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- 10. Februar 2011 2 Min.

Israel gilt als mit Abstand homofreundlichstes Land im Nahen Osten
Ein 27-jähriger Deutscher, der seinen Partner bei einem Anschlag auf einen Tel Aviver Coming-out-Treff 2009 verloren hatte, soll nun aus Israel ausgewiesen werden. (Nachtrag: nach Protesten haben die Behörden eingelenkt, s.u.)
Thomas Schmidt lebt seit 2004 in Israel und hat 2008 seine Partnerschaft mit dem Israeli Nir Katz bei den Behörden registriert. Dadurch erhielt er eine Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis. Ein Jahr später starb Katz im Alter von 26 Jahren bei dem Anschlag, der von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu als "Terrorismus" bezeichnet wurde (queer.de berichtete).
Mit dem Tod seines Partner erlosch auch Schmidts Aufenthaltsgenehmigung. Die Mutter von Katz, die den Deutschen in ihre Familie aufgenommen hatte, appellierte daraufhin an das Innenministerium, ihren Schwiegersohn nicht auszuweisen: "Für uns ist Schmidt ein Teil der Familie", so Ayala Katz. Die Beamten verlängerten zunächst sein Visum um neun Monate, zeigen sich nun aber hartherzig: Schmidt muss deshalb binnen eines Monats ausreisen. Das Innenministerium teilte nur lakonisch mit, dass die Gesetze eben befolgt werden müssten und der Deutsche jederzeit als Tourist Israel besuchen dürfe.
Schmidt fühlt sich als Israeli

Nir Katz (l.) und Liz Trobishi wurden bei der Attacke 2009 getötet
Für Schmidt wäre das ein Albtraum, da er keine Kontakte mehr in seine alte Heimat hat: "Mein ganzes Leben ist in Israel. Meine Freunde, mein Job, meine Familie", erklärte er in einem Interview mit Ynet-News. "Wenn ich jetzt nach Deutschland zurückgehen würde, müsste ich wieder ganz neu anfangen. Ich wäre ganz alleine. Meine Familie ist die Katz-Shenhar-Familie. Ich fühle mich als Israeli."
Homo-Aktivisten appellieren nun an die Regierung, ihre Entscheidung noch einmal zu überdenken. So erklärte Nitzan Horowitz, der einzige offen schwule Knesset-Abgeordnete, "dass es dem Staat Israel nicht schaden würde, wenn eine Person wie Schmidt - im Angesicht der schwierigen und außergewöhnlichen Umstände - bei uns bleiben könnte". Jonathan Gher vom Jerusalem Open House sagte, dass Israel mit einer positiven Entscheidung beweisen könnte, dass es wirklich für Homo-Rechte einsteht, wie Politiker immer wieder beteuern: "Jetzt hat das Land die Chance, den Worten Taten folgen zu lassen", so Gher. Aktivisten planen für das Wochenende eine Demonstration für ein Bleiberecht.
Bei dem Anschlag in Tel Aviv war ein Unbekannter in einen Coming-out-Treff eingedrungen und schoss um sich. Zwei Menschen starben, zahlreiche weitere wurden verletzt. Die Polizei konnte den Täter bislang nicht ermitteln. (dk)
Nachtrag, 20h: Wie die Zeitung Haaretz meldet, hat das israelische Innenministerium nach großen Protesten die Aufenthaltsgenehmigung von Thomas Schmidt für einen unbekannten Zeitraum verlängert, bis eine endgültige Entscheidung getroffen werden soll. Schmidt hätte ursprünglich bis 20. Februar das Land verlassen müssen. (nb)
Links zum Thema:
» Online-Petition für ein Bleiberecht Schmidts














Wenn nun Deutschland einen schwulen Israeli in sortgleicher Situation auswiese wäre das diplomatische Geschrei groß...aber das Verbrechen der Nazi's macht Deutsche noch heute zu schuldigen Duldern und Israel zum menschenrechtverachtenden Staat und Ursupator dem alles erlaubt wird...