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- 28. Januar 2011 4 Min.

David Kato
Der Mord am ugandischen Homo-Aktivisten David Kato hat weltweit Entsetzen ausgelöst. Update (s.u.): Bei seiner Beerdigung kam es zu einem Eklat.
Kato von der Homo-Gruppe Sexual Minorities Uganda (SMUG) war am Mittwoch von einem Unbekannten in seiner eigenen Wohnung erschlagen worden (queer.de berichtete). Spitzenpolitiker aus westlichen Ländern erklärten, die Regierung in Uganda trage mit ihrer homophoben Gesetzgebung eine Mitschuld am Mord des Oberstufenlehrers. Auch die Debatte über die Einführung der Todesstrafe für Homosexualität trage zum rauen Klima bei.
Jerzy Buzek, der Präsident des Europäischen Parlaments, rief Uganda dazu auf, Menschenrechtsverletzungen gegen Schwule und Lesben zu beenden. Der polnische Konservative erinnerte daran, dass Straßburg Uganda bereits 2009 aufgefordert hatte, Homosexualität zu entkriminalisieren (queer.de berichtete). Buzek würdigte den Einsatz des Getöteten: "David Kato war ein Mann, der für die Rechte der Bürger gekämpft hat, frei in Uganda zu leben - und zwar unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung", sagte Buzek. Er bezeichnete Kato als "außergewöhnlichen Kämpfer für Menschenrechte und forderte "dass die Verantwortlichen für diese Tat zur Rechenschaft gezogen zu werden."
Auch Obama meldet sich zu Wort

US-Präsident Barack Obama
US-Präsident Barack Obama zeigte sich von der Tat geschockt und würdigte die Arbeit von Menschenrechtsaktivisten, die in ihrem Heimatland mit der Arbeit ihr Leben riskieren: "Meine Regierung wird weiterhin Menschenrechtsarbeit zugunsten von Schwulen, Lesben, Bi- und Transsexuellen unterstützen. Wir wissen, wie gefährlich die Arbeit von Anführern wie David Kato ist. Wir setzen uns wie diese Anführer dafür ein, Freiheit, Fairness und Gleichberechtigung für alle zu erreichen." US-Außenministerin Hillary Clinton betonte, dass es für die internationale Gemeinschaft wichtig sei, laut gegen Menschenrechtsverletzungen aufgrund der sexuellen Orientierung zu protestieren.
Während bei der amerikanischen Regierung die wichtigsten Politiker zu dem Vorfall Stellung nehmen, spricht für die deutsche Regierungskoalition die zweite Reihe, angeführt von Marina Schuster, ihres Zeichens Bundestagsabgeordnete, Afrika-Expertin und Vorsitzende des mittelfränkischen FDP-Kreisverbandes Roth. Sie verurteilte die Tat und sieht sie als "Folge der homophoben Stimmung in der ugandischen Gesellschaft, die zum Teil von der ugandischen Regierung, aber auch von US-Evangelikalen selbst befördert wird." Die 35-Jährige spielt damit auf die großen Erfolge von amerikanischen Missionaren in dem vorwiegend katholischen und anglikanischen Land an, die eine noch härtere Gangart gegenüber Homosexuellen fordern.
In einer ersten Stellungnahme nannte es die Polizei von Kampala "unwahrscheinlich", dass Kato aus Homophobie umgebracht worden sei. Vielmehr habe es sich um einen "normalen" Raubmord gehandelt. Homo-Aktivisten haben jedoch in der Vergangenheit immer wieder beklagt, dass die Behörden den Mord an Schwulen oder Lesben nur widerwillig verfolgt. Kato war einer der Aktivisten, die bei einer Outing-Kampagne der Zeitung "Rolling Stone" abgebildet wurden - auf der Titelseite stand zu dem Artikel die Aufforderung: "Hang Them!" (Hängt sie!).
Gedenkveranstaltung in Berlin
Die Ökumenische Rogate-Initiative will am Samstag von der ugandischen Botschaft ihre Anteilnahme für den Mord zum Ausdruck bringen. Sie rufen dazu auf, sich um 15 Uhr in der Axel-Springer-Straße 54 einzufinden. Neben einer gemeinsamen Trauerminute soll ein Gebet zum Schutz von Menschenrechtsaktivisten ausgesprochen werden (Alle Infos hier). (dk)
Nachtrag, 20.20h Mehreren Nachrichtenmedien berichten von einem Eklat bei der Beerdigung Katos in Namirembe, an der am Freitag rund 300 Menschen teilnahmen, darunter rund 100 Schwule und Lesben sowie Mitarbeiter der Vereinten Nationen und einiger Botschaften. Der anglikanische Priester, der die Beerdigung leitete, beschimpfte Schwule als verdorben und sündig, unter Beifall von Bewohnern des Dorfes. Es kam zu Rangeleien zwischen den Gruppen, als Schwule versuchten, den Priester von weiteren Worten abzuhalten. Er wurde später von der Polizei vom Ort entfernt. Da sich die Einheimischen weigerten, den Sarg zu tragen, wurde Kato letztlich von seinen Freunden zu Grabe getragen. Einen Bericht mit Video zur Beerdigung bietet France 24.
Zum Mord an David Kato gibt es inzwischen weitere Stellungnahmen, von Volker Beck und vom Menschenrechtsbeauftragten der Bundesregierung, Markus Löning. Von der zerstrittenen anglikanischen Kirche meldete sich auch ihr Anführer Dr Rowan Williams, der Erzbischof von Canterbury, zu Wort. (cw)
Update, 29.1., 20h Bilder und Eindrücke von der Gedenkveranstaltung vor der Botschaft Ugandas in Berlin gibt es auf der Webseite der Ökumenischen Rogate-Initiative.















Was an Homophobie abgeht auf der Welt interessiert in Deutschland nur die Homosexuellen selber, die anderen erkennen die sich zuspitzende Situation nicht mal! Es ist zum kotzen das sich kaum ein hochrangiger deutscher Politiker öffentlich speziell zum Thema Homophobie äußert, während die Themen Diskriminierung von Frauen oder Fremdenfeindlichkeit als spezielles Thema diskutiert werden. Zum kotzen, das es Aktionen mit Prominenten wie "It´s getting better" in Deutschland nicht gibt und zum kotzen, das so viele erwachsene schwule Männer in Politik, Sport und Medien ihre Homosexualität aus Geld und PR Gründen verleugnen, während Menschen wie David Kato so viel Mumm und Stärke haben sich in ihrem Land trotz Lebensgefahr öffentlich zu bekennen.