https://queer.de/?13690
- 14. Februar 2011 3 Min.

"Fred wer?" - Karger will sich mit ironischem Unterton bekannter machen. (Bild: Fred Karger Presidential Exploratory Committee)
Fred Karger war früher Wahlkampfleiter von Ronald Reagan und George Bush senior - nach seinem Coming-out wurde er zum Homo-Aktivsten und will nun als erster schwuler Präsident ins Weiße Haus einziehen.
Von Dennis Klein
Seit seinem Coming-out im Jahre 2004 bezeichnet sich Fred Karger als schwul-lesbischen Aktivisten. In Kalifornien organisierte er in den letzten Jahren Proteste gegen die Schließung von Schwulenbars, stellte homofeindliche Firmen an den Pranger und sammelte mit Inbrunst Spenden gegen den Volksentscheid Proposition 8, mit dem 2008 das Eheverbot wieder eingeführt wurde (queer.de berichtete). Dieser 61 Jahre alte Mann will nun der erste offen schwule Präsident der USA werden. Chancen hat er zwar praktisch keine, den beginnenden Vorwahlkampf könnte er aber aufmischen.
Als Republikaner ist Karger mit seinen Forderungen - etwa der bundesweiten Öffnung der Ehe - in seiner Partei ohnehin nicht mehrheitsfähig. Aber auch Homo-Aktivisten betrachten den emsigen Politiker mit Vorsicht. Denn bis zu seinem Coming-out unterstützte er stets Politiker, die sich gegen die Gleichbehandlung von Schwulen und Lesben ausgesprochen haben. Insbesondere seine Arbeit für Ronald Reagan, die Ikone der amerikanischen Rechten, ist vielen ein Dorn im Auge. Der Schauspieler-Präsident ist unter Homo-Aktivisten verhasst, weil er die Aids-Epidemie in den USA vollkommen ignorierte. Als Resultat dieser Politik haben die USA noch heute mit der höchsten HIV-Infektionsrate der westlichen Welt zu kämpfen.
Homo-Rechte statt Tabak-Lobby
Sympathisch klingt die jahrzehntelange Arbeit Kargers nicht gerade: Zur seinen Aufgaben gehörte, Dreck am Stecken des Gegenkandidaten zu finden - dabei soll er selten rücksichtsvoll gewesen sein. In den 1990er Jahren arbeitete er dann für die Tabak-Lobby, die sich - mit teilweise unlauteren Methoden - gegen Rauchverbote zur Wehr setzte.
Heute will Karger junge Schwulen und Lesben das Leben leichter machen - damit es dem Nachwuchs besser geht als ihm selbst: "Heute fühle ich mich wohl in meiner Haut, aber als Teenager war es die Hölle. Niemand sollte da durch müssen", begründet Karger seinen Einsatz. Dafür hat er bereits als erster Kandidat Werbung im US-Fernsehen geschaltet. Damit will er sicherstellen, dass er bei den parteiinternen Vorwahl-Debatten mitdiskutieren darf. Diese mit Spannung erwarteten Events werden live im US-Fernsehen übertragen und über Tage in den 24-Stunden-Nachrichtensendern analysiert.
Alle Präsidentschaftsbewerber sammeln erst einmal die Unterstützung ("Endorsements") von Promis ein und werben damit. Da die Hollywood-Größen meist demokratisch orientiert sind, bleibt den Republikanern oft nur die zweite Reihe, von der Karger aber nur träumen kann: Er hat bislang mit Mike Manning höchstens einen C-Promi gewinnen können. Manning war ein bisexueller Kandidat der MTV-Realityserie "The Real World: Washington D.C.".

Präsident Ronald Reagan waren Homo-Rechte und die Aids-Krise egal.
Probleme könnte der potenziell erste offen schwule Präsidentschaftskandidat sogar mit den Schwulen und Lesben seiner eigenen Partei bekommen. Die parteiinternen Organisationen Log Cabin Republicans sind ebenso wie GOPride darauf bedacht, nicht als "tuntig" abgestempelt zu werden und betonen daher lieber ihre Liebe zu sparsamer Fiskalpolitik als die Forderung nach gleichen Rechten. Zuletzt setzten sie sich für Donald Trump als republikanischen Präsidentschaftskandidaten ein (queer.de berichtete).
In einem Interview mit dem Homo-Magazin "Metro Weekly" brachte ein Vertreter von GOPride diese Einstellung auf den Punkt: "Ich mag nicht wirklich Schwule", erklärte Matt Hissy bei einer Party im Rahmen der "Conservative Political Action Conference", die am Wochenende in Washington D.C. abgehalten wurde. "Die Klischee-Schwulen frustrieren mich", erklärte er weiter. Auf Nachfrage sagte der junge Konservative dann, dass ihn Leute aufregten, die "schauspielern. Ich weiß ja, dass manche sich weiblich verhalten, was ja okay ist. Aber manche sind in manchen Momenten normal, straight-acting, und im nächsten Moment springen sie wild rauf und runter." Im selben Interview bedient er trotzdem das Klischee vom Mutterkomplex der Schwulen, aber brav konservativ: "Ich liebe Sarah Palin. Sie erinnert mich an meine Mama", erklärte Hissy. (dk)













