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- 21. Januar 2011 2 Min.

Die Nachrichtenagentur idea gilt als Sprachrohr der evangelikalen Bewegung in Deutschland. Das Magazin "idea Spektrum" hat eine Druckauflage von über 30.000 Exemplaren (Bild: Screenshot)
Für Albrecht Fürst zu Castell-Castell, den Chef des ältesten protestantischen Adelsgeschlechts in Bayern, legitimiert die evangelische Kirche Sünde und provoziert Widerstand.
Castell-Castell kommentiert damit den innerkirchlichen Streit nach der der Entscheidung der bayerischen und mitteldeutschen Landeskirchen, homosexuelle Pfarrer mit ihrem Partner im Pfarrhaus wohnen zu lassen. Gegenüber der evangelischen Nachrichtenagentur idea sagte der Fürst, dass die Protestanten so die Schöpfung Gottes verletzten, weil "Mann und Frau zusammengehören und nicht Mann und Mann oder Frau und Frau".
Der 85-jährige Unternehmer, der 300 Mitarbeiter hauptsächlich im Bankensektor beschäftigt, fuhr harte Geschütze auf: So würde sich wegen der Entscheidung "wie im Dritten Reich der Widerstand in Form einer Art Bekennenden Kirche bilden". Die Bekennende Kirche hatte sich gegen die von den Nazis verordnete Gleichstellung gewehrt. Viele ihrer Mitglieder - wie etwa Hans Koch oder Dietrich Bonhoeffer - richteten die Nationalsozialisten hin.
Fürst: "Befreiung" von Homosexualität ist möglich
Castell-Castell gibt sich zudem als Anhänger der Ex-Gay-Idee zu erkennen. Es sei wissenschaftlich erwiesen, "dass eine große Zahl gleichgeschlechtlich empfindender Menschen von ihrer Neigung befreit werden möchte". Er verschweigt, dass alle führenden Psychologenverbände Konversionstherapien ablehnen, weil sexuelle Orientierung nicht verändert werden könne und solche Therapien zu psychologischen Problemen bis hin zum Selbstmord führten.
Die Diskussion innerhalb der evangelischen Kirche wurde von acht Altbischöfen gestartet, die die Akzeptanz von Homosexuellen als unbiblisch kritisierten (queer.de berichtete). Unterstützt wurden sie vom früheren bayerischen Ministerpräsidenten Günther Beckstein (queer.de berichtete).
In der "Zeit"-Beilage "Christ und Welt" haben dagegen acht Theologen die Öffnung ihrer Kirche gegenüber Schwulen und Lesben verteidigt. So erklärte Bernd Oberdorfer, Professor für Systematische Theologie in Augsburg, dass die evangelische Kirche "schon lange" nicht mehr behaupte, Sexualität sei nur dann natürlich, wenn sie die Möglichkeit der Fortpflanzung einschließt. Die Paderborner Theologie-Professorin Helga Kuhlmann erklärte, Homo-Kritiker hätten die Bibel missverstanden: "Die christliche Religion, in der Gott die Liebe und die Quelle der Liebe ist, gebietet Respekt vor allen, die sich lieben." (dk)














