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- 08. Dezember 2010 4 Min.

Dies war der zweite schwule Kuss in der Lindenstraße (Bild: ARD)
Am 8. Dezember 1985 lief die erste Folge der Lindenstraße. Schwul-lesbische Dramen gibt es auch heute noch. Ein Rückblick.
Von Carsten Weidemann
Happy Birthday, Lindenstraße! Alle Festredner dieser Tage sind überrascht, dass eine Serie, die damals mit dem Blick in ein stinknormales Wohnzimmer einer stinknormalen Familie 25 Jahre später immer noch existiert. Helga und Hans Beimer beim weihnachtlichen Blockflötenkonzert gemeinsam mit den Kindern Benni und Klausi, wie aufregend! Doch das Konzept überzeugte auf Dauer die deutschen Zuschauer. Nicht nur, weil Mutter Beimer noch immer ihre Spiegeleier brät. Auch weil es die von Regisseur Hans W. Geissendörfer - Preisträger der Kompassnadel des Schwulen Netzwerks NRW - erfundene Show geschafft hat, an aktuellen Themen des realen Lebens dran zu bleiben. Auch an den Dingen, die die Community bewegen. Und mit Georg Uecker (Carsten Flöter), Claus Vincon (Georg "Käthe" Eschweiler) und Sybille Waury (Tanja Schildknecht) wird die Regenbogenfahne in der Lindenstraße nach wie vor hoch gehalten. Wir erinnern uns:
Georg Uecker ist der dienstälteste Schwule der Lindenstraße, der mit dem ersten gleichgeschlechtlichen Kuss in einer deutschen Serie im Jahr 1987 TV-Geschichte schrieb. Dass schwules Knutschen in der Öffentlichkeit vor 20 Jahren keine Selbstverständlichkeit war, zeigen die Morddrohungen, die Uecker und sein Schauspielkollege Martin Armknecht alias Robert Engel 1990 nach Ausstrahlung einer Folge mit einem weiteren Homo-Kuss erhielten. Die Wiederholung dieser Folge unterließ dann der Bayerische Rundfunk aus moralischen Bedenken, und nicht aus Sorge um die Darsteller.
"Carsten Flöters starke Mutterbindung verhindert eine Freundesfindung"

Georg Uecker, Claus Vincon, Marie Luise Marjan 2010 (Bild: ARD)
Mit Carstens Freund Robert nahm es ja dann auch kein gutes Ende. Der entpuppte sich als drogenhandelnder Fiesling mit plötzlichen heterosexuellen Neigungen und verschwand mit Folge 364 aus der Lindenstraße. 150 Folgen zuvor war bereits Gert Weinbauer (gespielt von Günter Barton) aus der mit Carsten geteilten Wohnung ausgezogen, da er eifersüchtig auf Robert war.
Mit Theo Klages (David Wilms) hatte Dr. Flöter ebenfalls nicht ganz so viel Glück. Trotz symbolischer Vermählung im Restaurant Akropolis folgte 1998 die Trennung, in Folge 676 verschwindet sein Ex spurlos. Was mit ihm geschah, blieb bis heute ein Geheimnis. Erst mit Käthe hat der Doktor, der seine Praxis wegen seiner Tablettenabhängigkeit mittlerweile aufgeben musste, einen zuverlässigen Freund und Lebenspartner gefunden. Nicht alle mochten übrigens damals die Rolle des angepassten Schwiegersohn-Vorzeige-Homos, wie das Spottlied von Max Goldt "Jeden Sonntag bin ich glücklich, dass ich nicht der Freund von Carsten Flöter bin" aus dem Jahr 1989 beweist.
Gute und schlechte Zeiten auch in Tanja Schildknechts Beziehungsleben

