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- 08. Dezember 2010 3 Min.

Ameisen auf dem Kruzifix brachte die republikanische Führung in Rage. (Bild: Screenshot)
Ein Museum in Washington hat das Video eines schwulen Künstlers nach Protesten von konservativen Politikern und Aktivisten aus einer Ausstellung entfernt.
Das Video war Teil der "Hide/Seek"-Ausstellung, die noch bis Mitte Februar 2011 in der Smithsonian's National Portrait Gallery zu sehen ist. Die Ausstellung war schon vor dem Start umstritten, weil sie erstmals Werke homosexueller Künstler auf einmal zeigt. Der Zorn der Homo-Gegner ist nun auf das vierminütige Video "Fire In My Belly" des 1992 an Aids verstorbenen Künstlers David Wojnarowicz getroffen. Er wollte damit die Leiden von Aids-Opfern verdeutlichen. Kritisiert wird eine elfsekündige Sequenz, in dem ein von Ameisen übersätes Kruzifix zu sehen ist. Die Catholic League bezeichnete das Video deshalb als "Hasstirade" gegen Christen.
Republikaner zürnen über Steuergeld-"Verschwendung"

Der Republikaner John Boehner ist ab 3. Januar 2011 Chef des Repräsentantenhauses (Bild: United States House of Representatives)
Daraufhin stimmte auch der künftige Mehrheitsführer im Repräsentantenhaus, der Republikaner John Boehner, in die Kritik ein: "Amerikanische Familien haben das Recht auf eine bessere Verwendung von Steuergeldern", so Boehner. Die Ausstellung erhält - wie auch in anderen Ländern - Subventionen vom Staat. Die Republikaner, die auch in der Kunst auf die freie Marktwirtschaft vertrauen, wollen dagegen diese Unterstützung generell kürzen oder einstellen. "Obwohl der Betrag, das die Steuerzahler dafür aufwenden, eher gering ist, zeigt das die Arroganz Washingtons, die auf tausende Entscheidungen zutrifft, in denen das hart verdiente Geld der Amerikaner ausgegeben wird", erklärte Boehner. Er drohte dem Smithsonian an, sich ab Januar auf "harte Überprüfungen" vorzubereiten - dann übernehmen die Republikaner das Ruder im Repräsentantenhaus.
Die Ausstellung eröffnete bereits Ende Oktober ohne Probleme. Einen Monat später veröffentlichte die konservative Website CNSNews.com einen Artikel, in dem kritisiert wurde, dass die Ausstellung das Christentum in der Weihnachtszeit herabwürdigt. Danach setzten die Proteste ein, bis das Museum sich schließlich entschied, das Video zu entfernen.
Bereits vor Ausstellungseröffnung hatten die Museumsbetreiber ungewöhnliche Probleme, wie Kurator Jonathan Katz gegenüber dem britischen "Guardian" erklärte. So wollten ihm Leihgeber Werke nicht aushändigen, weil sie fürchteten, dass der Wert der Kunstwerke durch die Verbindung mit dem Thema Homosexualität sinken könnte.
Die Aktion der Republikaner-Führung erinnert an einen ähnlichen Streit aus dem Jahr 1990. Damals war eine Ausstellung in der Kritik, die grafische Sadomaso-Fotos enthielt. Der Museumsdirektor wurde damals wegen vor Gericht gezerrt, weil er "obszönes Material" öffentlich zugänglich gemacht habe. Eine Jury sprach den Angeklagten schließlich frei. Damals drohte der republikanische Senator mit einem Kulturkampf "der Queers gegen die normalen Menschen". Auch er setzte sich erfolglos dafür ein, Subventionen an Museen zu verbieten, wenn diese "anstößige" oder "religionsfeindliche" Kunst zeigten. (dk)
Links zum Thema:
» Hide/Seek-Ausstellung















ausstellung 1962
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" in denen das hart verdiente Geld der Amerikaner ausgegeben wird", erklärte Boehner."
gestern im tv*
gore vidal: wie wir wissen, ist der patriotismus die letzte zuflucht der halunken, der großen halunken...
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BR - Die Akte "USA gegen John Lennon"