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- 02. März 2011 2 Min.

Eine Aktivisten der Westboro-Baptisten bei einer Homo-Demo in San Francisco (Bild: bastique / flickr / by-sa 2.0)
Die schwulenfeindlichen Proteste der Westboro Baptist Church sind vom Recht auf Meinungsfreiheit geschützt, hat der oberste Gerichtshof der USA am Mittwoch entschieden.
Mit acht gegen eine Stimme haben die Washingtoner Richter das Recht der Baptisten aufrecht erhalten, mit homophober Rhetorik in der Öffentlichkeit zu demonstrieren - auch bei Beerdigungen. Geklagt hatte der Vater eines gefallenen Marineinfanteristen, bei dessen Beerdigung die fundamentalistischen Christen eine lautstarke Protestaktion abhielten. Die Westboro Baptist Church sieht die im Krieg getöteten US-Soldaten als göttliche Strafe für die Toleranz gegenüber Homosexuellen an. Die christlichen Aktivisten protestieren daher immer wieder bei Militärbegräbnissen und sichern sich so eine große mediale Aufmerksamkeit. Die Demonstranten - darunter viele Kinder - halten dabei Schilder mit Aufschriften wie "God Hates Fags" (Gott hasst Schwuchteln) oder "Fag Troops" (Schwuchtel-Streitkräfte).
Baptisten dürfen nun fast überall demonstrieren
In mehreren Gegenden haben Behörden in der Vergangenheit die Demonstrationen der Westboro-Kirche untersagt. Außerdem wurden die Homo-Hasser von Eltern getöteter Soldaten verklagt - niederinstanzliche Gerichte sprachen ihnen teilweise ein Schmerzensgeld zu. Mit der Entscheidung der Höchstrichter ist das nun nicht mehr möglich. Der Supreme Court bewertete das in der Verfassung garantierte Recht auf freie Meinungsäußerung höher ein als den Schutz der Menschen, die die Aussagen hören müssen: "Seine Meinung zu äußern kann einer Person sehr viel Macht verleihen. Diese Freiheit kann Menschen anregen, zu Tränen rühren oder - wie in diesem Fall - bei ihnen großen Schmerz verursachen. Wir können aber nicht auf diesen Schmerz reagieren, indem wir den Redner bestrafen", so die Richter in ihrer Urteilsbegründung.
Auch wenn die Kirche von fast allen Medien für ihre Hetzjagden verurteilt wird, unterstützten 21 Medienorganisationen die Klage - darunter auch angesehene Firmen wie die Nachrichtenagentur AP. Sie fürchteten, dass bei einer Niederlage der Westboro-Kirche die in den USA fast absolute Meinungsfreiheit eingeschränkt wird und damit die Berichterstattung erschwert werden könnte.
Die Westboro Baptist Church aus Topeka (Kansas) gehört zu den radikalsten religiösen Vereinigungen in den Vereinigten Staaten. Die 1955 vom Pfarrer Fred Phelps gegründete Kirche hat in den vergangenen Jahren bereits mehrfach gegen Homosexualität protestiert, auch auf Beerdigungen von bekannten Schwulen. Wegen der homophoben Rhetorik hat Großbritannien bereits ein Einreiseverbot gegen gegen Mitglieder der Phelps-Familie erlassen (queer.de berichtete).
Erst letzte Woche war die Kirche in den Schlagzeilen, weil das Online-Kollektiv "Anonymous" die Website der Radikalchristen gehackt hat (queer.de berichtete). (dk)
Links zum Thema:
» Supreme-Court-Entscheidung (PDF-Datei)















In Amerika ist es ja auch nicht verboten, sich mit - bei uns verfassungsfeindlichen - Symbolen zu schmücken. Genauso dürfen auch Rassisten dort wüten.
Auch das Unrecht bekommt so seine Stimme, obwohl wir ja alle wissen, dass sie kein Recht haben.
Aber es ist auch gefährlich, da sich irgendwann aus den Protesten auch Ausschreitungen entwickeln könnten. Dann aber werden sie sich entlarven! Entlarven als hasserfüllte, völlig ideologisch verbohrte Fanatiker! Und solche haben keinen Rückhalt in der breiten Masse der Bevölkerung!
Hoffentlich bleibt dem amerikanischen Volk schlimmeres durch diese Fundamentalisten erspart. Sie sind eine Gefahr für die Demokratie.