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- 08. März 2011 2 Min.

Für den nationalistischen Metropolit Amfilohije Radović sind Schwule Gegner des serbischen Volkes
Die serbische Antidiskriminierungsbehörde fordert den serbisch-orthodoxen Geistlichen Amfilohije Radović auf, sich für homophobe Ausfälle zu entschuldigen.
Radović, der Metropolit von Montenegro und Erzbischof von Cetinje, hatte im vergangenen Jahr den CSD in Belgrad als "Gestank und Gift" bezeichnet, der die serbische Haupstadt verschmutzte. Er machte die Homo-Aktivisten auch für die Gewalt beim CSD verantwortlich. Nationalisten hatten im Oktober 2010 die CSD-Besucher mit Steinen und Brandbomben beworfen und dabei Slogans wie "Tod den Schwulen" geschrien (queer.de berichtete).
Die Chefin der neu geschaffenen Antidiskriminierungsbehörde hat am Wochenende die Aussagen des Metropoliten in einem Fernseh-Interview scharf kritisiert und eine Entschuldigung gefordert. Nevena Petrušić erklärte, es seien mehrere Anzeigen gegen das Kirchenoberhaupt in ihrer Behörde eingegangen. Sie stellte klar, dass das Antidiskriminierungsgesetz Aussagen verbietet, die zu Diskriminierung, Hass und Gewalt anstacheln könnten. Dem Geistlichen schlug sie vor, sich mit Homo-Aktivisten zu treffen und über deren Diskriminierungserfahrungen zu sprechen. Sollte der Metropolit sich nicht binnen 30 Tagen entschuldigen, könne Anklage gegen ihn erhoben werden.
Das serbische Parlament verabschiedete 2009 auf Druck der Europäischen Union ein umfassendes Antidiskriminierungsgesetz, das auch das Merkmal "sexuelle Orientierung" mit einschließt (queer.de berichtete). Minderheitenschutz ist eine der Voraussetzungen für Serbien, EU-Mitglied zu werden. Die serbisch-orthodoxe Kirche hat damals lautstark gegen das Gesetz protestiert, weil es zur Diskriminierung von Christen führen würde. Radović hat sich wiederholt gegen westliche Reformen ausgesprochen und lehnt die EU-Mitgliedschaft Serbiens kategorisch ab.
Die Mehrheit der serbischen Bevölkerung teilt die kirchliche Abneigung gegenüber sexuellen Minderheiten: Mehr als die Hälfte der Bevölkerung hält Schwule und Lesben für eine Gefahr, zwei Drittel erklärten, Homosexualität sei eine Krankheit (queer.de berichtete). (dk)














