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- 02. Dezember 2010 2 Min.

Das Opfer erlitt Stiche in Lunge und Milz sowie Schnittverletzungen im Gesicht. (Bild: The Ewan / flickr / by-sa 2.0)
Die Jugendkammer des Landgerichts Stralsund hat einen 20-Jährigen zu vier Jahren Jugendhaft wegen Totschlags verurteilt, weil er Anfang April einen Cruiser in einem Waldstück erstochen hatte.
Der Angeklagte hatte im Prozess zugegeben, den Mann getötet zu haben. Im Prozess sagte der an Depressionen leidende junge Mann aus, dass er ursprünglich am Ostersonntag mit seinem Mofa zum Parkplatz an einem Waldgebiet nahe Greifswald gefahren sei, um sich selbst zu töten. Nachdem er erfolglos versucht hatte, seine Pulsadern aufzuschneiden, sprach ihn das spätere Opfer an. Der 47-Jährige suchte nach einem Sexpartner. "Sie wollten vernichten, was Sie stört und belästigt", sagte Richter Wolfgang Loose nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa zum Täter. Er verurteilte ihn wegen Totschlags in einem minderschweren Fall.
Täter kommt in Psychiatrie
Der Täter gilt als hochgradig selbstmordgefährdet und wird daher zunächst in einer Psychiatrie für Straftäter untergebracht. In U-Haft hatte er einen weiteren Suizidversuch unternommen – den vierten in seinem Leben. Trotz der psychischen Probleme sei eine Gefängnisstrafe "nicht entbehrlich", erklärte Richter Loose. "Es muss Ihnen vor Augen geführt werden, welches Unrecht Sie begangen haben". Die verbrachte Zeit in der psychiatrischen Klinik wird auf die Haftstrafe angerechnet. Der Täter war wegen seines psychischen Zustandes vermindert schuldfähig. Am Tatzeitpunkt stand er zudem unter dem Einfluss von Medikamenten und Betäubungsmitteln.
Kurz nach der Urteilsverkündung hat Verteidiger Jost von Glasenapp Revision vor dem Bundesgerichtshof angekündigt. Er will erreichen, dass der Täter nach seiner Therapie keine Haftstrafe mehr absitzen muss: "In Hinblick auf den Erziehungsgedanken des Jugendstrafrechts ist ein solches Vorgehen kontraproduktiv", sagte von Glasenapp.
Das Opfer erlitt Stiche in Lunge und Milz sowie Schnittverletzungen im Gesicht. Zwei Parkplatzbesucher, die seine Schreie hörten, leisteten kurz nach der Tat erste Hilfe. Die Verletzungen waren aber so schwerwiegend, dass der Mann zwei Stunden später im Krankenhaus verstarb. (dk)
Links zum Thema:
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