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  • 02. Februar 2011 146 4 Min.

Die Kieler Universität hat viele Fragen

Eine vom Berliner Senat geförderte Online-Studie fragt ab, wie ängstlich man gegenüber bestimmten Personengruppen ist. Und ob Muslimen die Zuwanderung untersagt werden sollte.

Von Norbert Blech

Die "Landesstelle für Gleich­behandlung - gegen Diskriminierung" des Berliner Senats hat am Mittwoch eine von ihr geförderte Online-Umfrage vorgestellt, in der bundesweit Schwule und Lesben und "andere nicht-heterosexuelle Frauen und Männer (einschließlich Trans*-Personen)" zu ihren Erfahrungen befragt werden sollen.

Die anonyme Studie wird durchgeführt von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel unter der Leitung von Professor Bernd Simon (Lehrstuhl für Sozialpsychologie und Politische Psychologie). Wer sich die Viertelstunde Zeit nimmt, kann an einer Verlosung von fünf Mal 50 Euro teilnehmen, zudem werden 2 Euro an eine auswählbare Organsation gespendet (LSVD und Hirschfeld-Eddy-Stiftung sind die Voreinstellung).

Erste Ergebnisse sollen Ende des Jahres vorliegen. Titel der Studie: "Akzeptanz sexueller Vielfalt in Deutschland". Doch wer etwa Fragen zu seinem Arbeitsplatz oder zur Regierung erwartet, wird enttäuscht: Ein Großteil des Fragebogens kümmert sich nur um das Feld der vermeintlich homophoben Muslime.

Es beginnt noch eher harmlos, mit der Frage: "Wie sehr sind Ihrer Meinung nach die folgenden Gruppen bzw. Institutionen in Deutschland bereit, Homosexualität und andere Formen sexueller Vielfalt zu respektieren?" Gefragt wird einzeln wie bemerkenswert allgemein nach Polizisten, Fußballfans, Neonazis, katholischen und evangelischen Christen, Muslimen und Personen mit russischem, türkischem und arabischen Migrationshintergrund.

"Nervös" an der Bushaltestelle

Man darf dann auch angeben, ob und wie oft man Vertreter dieser Gruppen trifft oder gar zum Freund hat (nicht gefragt wird, ob man selbst zu einer der Gruppen gehört, an anderer Stelle wird allerdings ein möglicher Migrations- und Religionshiontergrund der ausfüllenden Person abgeklopft). Nächste Frage: Wie würde man sich fühlen, träfe man eine dieser Gruppen etwa an einer Bushaltestelle - zur Auswahl stehen unter anderem "selbstbewusst", aber auch "unwohl" und "nervös".

Nun ist es eher unwahrscheinlich, dass Schwule in Panik geraten, wenn sie mit Besuchern eines katholischen Gottesdienstes an einer Bushaltestelle stehen. Sie könnten sich bei deutschen, angetrunkenen Jugendlichen nachts unwohl fühlen, aber nach solchen Gruppen wird genausowenig gefragt wie nach konkreteren, individuelleren Situationen.

Und während andere Gruppen wie Neonazis später nicht mehr vorkommen, kommt der Fragebogen nach der Abfrage der Zustimmung zu rätselhaften Law-and-Order-Thesen ("Die gesellschaftliche Ordnung muss gegen ihre Feinde konsequent verteidigt werden", "Die Jugend braucht klare Vorgaben und Regeln") zum Hauptthema: Muslimische Zuwanderer.

Da stehen unter anderem folgende Thesen zur Zustimmung bereit: "Wenn Zuwanderer nicht bereit sind, die Rechte von Lesben und Schwulen in Deutschland zu achten, sollten sie unser Land wieder verlassen". Und: "Den Islam in Deutschland zu akzeptieren ist gleichbedeutend mit gesellschaftlichem Rückschritt." Man darf auch abstimmen, ob man sich "wie ein Fremder im eigenen Land" fühlt und ob Muslimen "die Zuwanderung nach Deutschland untersagt werden" solle.

