Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?13079
  • 06. November 2010 14 2 Min.

Schnüffelstoffe aus der Alpenrepublik sind Geschichte

Die Schnüffeldroge ließ sich bis vor kurzem noch bequem per Internet aus Wien ordern. Die Gesundheits­behörden drehen den Hahn zu.

Von Christian Scheuß

Mitte Oktober verriet das Nachrichtenblatt "Kleine Zeitung" ihren Lesern ein vermeintlich großes Geheimnis, dass in schwulen Kreisen schon lange keines mehr war: "Österreich hat sich zum Hauptumschlagplatz für den Konsum und Handel der Droge Poppers entwickelt." Aus dem Gesundheits­ministerium hieß es, dass der Handel "noch" möglich sei und erließ laut Online-Händler gayrado.com zur selben Zeit ein vorläufiges Verkaufsverbot. Die österreichischen Arzneimittelagentur AGES PharmMed, eine Kontrollbehörde zur Überwachung des Medizinmarktes, kündigte zudem an, sich in diesem Jahr um "arzneimittelrechtliche Randbereiche" kümmern zu wollen. Das hat sie getan, wie der Online-Versandhändler "poppersdealer.com" am 5. November seinen Kunden per E-Mail mitteilte.

"Das Österreichische Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen ist nunmehr der Auffassung, dass es sich bei Poppers um Arzneimittel handelt und hat uns aufgefordert, unsere Kunden darüber in Kenntnis zu setzen", heißt es in der Nachricht. Den Konsumenten empfehle die Behörde, die erworbene Ware "zu entsorgen". Das mag die Popperskäufer zum Schmunzeln bringen, für Stirnrunzeln dagegen sorgt der Hinweis, dass die Behörde den Poppershändler auch aufgefordert habe, Namen und Adressen der verständigten Kunden zu übermitteln. Eine Forderung, die man bei der Qlams Trading GmbH, die poppersdealer.com betreibt, zurückweist: "Dem können wir unter Verweis auf §11 Datenschutz unserer Allgemeinen Geschäftsbedingungen sowie dem Fehlen einer rechtlichen Grundlage nicht nachkommen. Diesbezüglich haben wir auch bereits Kontakt mit der Österreichischen Datenschutzkommission aufgenommen."

Neue Warenströme: Versand nun aus England

In Deutschland und anderen europäischen Ländern stehen die Nitritverbindungen mit der bekannten aufgeilenden Wirkung bereits seit langem auf der Liste verschreibungspflichtiger Wirkstoffe. Onlinehandel und Versand waren deshalb nicht von hier aus möglich. Es existierte aber über die Sexshops ein lebhafter Graumarkt mit Fläschchenverkauf unter der Ladentheke. Das Risiko, erwischt zu werden, ließ man sich mit ordentlichem Preisaufschlag vergüten. Der österreichische Internethandel hat die Preise ins Rutschen gebracht und es für die Kunden sehr bequem gemacht.

Die Versandhändler haben schnell reagiert auf die neue Situation und inzwischen neue Firmen in England gegründet. So gehört zum Beispiel der Shop poppers.at jetzt nicht mehr zur Nilion Trading GmbH in Wien, sondern zur Red Fun Ltd. mit Sitz in Stockport, nahe Manchester. Der Versand erfolgt jetzt auch aus Großbritannien. Weltweit. Nur nicht mehr nach Österreich.

Informationen zu Amazon-Affiliate-Links:
Dieser Artikel enthält Links zu amazon. Mit diesen sogenannten Affiliate-Links kannst du queer.de unterstützen: Kommt über einen Klick auf den Link ein Einkauf zustande, erhalten wir eine Provision. Der Kaufpreis erhöht sich dadurch nicht.

09.06.24 | Schnüffeldroge
Die kleine braune Flasche zum Lesen
09.07.21 | "Negative Auswirkungen auf Gesundheit, inklusive Tod"
US-Gesundheits­behörde warnt vor Poppers
03.11.19 | Video des Tages
Frank Ocean rappt über Poppers
18.04.17 | Forscher raten zur Vorsicht
Studie: Poppers schädigt Augen möglicherweise dauerhaft
-w-

#1 schwulenaktivist
  • 06.11.2010, 14:41h
  • Ich meine, jeder hat das Recht sich selber gesundheitlich zu schädigen. Nur: Nicht jeder hat das Recht, dies auch noch über die Krankenkasse abrechnen zu lassen.

