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  • 21. Februar 2011 50 3 Min.

Nikolai Aleksejew ist als Organisator des CSDs in Moskau wiederholt mit der Staatsmacht aneinandergeraten (Bild: Wiki Commons / Rownosci / CC-BY-SA-3.0)

Warum verteidigt niemand in Deutschland Außenminister Guido Westerwelle vor schwulenfeindlichen Äußerungen des weißrussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko?

Von Nikolai Aleksejew

Das ist eine Frage, die mich in den letzten Tagen beschäftigt hat. Man kann inzwischen international viele Meldungen über den Fall finden, mehr als 65 alleine auf Französisch. Darin ist zu lesen, dass Westerwelle vom weißrussischen Präsidentendiktator wegen seiner Homosexualität beleidigt wurde (queer.de berichtete). Westerwelle ist zwar nicht besonders beliebt unter schwulen und lesbischen Deutschen, denn er hat nicht viel für sie getan. Trotzdem ist es interessant, wie wenig Interesse diese Geschichte weckt.

Niemand stört sich scheinbar daran, wenn Lukaschenko einem Minister bei einem offiziellen Staatsbesuch ins Gesicht sagt, dass Schwule in staatliche Bauernhöfen arbeiten sollten und ein unnatürliches Leben führten. Warum regt sich niemand über eine solche unglaubliche Äußerung auf? Was wäre passiert, wenn Lukaschenko zu Merkels Ehemann sagt, dass alle Frauen am Herd bleiben sollen? Oder wenn er gegenüber Wolfgang Schäuble erklärt, dass Behinderte nichts in einer Regierung zu suchen haben? In beiden Fällen wäre der Aufschrei der deutschen Medien riesig.

Angriff auf Westerwelle ist Angriff auf alle Schwulen und Lesben

Erhält Westerwelle wegen seiner Homosexualität so wenig Unterstützung innerhalb der Regierung? Und ist er so wertlos für die schwul-lesbische Community - und dazu noch in der falschen Partei - dass Homo-Aktivisten denken, er verdiene keine Unterstützung? Dabei ist die Beleidigung doch ein Angriff auf die gesamte Community. Wir alle sind gefährdet, wenn ein Schwuler wegen seiner sexuellen Orientierung angegriffen wird.

Dabei gebe ich gerne zu, dass ich Westerwelle für ziemlich nutzlos halte. Er ist nach Moskau gekommen, hat sich in schwul-lesbischen Einrichtungen gemeldet und eine nette Cocktail-Party gehabt - aber nicht unsere Anliegen weitergeleitet. Aber was Lukaschenko gesagt hat, schadet uns allen, speziell den Schwulen und Lesben in Weißrussland. Und diese Aussage ohne Reaktion zu belassen, schafft einen gefährlichen Präzedenzfall. Wenn Lukaschenko sieht, dass er ohne Widerspruch den deutschen Außenminister anpöbeln kann, sind Schwule und Lesben in seinem Land noch mehr gefährdet.

Mehr Engagement von Volker Beck erwartet

Hier erwarte ich auch mehr Einsatz von Parlamentariern wie meinem Freund Volker Beck, der sich in diesem Fall sehr zurückgehalten hat. Ich verlange von Volker, wie ein Aktivist für unsere Rechte zu kämpfen und nicht nur ein politisches Spiel zu spielen. Ich habe oft via Facebook mit Volker diskutiert. Er hat mich dabei kritisiert, etwa als ich ihm gesagt habe, dass ich die Todesstrafe unterstütze. Volker sagte mir, dass ich dann kein richtiger Menschenrechtsaktivist sein kann. Auf die gleiche Art sage ich nun zu Volker: "Wenn du nicht neben Westerwelle stehen kannst, wenn er von Lukaschenko in den Dreck gezogen wird, bist du kein anständiger Politiker. Dann arbeitest du nur für dich selbst."

Nikolai Aleksejew ist seit 2006 Hauptorganisator des CSD Moskau und Chef des Projektes gayrussia.ru. Text übersetzt von Dennis Klein

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-w-

#1 GayreporterAnonym
  • 21.02.2011, 13:13h
  • Chapeau! So was Differenziertes liest man hier ja nicht...
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#2 FragestellerAnonym
  • 21.02.2011, 13:28h
  • Hat Westerwelle selbst Stellung genommen?

    Im deutschen Internet gibt es nur den Queer Artikel.
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#3 GeertAnonym
  • 21.02.2011, 13:28h
  • Westerwelle ist tatsächlich in der falschen Partei. Es ist undenkbar, dass in Deutschland Schwule und Lesben FÜR Westerwelle auf die Straße gehen und demonstrieren.
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