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- 10. Februar 2011 2 Min.

(Bild: CommandZed / flickr / by-nd 2.0)
Die norwegische Einwanderungsbehörde will künftig allen Asylbewerbern einen Film über Homosexualität zeigen, um den Neuankömmlingen skandinavische Toleranz beizubringen.
Wie die Nachrichtenagentur Norsk Telegrambyrå meldet, soll bis März ein Film in 13 verschiedenen Sprachen produziert werden. "Wir werden zeigen, dass Homosexualität in Norwegen normal und akzeptiert ist", erklärte die von der Behörde beauftragte Regisseurin Mari Finnestad. "Die Asylbewerber leben in Norwegen und werden Teil der norwegischen Gesellschaft, deshalb müssen sie die Regeln akzeptieren".
Im Film soll unter anderem die Geschichte eines lesbischen Paares mit Kindern und die Odyssee eines schwulen Asylbewerbers gezeigt werden, der aus einem homophoben Land flieht. Der Film soll auch klarstellen, dass Homosexuelle einen gesetzlichen Diskriminierungsschutz genießen. Das sei besonders wichtig für schwule und lesbische Flüchtlinge, die in ihrem Heimatland verfolgt worden sind und deshalb ihre sexuelle Orientierung geheim halten.
Kritik: Film nur "ideologischer Zeigestock"
Kritik an dem Film kommt von religiösen Organisationen. So erklärte Jan Harsem, der Chef der christlichen Interessenvertretung Cekem Scandinavia, gegenüber der evangelischen Illustrierten "DagenMagazinet", der Film behandle die Asylbewerber herablassend. Auch in Norwegen sei umstritten, wie Homosexualität moralisch zu bewerten sei. Der Film sei lediglich ein "aufgezwungener, ideologischer Zeigestock".
In anderen Ländern gab es bereits Streit um Toleranztests für Einwanderer: So führten die Niederlande 2006 schriftliche Tests für Ausländer aus islamischen Ländern ein, die ein Einwanderungsvisum beantragten. Darin wird auch die Meinung gegenüber Homosexuellen abgefragt (queer.de berichtete). Außerdem wird den Besuchern ein Film abgespielt, in der auch küssende Männer zu sehen sind. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch bezeichnete das als diskriminierend, weil nur Bewerber aus nichtwestlichen Ländern die teuren Integrationstests absolvieren müssen (queer.de berichtete).
2006 führte auch Baden-Württemberg einen Homo-Check für Muslime ein, die die deutsche Staatsbürgerschaft annehmen wollen. Ein Jahr später entfernte die schwarz-gelbe Landesregierung die Homo-Fragen nach Kritik wieder aus der Prüfung (queer.de berichtete). (dk)