Das alles klingt nach Sarrazin - oder "Politically Incorrect". Selbst deren These vom "Gutmenschentum" hat es indirekt in den Fragebogen gebracht: Es wird auch abgefragt, ob Schwule und Lesben bei "ihren Forderungen nach Gleichberechtigung und Anerkennung (...) mehr Rücksicht auf die Gefühle und Wertvorstellungen der hier lebenden Muslime nehmen" sollten.

Respekt schaffen


Die Webseite der Landesstelle

Die Online-Umfrage soll "zur Entwicklung von zielgerichteten Maßnahmen zur Förderung des Dialogs und des gegenseitigen Respekts beitragen", schreibt die Landesstelle in einer Pressemitteilung. Wie Respekt geschaffen werden soll, wenn alle Muslime wieder grundsätzlich und ziemlich allein unter Homophobie-Verdacht gestellt werden, ist dabei schleierhaft.

Was diese Befragung wissenschaftlich bringen soll, ebenfalls. Vielleicht kommt raus, dass Schwule nicht so islamophob sind, wie man denkt, was zu begrüßen wäre. Doch eher steht zu befürchten, dass es neue Schlagzeilen über vermeintlich homophobe Muslime geben wird.

Eine entsprechende Debatte wird vor allem in der Hauptstadt seit Jahren geführt, angeheizt mit Statistiken, Umfragen und Pressemitteilungen des Schwulen Überfalltelefons Maneo. Dass diese Statistiken nicht sonderlich aussagekräftig sind, dass rechte Blogs zu ihrer Manipulation aufriefen und dass trotzdem der Großteil der anti-schwulen Gewalt auf das Konto von Personen ohne Migrationshintergrund geht, spielte dabei keine Rolle.

Die neue Umfrage, in der es nur noch um ein subjektives Bedrohungsempfinden geht, wird diese Debatte weiter anheizen. Und von Lösungen ablenken.

-w-

#1 Prime_EvilEhemaliges Profil
  • 02.02.2011, 20:13h
  • Nun, was Mohammedaner über Schwule denken, wird ja deutlich wenn man den kürzlich hier veröffentlichten Artikel über einen New Yorker Imam liest. Der wohl noch als "liberal" zu bezeichnen ist.

    Wenn Schwule sich für die Rechte von Mohammedanern einsetzen, sehe ich vor meinem inneren Auge rosa Puschel-Schäfchen, die aus lauter politischer Korrektheit, vor ein Wolfsrudel springen und ihre Weltverbesser-Weisheiten hinausblöken. Es scheint also unter Schwulen eine beträchtliche Anzahl von Masochisten zu geben. Anders kann man das nicht erklären.

    Selbstverständlich sollte man Mohammedaner und Neo-Nationalsozialisten, trotz einiger Schnittpunkte in ihren Weltbildern, nicht miteinander vergleichen.

    Aber eines sollte doch wohl klar sein: Europa bedeutet Humanismus, Aufklärung, Menschenrechte, Rechtsstaatlichkeit, Liberalismus etc. und wem das nicht passt, der bleibt bitte draußen; wir haben genug eigene Fanatiker (Meisner), da müssen wir sie nicht auch noch importieren.
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#2 BCAnonym
  • 02.02.2011, 20:18h
  • Man müsste sich mal die Zeit nehmen und den Fragebogen selbst durchgehen...

    Aber wenn es wirklich so läuft wie hier skizziert, dann ist es wieder ein erschreckendes Beispiel für eine Statistik, deren Ergebnis im Vorfeld festgelegt wurde.

    (Und sollte doch ein anderes Ergebnis herauskommen, wird sie wohl eher nicht veröffentlicht werden und im Sande verschwinden.)
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#3 SamuelAnonym
  • 02.02.2011, 20:27h
  • Moslems können gar nicht homophob sein, weil die politische Linke das nun mal so beschlossen hat. Ende der Diskussion!
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