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- 27. Oktober 2010 3 Min.

Die schwul-lesbische Jungsozialisten fordern eine Gesellschaft, die ihre Beziehungen anders organisiert. (Bild: GaynossInnen JUSO Schweiz)
Die Jugendorganisation der schweizerischen Sozialdemokraten warnt Schwule und Lesben, sich bei konservativen Parteien zu engagieren und damit die Homo-Emanzipation in Frage zu stellen.
Von Dennis Klein
Bei den JungsozialistInnen Schweiz wirbt daher nun die schwul-lesbische Gruppe GaynossInnen mit linken Forderungen dafür, wieder Tritt in der Homo-Szene zu fassen. Zuletzt haben sich Homo-Gruppen in der Christdemokratischen Volkspartei (CVP) und der rechtspopulistischen Schweizerischen Volkspartei (SVP) gegründet.
Auf ihrer Website werfen die GaynossInnen bürgerlichen Homosexuellen vor, "am allerliebsten sein [zu] wollen wie Heterosexuelle". Damit verleugneten sie aber ihre eigene Sexualität und erreichten "keinesfalls die immer noch nötigen gesellschaftlichen Veränderungen". Zudem ist den schwulen und lesbischen Jungsozialdemokraten die Akzeptanz des freien Marktes ein Dorn im Auge: "Kapitalistische Unternehmen haben Schwule als finanzstarke Doppelverdiener entdeckt. Sie geben nun vor, die Interessen der Schwulen und Lesben zu unterstützen", erklärte GaynossInnen-Vorstand Florian Vock gegenüber der Zeitung "20 Minuten". Die Folge sei eine "erschreckende Oberflächlichkeit der Homo-Community".
Familie soll von Ehe entkoppelt werden

Die SVP ist mit einem Wähleranteil von rund 29 Prozent derzeit die erfolgreichste Partei in der Schweiz. (Bild: SVP)
Als Antwort wird nun das Positionspapier "Selbstbestimmung statt Normen!" angeboten, mit dem die GaynossInnen die schweizerische Gesellschaft umkrempeln wollen. Darin fordern sie unter anderem, dass die Ehe nicht mehr die bevorzugte Organisation der Familie sein soll ("Warum soll ein Kind nicht mit zwei Vätern und zwei Müttern aufwachsen?"). Zudem müssten die "vordefinierten Geschlechter" aufgehoben werden, da die Einschränkung auf "männlich" und "weiblich" in den wenigsten Fällen den Lebensrealitäten entspreche.
Schwule und Lesben auf der anderen Seite des politischen Spektrums erklärten jedoch, dass es keinen Alleinvertretungsanspruch der Linken für sexuelle Minderheiten mehr gebe: "In der Schweiz war die Islam-Debatte ein Mitauslöser", erklärte der Kantonalabgeordnete Thomas Fuchs von der SVP. "Viele traditionell linke Gays haben wegen der akuten Schwulenfeindlichkeit vieler islamischer Länder gegen Minarette in der Schweiz gestimmt - und dabei gemerkt, dass sie eigentlich gar nicht mehr links sind". Die SVP hat in der Schweiz den erfolgreichen Volksentscheid zum Minarett-Verbot initiiert. Auf der Website der Gays in der SVP konzentrieren sich die Verfasser daher auch voll auf die Lieblingsthemen der Partei. Dort heißt es "Ja zur [Abschiebung] krimineller Ausländer!" oder "Sozialismus führt nicht zur sozialen Gerechtigkeit".
Vorbehalte gegen Schwule und Lesben in SVP und CVP
Innerhalb der SVP ist die Homo-Gruppe allerdings umstritten. Viele Parteimitglieder empfinden die Forderung der schwul-lesbischen Parteimitglieder nach mehr Offenheit in Homo-Fragen als Affront gegen ihre Werte. Es liege schließlich "in der Natur der Menschheit, dass Mann und Frau zusammengehören", erklärte etwa der Luzerner Chef der Jungen Schweizerischen Volkspartei (queer.de berichtete).
Auch bei der gemäßigt konservativen CVP trifft die Gründung der Arbeitsgruppe Homosexualität in diesem Monat nicht nur auf Gegenliebe. So grummelten Parteifreunde bereits, als die CVP forderte, dass Oberstufenschüler mehr über Homosexualität im Unterricht erfahren müssten. Arbeitsgruppenleiter Stefan Gassmann hat aber keine Angst, dass seine Gruppe dem wertkonservativen Parteiflügel vor den Kopf stößt, wie er gegenüber der Boulevardzeitung "Blick" erklärte: "Nein, wir gehen mit sehr viel Fingerspitzengefühl vor", verspricht er den Zweiflern.















Sog. "Konservative" klammern sich an "überkommene" Gesellschaftsentwürfe und Partnerschaftsmodelle. Sie hinken der realen gesellschaftlichen Entwicklung immer! hinterher (meist um Jahrzehnte).
Gesellschaftliche Weiterentwicklungen, wozu auch die selbstverständliche Akzeptanz von schwulen Männern, lesbischen Frauen und schwulen oder lesbischen Paaren gehört, wurden und werden nicht von sog. "Konservativen" befördert, unterstützt oder auch nur anerkannt.
Nach Jahrzehnten, wenn die Wirklichkeit die konservative Theorie längst überholt hat und diese alt und verstaubt aussehen läßt, öffnen sich - unter gesellschaftlichem Druck - zögerlich und widerstrebend schließlich die konservativen Kreise den veränderten Lebensentwürfen.
Es gab eine Zeit, da waren Schwule konservativ, weil ihnen jedes Selbstwertgefühl, jede Selbstachtung und sogar die Existenzberechtigung abgesprochen und genommen wurde. Um zu "Überleben" biederten sich Schwule damals, als "überangepasste Karikaturen" den Konservativen an und ... waren froh wenn man sie nicht "tot schlug" ('Identifikation mit dem Aggressor/Machtinhaber').
Selbstverständlich ist die "Gay-Community" nicht homogen, sondern sehr heterogen, im Sinne von vielfältig. Weder sind alle Schwulen besonders intelligent, sympathisch oder auch nur aufgeschlossen gegenüber neuen Einflüssen, noch sind sie "von Natur" aus "kämpferisch, rebellisch" oder links. Das kann auch niemand erwarten - es sind viel zu viele Menschen, mit unterschiedlicher Sozialisation, mit unterschiedlichen Erfahrungen und sozialen Hintergründen. Ich wäre schon froh, wenn sich die Erkenntnis durchsetzen würde:
NICHTS, WAS WIR HEUTE ALS SELBSTVERSTÄNDLICH EMPFINDEN, WURDE UNS VON KONSERVATIVEN GROSSZÜGIG ZUGESTANDEN! GANZ IM GEGENTEIL: DAFÜR HABEN SCHWULE AKTIVISTEN WELTWEIT JAHRZEHNTELANG GEGEN DEN ERBITTERTEN WIDERSTAND VON KIRCHEN UND KONSERVATIVEN HART GEKÄMPFT. VERGESST DAS NICHT!