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- 10. Januar 2011 2 Min.

Raddatz nannte seine Autobiographie vor einigen Jahren "Unruhestifter"
In einem Debattenbeitrag im aktuellen "Focus" hat der Literaturkritiker Fritz J. Raddatz die These aufgestellt, dass "der deutsche Spießer" nur erfolgreichen Homosexuellen ihre Neigung "verzeihe".
Hat ein Politiker Erfolg, "dann ist er (...) zuerst einmal Bürgermeister; und dann, wer weiß, vielleicht auch schwul", so der selbst schwule Raddatz. "Hat ein Politiker den nachweisbaren, mit seinen Vorgängern vergleichbaren Erfolg nicht - dann ist er zuerst einmal schwul, und dann vielleicht noch, leider, Außenminister."
Das zeige auch die Geschichte: schwule Künstler seien akzeptiert worden, unbekannte Schwule nicht. Schnell zeige sich Homophobie und auch eine "recht verquere Form von Neid: Der lebt sein Leben so frei; und ich?" Zwar habe Westerwelle Fehler gemacht, aber nicht mehr als andere. Medien und Bevölkerung legten daher bei ihm zweierlei Maß an, so Raddatz.
22 Prozent haben ein Problem mit Westerwelles Homosexualität

Was ist das Problem mit diesem Mann? (Bild: dirk@vorderstrasse.de / flickr / by-sa 2.0)
Dazu passend gaben in einer Umfrage des "Focus" 75 Prozent der Befragten an, die "offen gelebte Homosexualität" Westerwelles sei "kein Problem bei seiner Amtsführung"; 22 Prozent sahen hingegen ein Problem, der Rest war unentschlossen. In einem Interview des Magazins mit Westerwelle wurde das Thema nicht angesprochen.
Dabei haben auch Queer.de-Leser eher gemische Gefühle zu Guido Westerwelle. So waren in den Kommentaren zu einem Standpunkt die meisten nicht der Überzeugung, die Kritik an den Reisen des Außenministers mit seinem Lebensgefährten habe etwas mit Homophobie zu tun. Und im gerade begonnenen Wochen-Voting, wer der nervigste Schwule ist, liegt der FDP-Parteichef bereits mit Riesenabstand vorne.
"WAZ" nicht überzeugt
In der "WAZ" vom Dienstag schreibt Chefredakteur Ulrich Reitz zu der These von Raddatz: "Dass Westerwelle schwul ist und das offen lebt, ist nicht der eigentliche Grund für seinen Niedergang. Es ist Westerwelles lautes, demonstratives, Marketing-getriebenes Auftreten."
Damit verletze er "über Parteigrenzen hinweg bürgerliches Stilempfinden". Die Schlussfolgerung von Reitz: "Nicht Westerwelles Schwulsein an sich, sondern das Schwulsein als integrativer Bestandteil eines insgesamt exzessiven Politikstils, das ist Westerwelles Problem. (...) Westerwelle wird nicht gestürzt, er stürzt sich selbst." (nb)