Hansemann und Taube kämpfen weiter in der Sonderfolge am 11.12. (Bild: ARD)
Sybille Waury verkörpert Tanja Schildknecht bereits seit Folge Zwei. Mit ihrer Geliebten Sonia Besirski, gespielt von Nika von Altenstadt, waren sie das erste Lesbenpaar der Lindenstraße. Leider ließen die Drehbuchautoren die Liebste 1998 an einer Überdosis Morphium sterben, verabreicht von Dr. Dressler, der für die Droge die Trennung Sonias von Tanja forderte. Und auch Tanjas letzte Freundin machte sich nach der Verpartnerung erst wegen der Karriere aus dem Staub und präsentierte später auch noch einen Mann als neuen Beziehungspartner.
Aids war eines der Tabuthemen, dass die Serie bereits auf dem Höhepunkt der Aids-Krise Mitte der Achtziger mutig aufgriff. Bernd Tauber spielte von 1985 bis 1988 den HIV-Positiven Benno Zimmermann, der in Folge 156 an einer Lungenentzündung in Folge von Aids verstarb.
Während die meisten schwulen Rollen von schwulen Schauspielern verkörpert wurden und werden, ist Sybille Waury im privaten Leben mit einem Mann verheiratet. Es geht aber auch anders herum. Der offen schwule Schauspieler Klaus Nierhoff mimte von 2002 an fünf Jahre lang den heterosexuellen Christian Brenner, der noch 2009 immer wieder mal in kurzen Gastauftritten zu sehen war.
Bis 2014, so kündigte die ARD an, soll die Serie auf jeden Fall noch weiterlaufen. Viel Zeit also für weitere (homo)erotische Irrungen und Wendungen. So hoffen die Fans, dass der vor zwei Jahren schwer erkrankte Georg Uecker bald wieder stärker einsteigen kann. Vielleicht taucht Theo Klages, der sich jahrelang bei SUPER-RTL als Moderator in diversen Kindersendungen versteckt hat, wieder auf? Oder gesteht Mutter Beimer in der allerletzten Folge, dass sie gemeinsam mit Amanda Lear in den Siebzigern eine Geschlechtsangleichung in Casablanca hat vornehmen lassen? Wir werden es sehen, am Sonntag, um 18:50 Uhr.
Die Lindenstraße Kultnacht mit Christine Westermann und Götz Altzman läuft am 11.12. ab 23:15 Uhr in der ARD. Am 12. Dezember um 18:50 Uhr dann die Jubiläumsfolge 1306 "Iffi und Klaus".
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05:55h, MDR:
Käthe und ich
Folge 6: Das Adoptivkind – Film über den zwölfjährigen Ben, der vor kurzem noch beliebt war und inzwischen der meistgehasste Junge der Schule ist, auch dabei der schwule Tierarzt Eric.
Spielfilm, D 2021- mehr TV-Tipps »
















Ja vor dreizug Jahren der erste CSD in Berlin (31 genau) 25 Jahre der erste Kuss im Fernsehen.
Erinnere mich meine so tolerante Mutter fragte mich muss das sein?? Ja Mama das muss ich denke sie fürchtete wieder einmal die hinter der Hand tratscherei in der Familie, dass ich ja auch schwul sei shit erfuhren wir Jahre später ich war hetero weil transsexuell ist das nun noch schlimmer??????
Deswegen heute auch ein großes Danke an meine mittlerweile verstorbene Mama die immer zu mir stand und allen anderen Freunden/innen, Müttern, Vätern, Tanten, Onkeln usw. die damals zu uns standen denn die ganze Bewegung wäre nicht gegangen, hätte es euch nicht gegeben denn son ganz ohne die Heten ging es eben nicht.
Eine bitte noch an Queer.de und seine Journalisten
GEBT es endlich auf von Geschlechtsumwandlung zu reden.
Sprecht korrekter Weise von der Geschlechtsangleichung es ist nicht mehr und auch nicht weniger, nur eine Anpassung.
Also ein großes umfangreiches sattes Danke für heute.
Oops, ja, haben die "Umwandlung" gerade angeglichen, danke für den Hinweis! Die Redaktion