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  • 10. Januar 2011 67 2 Min.

Raddatz nannte seine Autobiographie vor einigen Jahren "Unruhestifter"

In einem Debattenbeitrag im aktuellen "Focus" hat der Literaturkritiker Fritz J. Raddatz die These aufgestellt, dass "der deutsche Spießer" nur erfolgreichen Homo­sexuellen ihre Neigung "verzeihe".

Hat ein Politiker Erfolg, "dann ist er (...) zuerst einmal Bürgermeister; und dann, wer weiß, vielleicht auch schwul", so der selbst schwule Raddatz. "Hat ein Politiker den nachweisbaren, mit seinen Vorgängern vergleichbaren Erfolg nicht - dann ist er zuerst einmal schwul, und dann vielleicht noch, leider, Außenminister."

Das zeige auch die Geschichte: schwule Künstler seien akzeptiert worden, unbekannte Schwule nicht. Schnell zeige sich Homophobie und auch eine "recht verquere Form von Neid: Der lebt sein Leben so frei; und ich?" Zwar habe Westerwelle Fehler gemacht, aber nicht mehr als andere. Medien und Bevölkerung legten daher bei ihm zweierlei Maß an, so Raddatz.

22 Prozent haben ein Problem mit Westerwelles Homosexualität


Was ist das Problem mit diesem Mann? (Bild: dirk@vorderstrasse.de / flickr / by-sa 2.0)

Dazu passend gaben in einer Umfrage des "Focus" 75 Prozent der Befragten an, die "offen gelebte Homosexualität" Westerwelles sei "kein Problem bei seiner Amtsführung"; 22 Prozent sahen hingegen ein Problem, der Rest war unentschlossen. In einem Interview des Magazins mit Westerwelle wurde das Thema nicht angesprochen.

Dabei haben auch Queer.de-Leser eher gemische Gefühle zu Guido Westerwelle. So waren in den Kommentaren zu einem Standpunkt die meisten nicht der Überzeugung, die Kritik an den Reisen des Außenministers mit seinem Lebensgefährten habe etwas mit Homophobie zu tun. Und im gerade begonnenen Wochen-Voting, wer der nervigste Schwule ist, liegt der FDP-Parteichef bereits mit Riesenabstand vorne.

"WAZ" nicht überzeugt

In der "WAZ" vom Dienstag schreibt Chefredakteur Ulrich Reitz zu der These von Raddatz: "Dass Westerwelle schwul ist und das offen lebt, ist nicht der eigentliche Grund für seinen Niedergang. Es ist Westerwelles lautes, demonstratives, Marketing-getriebenes Auftreten."

Damit verletze er "über Parteigrenzen hinweg bürgerliches Stilempfinden". Die Schlussfolgerung von Reitz: "Nicht Westerwelles Schwulsein an sich, sondern das Schwulsein als integrativer Bestandteil eines insgesamt exzessiven Politikstils, das ist Westerwelles Problem. (...) Westerwelle wird nicht gestürzt, er stürzt sich selbst." (nb)

Wöchentliche Umfrage

» Welcher Schwule nervt am meisten?
    Ergebnis der Umfrage vom 10.1.2011 bis 17.1.2011
-w-

#1 GayreporterAnonym
  • 10.01.2011, 20:47h
  • Der Focus wird immer besser, er spricht das Thema wenigstens mal an im Gegensatz zum deutschen Medienmainstream. Ob das bei Westerwelle aber stimmt, glaube ich nicht. Der geht vielen eher auf die Nerven. Schweizer Medien (die haben oft eine bemerkenswert gute und neutrale Sicht auf Deutschland) haben das so geschrieben: Die Leute wollen ihn weghaben, weil er es gewagt hat, etwas in Frage zu stellen, was "ungeheuerlich" sei: die Beschneidung der sozialen Hängematte in Deutschland.
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#2 Jäcki65Anonym
  • 10.01.2011, 21:02h
  • Hubert Fichte, ein langjähriger Weggefährte Raddatz', drückte es mal so aus: "Die einzige Chance des Homosexuellen ist seine Brillanz." Und da Guido W. alles andere als brillant ist, fällt immer mehr meist Heterosexuellen zu ihm als erstes seine Homosexualität ein, da nennenswerte politische Erfolge nicht darstellbar sind. Und ein Politiker, der nicht trotz, sondern wegen seines Privatlebens erinnert wird, hat seine Glaubwürdigkeit bereits verloren.
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#3 erich mendeAnonym