republikaner, die nach den Wahlen Anfang November voraussichtlich die Mehrheit stellen, haben in der Vergangenheit oft erklärt, dass sie öffentlich-rechtlichen Rundfunk in den USA eigentlich für überflüssig und überteuert halten. Schwule Themen in der "Sesamstraße" könnten daher der Anlass für Budgetkürzungen oder gar eine Abwicklung sein. Derzeit gibt es ohnehin viel Kritik an den nichtkommerziellen Sendern: So fordern führende Republikaner, die Finanzierung des National Public Radio zu streichen. Grund: NPR entließ vergangene Woche den Journalisten Juan Williams fristlos, nachdem sich dieser in einer Radiosendung diskriminierend über Muslime geäußert hatte. Williams hat inzwischen einen neuen Job beim privaten TV-Sender Fox News Channel gefunden.
NDR: Ernie und Bert "einfach nur gute Freunde"

Bernie und Ert mit RTL-Freitag-Nacht-News-Moderatorin Ruth Moschner (Bild: RTL)
Die sexuelle Orientierung von Ernie und Bert wurde auch in Deutschland schon diskutiert. Der ausstrahlende Sender NDR hat dabei stets betont, dass Ernie und Bert "einfach nur gute Freunde" seien (queer.de berichtete). RTL kannte da weniger Skrupel: In der Comedy-Sendung "RTL Freitag Nacht News" durften sich die beiden Puppen Anfang des Jahrtausends Butt-Plugs einführen und Körpersafte austauschen. Aus Urheberrechtsgründen wurden sie leicht entstellt (ein Auge statt zwei) und erhielten neue Namen (Bernie und Ert). Aus rechtlichen Gründen ließ RTL das Paar ab 2003 nur noch inkognito auftreten. Die Handlung wurde von der Wohnung vor den Popo-Club verlegt und die Protagonisten sprachen sich nur noch mit "Unbekannter Nummer Eins" bzw. "Zwei" an. Dafür erhielten sie noch mehr Sado-Maso-Allüren.
Dennoch ist die sexuelle Orientierung von Ernie und Bert keine ausgemachte Sache, wie Gary Knell, Präsident des Sesamstraßen-Workshops, bereits 2007 erklärte: "Sie sind nicht schwul, sie sind auch nicht hetero, sie sind Puppen. Unter der Gürtellinie gibt es sie gar nicht."














