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  • 17. Dezember 2010 60 2 Min.

Papst Benedikt XVI. bei einem USA-Besuch 2008 (Bild: White House Photo by Shealah Craighead)

Papst Benedikt XVI. soll im September 2011 eine Rede im Bundestag halten. Der LSVD ist entsetzt über den "Kniefall vor einem Religionsführer".

Bundestags­präsident Norbert Lammert (CDU) erklärte am Donnerstag, der Papst habe seine Einladung angenommen, eine Rede im deutschen Parlament zu halten. Für den Lesben- und Schwulenverband ist das ein Sündenfall: "Die Einladung des Papstes in den Deutschen Bundestag ist völlig unverständlich", sagte LSVD-Sprecher Manfred Bruns. "Der Bundestag macht damit einen Kniefall vor einem Religionsführer, der keinen Zweifel daran lässt, dass er wesentliche Grundlagen unserer Verfassungsordnung wie Gleichberechtigung und Diskriminierungs­verbot ablehnt." Damit würde im deutschen Parlament eine "Bühne für Homophobie" geboten.

Erst letzten Monat wurde ein Buch veröffentlicht, in dem der Papst erklärte, dass der christliche Gott Homosexualität ablehne (queer.de berichtete). Zudem hat Benedikt XVI. die Einführung von eingetragenen Lebenspartnerschaften als "Legalisierung des Bösen" verschmäht. "Er verneint die Gewissenfreiheit von katholischen Abgeordneten, wenn er ihnen ultimative Befehle zum Abstimmungsverhalten über gleich­geschlechtliche Partnerschaften gibt", befürchtet Bruns.

LSVD empfiehlt Besuch des Homo-Denkmals in Berlin

Statt in den Bundestag sollte der Papst bei seiner Berlin-Visite zu einem Besuch des Denkmals für die im Nationalsozialisten verfolgten Homosexuellen eingeladen werden, empfiehlt Bruns. "Das wäre der richtige Ort, endlich die längst überfällige Entschuldigung für die jahrhundertelangen Verbrechen der Katholischen Kirche an Homosexuellen auszusprechen".

Grüne: Kein Konsens bei Papstbesuch

Laut Bundestagspräsident Lammert hätten alle fünf Partei- und Fraktionsführungen "Signale der Zustimmung" für die Papstrede übersandt. Dagegen verwehren sich nun als bislang einzige Partei die Grünen. Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck erklärte, es gebe "kein Einvernehmen" mit seiner Fraktion. Er kritisierte, dass der Papst in erster Linie kein Staatsoberhaupt, sondern Chef einer Religionsgemeinschaft sei. Die Union wies diese Vorwürfe zurück: "Jetzt ist die Dagegen-Partei auch noch gegen den Papst", sagte süffisant der CDU-Abgeordnete Thomas Strobl gegenüber der "Stuttgarter Zeitung". (dk)

Bei Facebook regt sich Widerstand: Die Gruppe "Keine Rede vom Papst im Bundestag" wehrt sich gegen die Einladung von Norbert Lammert.

Wöchentliche Umfrage

» Soll der Papst vor dem Bundestag reden?
    Ergebnis der Umfrage vom 18.12.2010 bis 27.12.2010
-w-

#1 casihhAnonym
  • 17.12.2010, 12:50h
  • "Jetzt ist die Dagegen-Partei auch noch gegen den Papst", sagte süffisant der CDU-Abgeordnete Thomas Strobl gegenüber der "Stuttgarter Zeitung".

    Und das ist auch gut so!
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#2 KlofrauAnonym
  • 17.12.2010, 13:06h
  • Antwort auf #1 von casihh
  • Ich habe auch gerade bei Facebook ein "gefällt mir" für diese papstkritische Aktion gesetzt.

    Aber ich weiß, wie es enden wird: Die einzigen, die sich weiterhin gegen die Rede des Papstes im Bundestag stellen werden, sind die Grünen (und bei denen auch nicht alle, da es einige Grüne gibt, die Mitglied der katholischen Kirche sind).

    Nach der Papstrede (die höchstwahrscheinlich keine Anti-Homo-Elemente enthalten wird, denn ganz blöd ist auch Benedikta nicht) werden sich dann die Medien landauf, landab in ihrer Papst-Lobhudelei zu übertreffen suchen. Quer durch alle Gazetten werden "Benedetto!"-Rufe schallen, man schreibt sich in eine unkritische Euphorie hinein, die ihresgleichen suchen wird.

    Und wer es wagt, gegen diese papstfreundliche Besoffenheit auch nur den Hauch einer kritischen Stimme zu erheben, wird sofort plattgemacht. Und ihm wird im gleichen Atemzug unterstellt, ein Spielverderber zu sein, einer, der dem armen alten Papst nichts gönnen möchte. Man wird ihm vorwerfen, sowieso gegen alles zu sein.

    Wer weiß: Vielleicht ist bis dahin die Wählergunst für die Grünen tatsächlich verpufft (in den Umfragen verlieren sie neuerdings wieder Prozent um Prozent), und die uckermärkische Knopfleiste reüssiert wieder mit eiskaltem Grinsen.

    Wahrscheinlich wird sie den Pipifex Minimus höchstselbst mit Kniefall und Ringkuss empfangen. Vollverschleiert, selbstredend, denn eine Frau hat ihr Haupt zu verdecken. Wobei, "Frau" ... *brüll*
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#3 eMANcipation*Anonym
  • 17.12.2010, 13:06h
  • Antwort auf #1 von casihh
  • Es ist schon erstaunlich, wie in einem Land, in dessen Geschichte es immer wieder dringend einer starken DAGEGEN-Bewegung bedurft hätte,

    neuerdings wieder mit solchen dümmlichen Parolen zu punkten versucht wird!

    Ich bin stolz darauf, gegen Angriffe auf die demokratische Verfassung zu sein, gegen die Verschwendung von Milliarden Steuergeldern zu Lasten der Allgemeinheit und allein zur Bedienung der Sonderinteressen kapitalkräftiger Gruppen!
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