    Ich meine, Homosexuelle sind schon so vielfältig abhängig von allem Möglichen, dass da Poppers eine unter Anderen ist.
    Nur: Wer garantiert die tollen Therapien nach EKAF Richtlinien und wer prüft die Verträglichkeit mit anderen Drogen nebenher, wie sie in grossem Masse konsumiert werden?

    Früher hiess es: Mit 30 jage ich mir eine Kugel in den Kopf. Dann sah man die Homos noch mit 50 auf den Toiletten herumstreunen. Jetzt wird schon ab Mitte 20 "gedrögelt" und dann siechen sie bis zur Pension dahin. Wer bezahlts? Die Krankenkassen - wie lange noch?

    Und der dickste Hammer: Bei all dem haben sich die Leute nie wirklich kennengelernt. Denn Drogen schaffen Abhängigkeiten nach allen Seiten, aber keine Solidarität und keine Freunde, mit denen man auch ohne Ficken älter werden kann...
  • Direktlink »
#2 JanAnonym
  • 06.11.2010, 15:05h
  • Antwort auf #1 von schwulenaktivist
  • "Nicht jeder hat das Recht, dies auch noch über die Krankenkasse abrechnen zu lassen." Nun gut. Mag ja sein. Denken wir das ganze also mal zu Ende: Ein Raucher, jemand der in Skiurlaub fährt, jemand der Fahrrad ohne Helm fährt, Menschen die viel Schokolade essen. Ja, sie alle schädigen ihre Gesundheit. Sogar Menschen, die in der Stadt wohnen und dort die Luft einatmen schädigen ihre Gesundheit. Sie sollten also alle für die Risiken separat gestaffelt bezahlen? Das geht natürlich - nämlich ganz simpel indem die Leute sich privat versichern und die Krankenkassen wie bei KFZ-Versicherungen die Tarife in Risikoklassen einsortieren. Dann würde man ja sehen, wieviel teurer einen das Rauchen so kommt. Allerdings: Ist das wirklich gewollt? Denn strenggenommen ist es rein statistisch betrachtet auch bereits ein erhöhtes Risiko schwul zu sein. Schwule wechseln häufiger die Partner und sind häufiger von HIV betroffen.
    Moment mal, werden jetzt manche sagen - das ist aber nicht fair. ICH bin doch ganz anders. Ich bin treu. Tja, sorry - aber das interessiert die Versicherung doch nicht, wenn sie einen in Risikoklassen oder Regionalklassen einteilt. Das Leben in Berlin ist auf jeden Fall im Durchschnitt gesundheitsschädlicher als irgendwo auf dem Land. Mein Fazit: Diese Idee ist totale Quatsch, denn wenn es im Ernstfall um Leben und Tod geht funktioniert das gottseidank eben nicht so wie eine KFZ-Versicherung. Gesundheitsvorsorge muss beim Menschen und dessen Verhalten ansetzen und nicht bei der Krankversicherung, die zu zahlen hat, wenn das Kind eh schon in den Brunnen gefallen ist. Als Liberaler habe ich nichts gegen Wettbewerb und freie Versicherungswahl - aber doch bitte in Grenzen und nicht auf dem Rücken von kranken Menschen.
  • Direktlink »
#3 schwul2010Anonym
  • 06.11.2010, 15:08h
  • Antwort auf #1 von schwulenaktivist
  • @schwulenaktivist

    Vielen Dank für deinen Kommentar, bin völlig deiner Meinung.

    Dein Name schwulenaktivist ist sehr passend, ich finde deine Einstellung gut. Manche mögen über dich herziehen und sagen: quatsch, das schränkt die Freiheiten der Schwulen ein, du bist gegen schwule Interessen.

    Aber der, der gesundheitlich am Ende ist, hat am allerwenigsten Freiheiten.

    Manche wünschten sich sicherlich, sie hätten sich früher anders verhalten, aber die Zeit kann man leider nicht zurückdrehen...
  • Direktlink »