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- 22. Januar 2011 3 Min.

Offen oder monogam - Eine wichtige Frage für jedes Paar (Bild: combust / flickr / by 2.0)
Happy Together - Die Beziehungsserie auf queer.de (Teil 2). Finde die Lebensweise, die wirklich zu Dir passt.
Von Carsten Weidemann
In den amerikanischen Liebeskomödien ist die Lage in der Regel immer eindeutig. Da sind zwei Männer und eine Frau (oder ein Mann und zwei Frauen), es gibt heftige Verwirrungen der Gefühle, aber am Ende entscheidet sich der/die eine für den/die Andere/n. Immer! Und in den Liebesdramen geht der Mann mit einer anderen fremd, verheimlicht es der Ehefrau, die findet es aber heraus. Immer! Es folgen entweder blutige Rache (US-Blockbuster) oder endlose Dialoge (französischer Regisseur). Die Filme, die nach diesem Schema "Ich suche die ewige Liebe, und wehe Du gehst fremd" funktionieren, sind unterhaltsam. Jedoch die schwule Lebenswelt sieht ein wenig komplexer aus.
Mr. Right suchen wir zwar alle, doch wenn wir ihn erst mal gefunden haben, muss eine wesentliche Frage einvernehmlich beantwortet werden: Wie halten wir es mit der Treue? Und wo fängt das Fremdgehen an? Ist entsprechend die Beziehung eher eine monogame oder eine offene? Einer, der sich auskennt in Liebesdingen, dass ist der Schlägersänger Stephan Runge. "Fremdgehen ist ein seltsamer Begriff", meint er. Treue mache er nicht allein an Sexualität fest. Er plädiert dafür, lieber vom "Vertrautgehen" zu sprechen. Tobias Bonn von den Pfister Sisters schlägt in eine ähnliche Kerbe: "Ich find's auch immer wieder schön, wenn mein Mann nach dem Fremdgehen nach Hause kommt..."
Sexuelle Treue oder treu im Herzen?
Sex und Liebe, das sind zwei Dinge, die man voneinander trennen können muss, soll es mit der offenen Beziehung funktionieren. Wer dagegen beides als untrennbare Einheit begreift, für den ist ein geschlossenes Lebensmodell besser. Der Berliner Soziologe Michael Bochow ist der schwule Sexexperte der Republik. Seine seit 1991 durchgeführten Befragungen zeichnen ein recht genaues Bild vom Liebesleben der Gay Community in Deutschland. So lebt die Hälfte der zuletzt 2007 Befragten in einer festen Beziehung. Davon wiederum 45 Prozent in einer offenen, 55 Prozent in einer als monogam bezeichneten Beziehung. "Allerdings", so wundert sich Bochow, "geben 17 Prozent der befragten Männer in einer solchen monogamen Partnerschaft an, in den zwölf Monaten vor der Befragung zwei bis fünf, und zwei Prozent mehr als fünf Sexualpartner gehabt zu haben". Dieser Sex hat also außerhalb stattgefunden, während die monogame Partnerschaft bestand.
Wie das?. Vielleicht hatte man dazu zunächst gar keine Vereinbarungen getroffen. Oder man wechselte zwischendurch von einem offenen zu einem monogamen Modell. Natürlich ist es auch denkbar, dass das mit der sexuellen Treue nicht ganz so ernst genommen und heimlich woanders "genascht" wird. Noch ein paar interessante Aspekte der letzten Bochowstudie: Die Landliebe eignet sich eher für das monogame Modell. Großstädter leben häufiger in offenen Beziehungen. Je älter die Beziehungspartner und je länger die Dauer der Beziehung, desto häufiger lebt man offen.
Neben der Statistik zeigt die Lebenserfahrung vieler schwuler Paare: Vertrauen in die Liebe des Partners ist das wichtigste Element für jegliches Modell. Eifersucht, Unsicherheit und mitunter auch Neid gefährden diese Balance. Absprachen, die man bezüglich Sex und Liebe inner- wie außerhalb der Beziehung miteinander trifft, sollten eindeutig und für alle Beteiligten einhaltbar sein. Und Bedürfnisse ändern sich im Laufe der Zeit. Redet darüber offen, damit ihr Euch vertraut bleibt.














