https://queer.de/?13518
- 18. Januar 2011 2 Min.

Bei einer Anti-CSD-Demo in Stuttgart machen sich die Piusbrüder Gedanken um den Nachwuchs, der vor "Perversion" gerettet werden müsse. (Bild: Guido Klein)
Der saarländische Bildungsminister Klaus Kessler (Grüne) will zwei Saarbrücker Schulen der radikalkatholischen Piusbruderschaft schließen - und trifft auf Widerstand.
Kessler hat dem von der Priestervereinigung kontrollierten Don-Bosco-Schulverein die Betriebsgenehmigung zum 24. Januar entzogen. Die 61 betroffenen Grund- und Realschüler müssen sich daher eine neue Lehranstalt suchen. Kessler erklärte, dem Schulverein fehle die "erforderliche persönliche Zuverlässigkeit", um eine Schule zu leiten. Hintergrund ist die Schließung des Don-Bosco-Internats im vergangenen Jahr. Damals hatte das Bildungsministerium die Einrichtung geschlossen, weil 26 statt statt der genehmigten acht Internatsplätze besetzt wurden. Da sich der Schulverein hier über die Gesetze weggesetzt habe, bestehe auch in den anderen beiden Schulen eine "eine fortdauernde Gefährdung des Kindeswohls".
Die Pius-Bruderschaft ist in den letzten Jahren insbesondere durch ihre scharfe Rhetorik gegen Schwule und andere Minderheiten aufgefallen. So hat die 2009 von Papst Benedikt XVI. rehabilitierte Priestervereinigung wiederholt gegen den CSD in Stuttgart demonstriert (queer.de berichtete). Die Teilnehmer trugen Schilder mit Aufschriften wie "Rettet Kinder vor Perversion". Die Gläubigen fordern unter anderem die Wiedereinführung des Paragrafen 175 in der Fassung von 1935.
Auf Empörung stieß der britische Pius-Weihbischof Richard Williamson, der seit 1989 in Interviews den Holocaust leugnet. Williamson ist nach wie vor im Amt. Er wurde auch für sexistische Äußerungen kritisiert - etwa für die Aussage, dass höhere Bildung nichts für "richtige Mädchen" sei.
Streit geht vor Gericht - Etappensieg für Piusbrüder

Klaus Kessler ist seit November 2009 Bildungsminister in der saarländischen Jamaika-Koalition. Zuvor war er 17 Jahre lang Chef im saarländischen Landesverband der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. (Bild: Grüne Saarland)
Die Kirchenschulen, die sich zu rund 90 Prozent aus öffentlichen Mitteln finanzieren, wehren sich gegen ihre Schließung - und erzielten einen ersten Erfolg vor dem Verwaltungsgericht des Saarlands. Die Richter gaben einem Eilantrag der Piusbrüder statt und erlaubten der Schule, vorerst geöffnet zu bleiben. Es hätten keine Mängel festgestellt werden können, daher bestehe auch kein öffentliches Interesse an einer Schließung. Noch ist unklar, wie das Ministerium auf diese Entscheidung reagiert.
Im Internet fahren die Pius-Unterstützer bereits schweres Geschütz auf und bezeichnen den Vorgang als "erste Schulschließung in Deutschland seit der NS-Zeit". Die beiden Schulleiter erklärten in einer Pressemitteilung, dass linke Seilschaften aus Prinzip gegen die Schulen vorgehen wollten: "Es handelt sich ganz offensichtlich um eine politisch-ideologische Entscheidung, denn auch als GEW-Vorsitzender forderte der heutige Bildungsminister Kessler widerrechtlich den Entzug der Finanzmittel und sogar die Änderung des Privatschulgesetzes, nur um unsere Schulen schließen zu können", so Harald Messmer und Christian Schneider. (dk)














