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- 22. November 2010 3 Min.

Ein Papstporträt aus London, bestehend aus 1.600 Kondompackungen (Bild: robertelyov / flickr / by 2.0)
Am Wochenende hat der Papst eine Lockerung des Kondomverbots angekündigt; Homo-Gruppen und Aidshilfen reagieren zurückhaltend und auch der Vatikan rudert zurück.
Am Samstag hatte der Vatikan eine Aussage von Papst Benedikt XVI. veröffentlicht, in dem er die Kondomnutzung in "begründeten Einzelfällen" für zulässig erklärte (queer.de berichtete). Dabei wurde aus Benedikts neuem Buch "Licht der Welt" zitiert, das in wenigen Tagen veröffentlicht wird. Den Zitaten zufolge können männliche Prostituierte unter bestimmten Voraussetzungen mit dem Segen der Kirche Kondome verwenden, aber die Kondomnutzung sei nicht "die eigentliche Art, dem Übel der HIV-Infektion beizukommen". Die Zitate wurden von der amtlichen Vatikanzeitung "Osservatore Romano" verbreitet.
Am Sonntagabend hat Vatikan-Sprecher Federico Lombardi nach einem weltweiten Medienecho die Aussagen eingeschränkt: "Es handelt sich nicht um eine Revolution", erklärte der 68-Jährige. "Der Papst reformiert nicht die Linie der Kirche, sondern er unterstreicht sie vielmehr, indem er für den Wert und die Würde der menschlichen Sexualität als Ausdruck von Liebe und Verantwortung eintritt". Damit ist die 1968 von Papst Paul VI. veröffentlichte Enzyklika "Humanae vitae" weiterhin gültig. Die volkstümlich als "Pillenenzyklika" bezeichnete Kirchenverlautbarung besagt, dass Sex Katholiken nur erlaubt ist, wenn er der Fortpflanzung dient.
Keine historische Wende
Für den deutschen Lesben- und Schwulenverband kommt die päpstliche Stellungnahme viel zu spät: "Die Medien sprechen von einer 'historischen Wende'. Wir meinen, historisch ist daran nur, wie lange die Katholische Kirche gebraucht hat, um auf Aids die ethischen Maßstäbe anzuwenden, die sie auch sonst vertritt", erklärte LSVD-Sprecher Manfred Bruns. Die Kirche habe nie Probleme gehabt, "gerechte Kriege" oder das Töten von Menschen in Notwehr zu rechtfertigen. "Nur bei Aids durfte es keine Abwägung geben", bedauert Bruns.
Die Deutsche Aids-Hilfe betrachtet die Äußerungen des Papstes als einen "wichtigen Schritt im Kampf gegen HIV und Aids": "Erstmals gestattet die Katholische Kirche ihren Gläubigen den Gebrauch von Kondomen zur HIV-Prävention. Wir hoffen, dass dies erst der Anfang ist hin zu einer zeitgemäßen Haltung für eine selbstbestimmte Sexualität", sagte DAH-Vorstandsmitglied Tino Henn. Ziel müsse die "wirksame Verhütung vor ungewollten Schwangerschaften und vor sexuell übertragbaren Krankheiten" sein.
Der kirchenkritische Tübinger Theologe Hans Küng hält die Äußerungen des Papstes lediglich für eine "taktische Anpassung". Schließlich habe sich die Kirche mit dem absoluten Kondomverbot zuvor lächerlich gemacht: "Eine grundsätzliche Wende wäre es, wenn Benedikt nicht nur männlichen Prostituierten eine Antwort gäbe, sondern heterosexuellen Ehepartnern: Dass die katholische Kirche endlich davon abrückt, dass Empfängnisverhütung unsittlich sei", so Küng in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung". Schließlich stehe selbst in der Bibel nichts von einem solchen Verbot: "Es handelt sich faktisch um eine falsche Ableitung aus der Naturrechtslehre, als ob jeder Geschlechtsverkehr auf Fortpflanzung ausgerichtet sein müsse". (dk)















das ist in der tat keine revolution. das ist im gegenteil ein zeugnis der realitätsverweigerung und der arroganz, das jeden modernen menschen beschämen sollte.