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- 29. Januar 2011 2 Min.

Für das Schwule Netzwerk NRW hat sich Hannelore Kraft bereits "um die Belange schwul-lesbischer Emanzipation verdient gemacht" (Bild: xtranews.de / flickr / by 2.0)
NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft bekommt in diesem Jahr zum Kölner CSD die Kompassnadel des Schwulen Netzwerks verliehen - wofür eigentlich?
Sie ist gerade mal ein halbes Jahr im Amt - und schon bekommt sie die höchste Homo-Auszeichnung der Republik: Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) erhält zum Kölner CSD die Kompassnadel des Schwulen Netzwerks NRW. Dies kündigte der Landesverband der schwulen Selbsthilfe jüngst auf seinem Neujahrsempfang an.
Warum denn Hannelore Kraft? Mit seiner Entscheidung für die rot-grüne Regierungschefin wandelt das Schwule Netzwerk auf den Pfaden des Nobel-Komitees in Oslo, das seinen Friedenspreis an US-Präsident Barack Obama ebenfalls nicht für vollbrachte Taten, sondern allein für vollmundige Ankündigungen verliehen hat. Natürlich sind die meisten Gruppen und Vereine in NRW froh, dass die ignorante Vorgänger-Regierung von Jürgen Rüttgers abtreten musste. Auch kann sich der Koalitionsvertrag von SPD und Grünen in homopolitischer Hinsicht durchaus sehen lassen - bilanziert und gegebenenfalls gelobt werden sollte jedoch am Ende der Legislaturperiode. Bislang wurde von Rot-Grün noch nicht einmal die Gleichstellung der eingetragenen Lebenspartnerschaften auf den Weg gebracht.
"Und außerdem ist sie eine tolle Frau"
Alexander Popp, der Geschäftsführer des Schwulen Netzwerks, nannte auf queer.de-Nachfrage als "Hauptgrund" für die Verleihung an Hannelore Kraft den NRW-"Aktionsplan gegen Homophobie", außerdem sei die Ministerpräsidentin eine "tolle Frau". Letzteres ist unbestritten, jedoch wahrlich keine Qualifikation für die schwule Ehrennadel. Und vom besagten Aktionsplan existiert bislang nichts weiter als eine Expertengruppe mit Vertretern aus Politik, Ministerien und Verbänden, die bis Ende diesen Jahres das Vorgehen der Regierung überhaupt erst mal planen soll.
Rita Süssmuth, Hans W. Geißendörfer, Volker Beck oder selbst Theo Zwanziger haben sich die Kompassnadel in den Vorjahren redlich verdient - Hannelore Kraft (noch) nicht. Von einem Träger dieser hohen Auszeichnung sollte mehr zu erwarten sein als nur warme Worte zu den homosexuellen Mitbürgern und hier und da eine Schirmherrschaft über einen CSD.
Mit seiner zu frühen Entscheidung für die NRW-Ministerpräsidentin hat sich das Schwule Netzwerk keinen Gefallen getan. Zum einen bleibt ein unangenehmes "Geschmäckle" von Klüngel und plumper Anbiederung an diejenigen, an deren finanziellem Tropf man hängt. Zum anderen verliert die einst kraftvolle Auszeichnung durch die neue Beliebigkeit an Gewicht.
Links zum Thema:
» Mehr Infos zur Kompassnadel
» Homepage von Hannelore Kraft










Davon abgesehen gibt es in Deutschland nicht viel Auswahl an Personen für solche Auszeichnungen. Leider