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- Von Von Christian Scheuß
21. Februar 2011 2 Min.
Lange stand es still das Personalkarussell in der Redaktion des schwulen Magazins MÄNNER. Der im Berliner Bruno Gmünder Verlag stehende Chefredakteurs-Sessel gilt als Schleudersitz. Eine ganze Weile hat Peter Rehberg darauf sitzen können, der Nachfolger Kevin Clarke nahm im Februar Platz. Ein erfahrener Mann, der bereits für den Tagesspiegel, die BUNTE und den deutschen Playboy gearbeitet hat. Neue Chefredakteure setzen gern ihre eigenen Duftmarken. Clarke hat diese Möglichkeit voll ausgeschöpft und vieles im Heft umgebaut, wenn auch mit einer merkwürdigen Positionierung. MÄNNER solle "mehr in der Mitte der Gesellschaft ankommen, optisch und inhaltlich", verkündet er im Editorial.
Die berühmt-berüchtigte Mitte! Ist ja eigentlich der Ort, von dem aus man gleich gut nach links oder rechts schauen kann. Im neuen Heft trifft man aber überraschend auf BILD-Volksbibelverkäufer Kai Diekmann und WELT-Redakteur Tilman Krause. Aber vielleicht war mit "Mitte" ja auch nur die Haltestelle Berlin-Mitte gemeint? Kevin Clarke: "Eine Zeitschrift für Schwule sollte nicht aussehen, wie ein Nischenprodukt, das man sich nicht traut, im Zug neben einem Hetero-Nachbarn zu lesen. Vielmehr sollte der Hetero neugierig in die MÄNNER gucken und auch sagen können: Wow, das sind ja spannende Themen und tolle Fotos!"
Mit der bisherigen MÄNNER brauchte eigentlich niemand Schamgefühle im Zug entwickeln, und 'Wow, das sind ja spannende Themen und tolle Fotos' hat in der Vergangenheit glücklicherweise niemand zu mir gesagt. Das lag nicht daran, dass es diese spannenden Themen nicht gegeben hat, ganz im Gegenteil. Man konnte sich gewiss sein, dass die Storys Qualität hatten. Doch tatsächlich ist es bei Magazinen so: Das Design bestimmt das Bewusstsein. Das neue Layout, das der Farbe und dem Spiel mit Typographie wieder mehr Raum gibt, liefert eine Menge Punkte, mit neuer Lust in die Texte und Themen einzusteigen.
Der Ex-Playboy-Mitarbeiter hat mit seinem ersten Heft für Überraschungen gesorgt, schön so. Ob er sich in der Mitte der Gesellschaft oder anderswo wohlfühlt, ist eigentlich nebensächlich. Wichtig ist, dass die Leser goutieren, was Kevin Clarke künftig auf seinem Chefredakteurs-Sessel für sie zusammenstellt.
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Mit 'so etwas' meine ich z.B. die US-Hochglanzmagazine für schwule Männer "Mandate" und "Advokate", die in den Staaten durchaus relevante Themen kontrovers diskutieren lassen und Lobby-Arbeit für Schwule machen.
Ich, der mit so peinlichen Blättern, wie "him" und "Du und ich" aufgewachsen bin, bezweifle (leider), dass es in unserem Land funktionieren kann, Sex/Erotik und anspruchsvolle Texte (wie einst beim "Playboy" vorgemacht) im schwul- (lesbischen?) Bereich zu mischen und zu etablieren.
Der Spagat, nicht so pornografisch, dass der "Jugendschutz" greift und nicht so "zensiert", dass es zur "Bunten" für Schwule wird, scheint mir äußerst schwierig zu sein. Im TV-Bereich hat "Timm" ja wohl eindrucksvoll bewiesen, dass Deutschen da die Erfahrungen der US-Kollegen genauso fehlen, wie der Mut und die (finanziellen) Mittel, um anfängliche Durststrecken durchzustehen.
Wenn neben Diekmann demnächst auch noch Wagner und andere "Knallchargen" bei "Männer" schreiben sollten, wird das wohl eher abtörnend, als kauffördernd wirken.