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- 06. Januar 2011 2 Min.
Eines muss man "Bild" lassen, ihre Redakteure sind fast so erfinderisch bei ihren Überschriften wie die "taz". Die Monatszeitschrift "Männer" als "Schniedel-Magazin" zu titulieren, erregt Aufsehen. Ansonsten ist der Aufreger aber doch eher heiße Luft.
NRW-Landesmutti Hannelore Kraft gab dem beim Berliner Gmünder-Verlag erscheinenden Magazin ein Interview und plauderte über den Aktionsplan der rot-grünen Landesregierung gegen die Diskriminierung von Schwulen und Lesben. Die Januarausgabe ist erschienen und nun scheint kein Mensch im Büro der Landeschefin geahnt zu haben, in welchem Umfeld der Text erscheint. Vermutet zumindest Bild und zitiert einen Sprecher: "Die anderen Beiträge in dem Blatt waren uns zu dem Zeitpunkt nicht bekannt."
Das Boulevardblatt echauffiert sich: "In Wort und Bild geht's dort alles andere als jugendfrei ab. Mehrfach sind Genitalien zu sehen, auch Männer, die mit ihren Samenergüssen spielen. [...] Noch offener sind nur die Fotos von Pornostars beim Oralverkehr." Nach solch interessanten Versprechungen haben wir natürlich in der Redaktion das frei im Bahnhofsbuchhandel erhältliche Magazin nochmal von vorne bis hinten durchsucht und waren schwer enttäuscht: Keine Männer, die mit ihrem Sperma spielen, und die wenigen sichtbaren Genitalien folgen den Gesetzen der Schwerkraft: sie hängen nach unten. Dafür gibt es einen Artikel über das Werk des Künstlers Larry Clark, in dem es unter anderem über die Definition von "Jugendgefährdung" geht.
Also wenn jetzt Hannelore Kraft beim Oralverkehr mit den Pornostars und anschließenden Spermaspielen abgelichtet worden wäre, dann hätten wir die Aufregung verstanden. So müssen wir vermuten, dass in der "Männer"-Redaktion jemand sitzt, der einen befreundeten Kollegen in der "Bild"-Redaktion dazu hat animieren können, dass das Tittenblatt einen schönen PR-Aufreger um das Schniedel-Magazin lanciert. (cs)















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