https://queer.de/?13183
- 20. November 2010 3 Min.

Hat der Papst einen historischen Schritt gewagt? (Bild: Wiki Commons / Fabio Pozzebom/ABr / CC-BY-2.5-BR)
Nachrichtenmedien in Deutschland und auf der ganzen Welt spielen an diesem Samstag verrückt - der Papst habe in einem Interview erstmals die Nutzung von Kondomen erlaubt. Stern.de schreibt gar von einer "historischen Wende im Kampf gegen Aids".
Den ersten Meldungen zufolge habe die Vatikan-Zeitung entsprechende Sätze aus dem Buch "Licht der Welt" des deutschen Journalisten Peter Seewald zitiert, der Interview-Band soll in der kommenden Woche erscheinen.
In seinen Äußerungen erlaube der Papst die Benutzung von Kondomen für "begründete Einzelfälle". Wenn es darum gehe, die Ansteckungsgefahr zu verringern, könne der Einsatz von Kondomen "ein erster Schritt sein auf dem Weg hin zu einer anders gelebten, menschlicheren Sexualität".
Mehr Zitate wurden zunächst nicht bekannt. Glaubt man mangels weiterer umfassender Quellen dem fundamentalistischen, aber gut informierten Portal "kreuz.net" aus Deutschland, dass Zitate wie das obige bereits vor wenigen Tagen wortgenau veröffentlicht hat, ist der Satz allerdings eingezäunt von Einschränkungen. Kondome seien "natürlich nicht als wirkliche und moralische Lösung" anzusehen, so der Papst laut "kreuz.net" weiter, und "seien nicht die eigentliche Art, dem Übel der HIV-Infektion beizukommen". Diese müsse "wirklich in der Vermenschlichung der Sexualität" liegen. Sich auf Kondome zu konzentrieren bedeute eine "Banalisierung der Sexualität".
"Erster Schritt zu einer Moralisierung"

In dieser Papst-Parodie auf dem CSD München sah die Staatsanwaltschaft noch die "Beleidigung eines ausländischen Staatsoberhaupts" (Bild: Artwork Sarah Jäckel)
Sowohl "kreuz.net" als auch eine Nachrichtenagentur berichten, ausgerechnet der erwähnte Einzelfall sei zugleich eine moralische Bewertung. Demnach sagt der Papst: "Es mag begründete Einzelfälle geben, etwa wenn ein Prostituierter ein Kondom verwendet, wo dies ein erster Schritt zu einer Moralisierung sein kann, ein erstes Stück Verantwortung, um wieder ein Bewußtsein dafür zu entwickeln, dass nicht alles gestattet ist und man nicht alles tun kann, was man will."
In dem Buch soll der Papst laut "kreuz.net" auch sagen, dass Homosexualität etwas bleibt, "das gegen das Wesen dessen steht, was Gott ursprünglich gewollt hat". Schwule könnten nicht Priester werden, weil "ihre geschlechtliche Orientierung sie von der rechten Vaterschaft, von dem Inneren des Priesterseins distanziert". Homosexuelle Priester gehörten zu den "Nöten der Kirche".
Dabei sei Schwulen mit "Achtung und Respekt" zu begegnen: "Wenn jemand tiefsitzende homosexuelle Neigungen hat - man weiß bislang nicht, ob sie wirklich angeboren sind oder in frühkindlicher Zeit entstehen -, wenn sie jedenfalls in ihm Macht haben, dann ist dies für ihn eine große Prüfung, so wie einen Menschen auch andere Prüfungen belasten können", wird der Papst zitiert.
Papst in Deutschland
Gestern wurde bekannt, dass Benedikt XVI. im nächsten Jahr auf Einladung des Bundespräsidenten Deutschland besuchen wird. Stationen der offiziellen Staatsvisite sind Berlin, Erfurt und Freiburg. (nb/pm)
Mehr zum Thema:
» Kommentar von Jürgen Friedenberg: Die Last mit der Lust (21.11.2010)















Im übrigen, wen schert´s, was der alte Sack in Rom so treibt? Gibt´s nichts wichtigeres?