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- 23. Januar 2011 2 Min.

Der 16-jährige Jan-Hendrik aus Dortmund ist ein lustiger Typ, der mit Wonne seine tuntig-schwule Exaltiertheit auslebt. Seine besten Freundinnen sehen ihn schon als das neue "It-Girl", sie finden ihn unterhaltsam. Das ist alles prima, denn so selbstbewusst gelingen Coming-out und Selbstfindung wesentlich besser, als wenn sich jemand verdruckst und versteckt verhält. Doch leider fehlt dem jungen Mann eine kritische Stimme an der Seite, die ihn davor warnt, sich selbst zu überschätzen. Genau deswegen landete Jan-Hendrik am vergangenen Samstag bei RTL im Fleischwolf des aktuellen Castings von "Deutschland sucht den Superstar" und löste bei den Zuschauern ordentliches Fremdschämen aus.
"Eigentlich war ich heute gut genug" schätzt sich der 16-jährige nach schrägem Ausdrucktanz und noch schrägerem Gesang selbst ein. "Du hast dich volle Kanone blamiert", widerspricht Dieter Bohlen. Jury-Mitglied Fernanda Brandao ist knallhart ehrlich: "Es war teilweise witzig, aber weil ich über dich gelacht habe. Eigentlich tue ich das nicht gerne". Patrick Nuo wird richtig böse: "Du musst deinen Spiegel zuhause reparieren." Bohlen freut sich: "Endlich bin ich mal nicht das Arschloch".
Es gehört zum Konzept der Show, sich über die Kandidaten bei Bedarf lustig zu machen. Die Zuschauer genießen ihre Schadenfreude ("Selbst schuld, wenn sich jemand so vorführen lässt"). Die Kandidaten dagegen nehmen für ein paar Minuten TV-Ruhm auch schon mal die Zerstörung ihres Egos in Kauf. Ganz so böse wie noch vor zwei Jahren ist man aber inzwischen nicht mehr beim Sender und vor allem beim manipulierenden Zusammenschnitt der Castingszenen. Es gab zu viele Beschwerden von Zuschauern und Verantwortlichen in den Medien, was den Sender zum Einlenken brachte.















Zur Abgrenzung. Zur Stigmatisierung.
Die ach so geile heterosexistische und -pornographisierte Bilderflut braucht ab und zu ja ihre "Kontrapunkte", um sich ihrer Überlegenheit zu vergewissern.
GROSSMANN (2000): Prä-homosexuelle Kindheiten.
"[Die] Jungen, die sich in der Kindheit und Jugend geschlechtsrollenkonfom verhalten, mußten mehrheitlich einen längeren Weg gehen, ehe sie sich selbst als homosexuell identifizierten und sich trauten, dieses offen zu leben.
[...]
Bewußt homosexuelle Kontakte gibt es
bei ihnen erst ab der ersten Hälfte der Zwanziger. Bis zum Alter von 22 Jahren war sich die Hälfte der ‘harten Jungen’ über ihre sexuelle Orientierung im Klaren, eine Kontaktaufnahme mit anderen und ein Coming Out gegenüber dem sozialen Umfeld erfolgte i.d.R. erst in der zweiten Hälfte der Zwanziger. Bei einzelnen wissen die Eltern bis heute nichts von ihrer Homosexualität."
www2.sub.uni-hamburg.de/opus/volltexte/2000/175/
Und das soll auch unbedingt so bleiben!