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- 02. März 2011 2 Min.

Der Fürst hatte bereits in einer evangelikalen Zeitschrift zum Widerstand gegen die Öffnung der Kirche gegenüber Schwulen und Lesben aufgerufen. (Bild: Screenshot)
Albrecht Fürst zu Castell-Castell spricht Schwulen generell die Befähigung ab, als evangelische Pfarrer zu arbeiten.
Im Interview mit der "Augsburger Allgemeinen" erklärte der Chef des ältesten protestantischen Adelsgeschlechts in Bayern, dass ein "praktizierender Homo" niemals "Hirte" im Pfarrhaus sein könnte: "Stellen Sie sich vor, ein Homopaar im Pfarrhaus gibt Konfirmandenunterricht, Lebenskunde, spricht mit verlobten oder verliebten Paaren. Das geht nicht", so Castell-Castell. Der 85-Jährige ist Zeit seines Lebens in der evangelischen Kirche aktiv und durfte früher als Patronatsherr sogar Pfarrer auswählen - oder ablehnen.
Castell-Castell hatte bereits zuvor die Entscheidung der bayerischen Landeskirche kritisiert, gleichgeschlechtliche Partnerschaften im Pfarrhaus anzuerkennen. Gegen Homosexualität in seiner Kirche kündigte er "Widerstand wie im Dritten Reich" an - als Vorbild für die homofreie Kirche nannte er die Hitler-Gegner der Bekennenden Kirche (queer.de berichtete).
Im neuen Interview bezeichnete der Fürst diesen Vergleich als "unvorsichtig gefundene Formulierung", die Lage sei aber heute sehr ernst. Er erkenne zwar an, dass die bayerischen Protestanten beim Leitbild der (heterosexuellen) Ehe blieben. Allerdings sei das nicht konsequent: Die Kirche "stellt dieses Leitbild hin und lebt etwas anderes", kritisiert der Unternehmer, der vor allem im Bankensektor 300 Menschen beschäftigt.
Fürst wirbt für Homo-"Heilung"
Der überzeugte Christ wiederholte auch die Ansicht, dass Schwule und Lesben von ihrer Homosexualität "geheilt" werden können. So habe die Offensive Junger Christen - ein seelsorgerischer Fachverband innerhalb der evangelischen Kirche - Erfahrungen mit der Heterosexualisierung von Schwulen und Lesben gesammelt. Er verschweigt, dass Psychologenverbände weltweit die "Heilung" von Homosexuellen kritisieren, weil die Konversionstherapie vor allem junge Menschen in den Selbstmord treibt.
Nicht nur mit Schwulen an der Spitze von Kirchengemeinden hat der Fürst Probleme, auch Frauen als Bischöfinnen seien eine Fehlentwicklung, gerade in "Not-, Kriegs- und Gefahrenzeiten": "Wir dürfen es einer Frau nicht zumuten, sich im Ernstfall vor die Gemeinde zu stellen und ihre Kinder verlassen zu müssen." Die Geschlechterrollen sieht der Fürst klar verteilt: "Der Mann ist für den Kampf, für den Broterwerb geschaffen und die Frau ist primär für die Familie geschaffen." (dk)
Links zum Thema:
» Gesamtes Interview in der "Augsburger Allgemeinen"















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